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Dienstag, 06.Dezember 2016
Smarte Stromzähler – Unfug oder zukunftsweisend? zoom

20.01.2016

Smarte Stromzähler – Unfug oder zukunftsweisend?

Für die einen sind Smart Meter die intelligenten Strom-Mess- und Zähltechnik von Morgen. Für die anderen teurer Unfug. Was spricht dafür, was dagegen? HausXXL hat dies mit zwei Experten diskutiert.

Die Bundesregierung hat Anfang November einen Gesetzentwurf zur „Digitalisierung der Energiewende“ initiiert. Demnach sollen Netzbetreiber auch Kleinverbraucher mit sogenannten Smart Metern (intelligenten Stromzählern) ausstatten dürfen. Mit Hilfe von Smart Metering können Daten über den Stromverbrauch im Sekundentakt erfasst und ausgewertet werden. Verbraucherschützer, allen voran der Verbraucherzentrale Bundesverband, kritisieren den Entwurf. Ihrer Meinung nach seien die zu installierenden Geräte teuer und brächten nur geringfügige Vorteile für den Verbraucher.

Anlässlich dieses Themas fragte HausXXL im Dezember 2015 bei zwei Insidern aus der Branche nach. Die Interviewpartner waren Dr. Michael Schmidt, Geschäftsführer der RWE Metering GmbH und Prof. Dr.-Ing. Ulrich Greveler, Professor für angewandte Informatik an der Fakultät Kommunikation und Umwelt der Hochschule Rhein-Waal.

Der Vorteil von Smart Metering für den Verbraucher

Eingangs stellte HausXXL beiden Interviewpartnern die Frage, welche Vorteile sie bei Smart Meter für den Verbraucher sehen? Insbesondere Dr. Schmidt betonte, dass Verbraucher mit einem Smart Meter die Möglichkeit haben, "theoretisch alle 15 Minuten einen für sie besonders günstigen Tarif [zu] wählen". Darüber hinaus würden sich viele Kunden laut Schmidt mehr Transparenz bei ihrem Stromverbrauch wünschen, die er durch das Smart Metering befriedigt sieht. Auch Prof. Greveler hebt die Möglichkeit für Verbraucher hervor, einen Überblick über ihren Stromverbrauch zu erhalten. Allerdings lassen die Daten auch Rückschlüsse auf die Bewohner zu, weshalb sie seiner Meinung nach zu schützen sind.

Smart-Meter Skeptiker, Prof. Dr. Greveler (re.), Hochschule Rhein-Waal, und Befürworter Dr. Michael Schmidt (li.), CEO der RWE Metering GmbH.
Smart-Meter Skeptiker, Prof. Dr. Greveler (re.), Hochschule Rhein-Waal, und Befürworter Dr. Michael Schmidt (li.), CEO der RWE Metering GmbH.

Smart Meter als Rückschritt in der Liberalisierung des Strommarktes?

Auf die Frage, ob der seit Januar 2010 bestehende Zwang zum intelligenten Stromzähler nicht ein Rückschritt in der Liberalisierung des Strommarktes sei, antwortete Prof. Greveler: „Das führte zur absurden Situation, dass der Zwang bereits verkündet war, als die Ausgestaltung im Hinblick auf Messintervalle, Datensicherheit und Fristen in Abhängigkeit vom Jahresverbrauch noch nicht bekannt war. So verprellt man die Verbraucher!“

Dem entgegnete Dr. Schmidt: „Diese Einbaupflicht orientiert sich an den möglichen Einsparpotenzialen, die eine im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums durchgeführte Kosten-Nutzen-Analyse ergeben hat. Also nur bei Kunden, die auch ein hohes Einsparpotenzial haben, besteht eine Einbaupflicht von intelligenten Messsystemen. Alle anderen Kunden erhalten einen elektronischen Zähler.“

Nützt Smart Meter nur den Stromkonzernen?

Am Ende stellte HausXXL den Interviewpartnern die Frage, wie sie zur oft von Verbraucherschützern plakativ formulierten Aussage stehen, „Smart Meter nützt nur der Wirtschaft!“. Hier antworte Dr. Schmidt, dass die erhobenen Daten unter Einhaltung der Vorgaben des Gesetzes nur an berechtigte Verarbeiter weitergegeben würden. Er erwähnte jedoch auch, dass insbesondere Unbefugte ein großes Interesse haben dürften zu erfahren, welches Fernsehprogramm gerade geschaut wird oder von welcher Marke die Kaffeemaschine stammt.

Prof. Greveler gab an, dass die Aussage in erster Linie der Wahrheit entspräche, es allerdings nicht zwangsläufig zu einer Interessenkollision kommen müsse. Denn schließlich kann auch der Verbraucher Smart Meter zu seinem Vorteil nutzen. „Wenn er aber nur zusätzliche Kosten spürt, ohne Vorteile wahrzunehmen, wird er sehr enttäuscht sein – und dann stimmt auch dieses plakative Aussage“, so Greveler.

Fazit: Smart Metering bringt nur bedingt Vorteile für den Verbraucher

Smart Metering wird nur dann für den Verbraucher von Vorteil sein, wenn er durch Einsparpotenziale auch von günstigen Stromtarifen profitieren kann. Andererseits werden wohl nur Stromkonzerne die Daten für ihren eigenen Vorteil nutzen. Zudem sollte man nicht außer Acht lassen, dass sich die vier Stromriesen in Deutschland in einer Notlage befinden.
Allein in den ersten neun Monaten im Jahr 2015 erlitt E.ON einen Rekordverlust von mehr als 5,7 Milliarden Euro, und auch die Aussichten bei RWE sind alles andere als rosig. Deutschlands Stromkonzernen setzen der Strompreisverfall an der Börse sowie die Energiewende zu. Es dürfte daher kaum überraschen, dass die Unternehmen alles daran setzen werden, in Zukunft wieder kräftige Gewinne einzufahren.

Hier können Sie das vollständige Interview nachlesen.

 
Quelle: UD/pm

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