19.10.2018

17.09.2018

Lieferkette

Digitale Daten schaffen nachhaltigere Lieferketten

Voranschreitende Digitalisierungsprozesse sind eine große Chance, um die Lebensmittel-Lieferketten transparenter und nachhaltiger zu machen: angefangen bei mobilen Apps über digitale Managementsysteme für Farmen bis hin zu selbstfliegenden Drohnen und Radar- oder Satellitenbildern. Die NGO RainForest Alliance/Utz sieht darin vor allem Chancen.

Digitale Daten schaffen nachhaltigere Lieferketten zoom

Daan de Vries, Chief Innovation Officer der Rainforest Alliance, plädiert: Alle relevanten Akteure, einschließlich der Nachhaltigkeits- bzw. Zertifizierungsprogramme, müssen stärker zusammenarbeiten, um die digitale Revolution zu den Farmern und auf die Felder zu bringen. Gerade die Analyse digital erfasster Daten schafft einen Überblick über die oftmals sehr komplexen Strukturen innerhalb der Lieferketten. Daan de Vries beobachtet positive Veränderungen auf drei Ebenen:

Ebene 1: Unternehmen benötigen transparente Lieferketten für das Vertrauen der Verbraucher sowie Stakeholder

Das Thema Nachhaltigkeit rückt auf der Agenda der Unternehmen immer weiter nach oben. Unternehmen benötigen und fordern mehr Einsicht in die Prozesse innerhalb der Lieferketten, um ihre eigene Leistung und ihre Fortschritte zu messen. Digitalisierung ermöglicht an dieser Stelle mehr Transparenz, was wiederum zu mehr Vertrauen von Seiten der Verbraucher und Stakeholder führt.

Dies wird deutlich am Beispiel von CocoaAction, einer Plattform, die führende Kakao- und Schokoladenunternehmen zusammenbringt. Gemeinsam mit der Rainforest Alliance werden digital Daten darüber erfasst, wie die Kakaofarmer die Praktiken des nachhaltigeren Anbaus umsetzen. Mithilfe der Analyse dieser Daten können sowohl die Unternehmen als auch die Farmer fundierte Entscheidungen darüber treffen, in welche Maßnahmen Zeit und Geld am wirkungsvollsten und nachhaltigsten eingesetzt werden müssen. Denn der nachhaltigere Anbau ist der Schlüssel für die Steigerung der Farm-Produktivität.

Ebene 2: Zertifizierungsprogramme treiben die Nutzung digitaler Daten voran

Nachhaltigkeitsprogramme widmen sich in ihren Standards Themen wie Produktivität, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, Klimawandel, Kinderarbeit oder Entwaldung. Zertifizierungen bieten außerdem ein Level an Transparenz, das wenig andere Ansätze bieten. Daher schließen sich viele Unternehmen Programmen für eine zertifizierte Rohstoffbeschaffung an. Dadurch haben sowohl die Unternehmen als auch Farmer Zugriff auf eine Vielzahl an Daten – zumeist jedoch noch immer in Papierform. Die zunehmende Konnektivität, die geringeren Implementierungskosten sowie die gestiegene Alphabetisierung in den Anbauländern bieten jedoch mittlerweile immer mehr Ansatzpunkte für die Digitalisierung.

Zahlreiche Belege hierfür liefern Pilotprojekte der Rainforest Alliance, unter anderem innerhalb der Kakao- und Haselnuss-Programme. Durch die Analyse digitaler Daten von den Feldern wird so beispielswiese direkt ersichtlich, wenn eine Kooperative zu nah an der Grenze eines Nationalparks oder einer geschützten Wasserquelle errichtet ist. Durch diese Informationen erhalten die Farmen demnach die Chance, derartigen Nachhaltigkeits-Herausforderungen durch Korrekturen oder zielgerichtete Maßnahmen besser zu begegnen.

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Ebene 3: Die Digitalisierung wird zum Eckpfeiler nachhaltiger Landwirtschaft

In Industrieländern wird die Präzisionslandwirtschaft in Form von bspw. Erdsonden oder automatischer Bewässerungssysteme bereits umfassend genutzt – ist allerdings auch stark auf die Bedürfnisse und technischen Voraussetzungen der hochprofessionalisierten Landwirtschaft zugeschnitten. In Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommen, und vor allem für Kleinbauern, muss ein anderer Technologiemix zum Einsatz kommen. Dann kann die Auswertung von digital erfassten Daten ihre ganze Kraft entfalten: Sie hilft dabei, die negativen Folgen nicht-nachhaltiger Anbaupraktiken zu verstehen. Darauf basierend können individuelle Lösungen und Maßnahmen entwickelt werden und deren Fortschritte digital erfasst werden. Um selbst vor Ort Daten zu erfassen, ist es immens wichtig, dass die Farmer deren Mehrwert nachvollziehen können.

Diesen Ansatz verfolgt zum Beispiel das SAT4Farming-Programm, eine Initiative bestehend unter anderem aus der Grameen Foundation, Mars und der Rainforest Alliance. SAT4Farming erstellt anhand digitaler Technologie und Satellitenbildern individuelle Pläne zur Farmentwicklung, sogenannte FDPs (Farm Development Plans). Sie versorgen tausende von Kakao-Kleinbauern mit Informationen und Input, mit deren Hilfe sie ihre Produktivität erhöhen und nachhaltiger agieren können.

Quelle: UD/pm
 

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