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07.12.2015

Palmöl-Anteil in Produkten steigt kontinuierlich

Palmöl kommt immer häufiger in Lebensmitteln vor. Das ergibt eine aktuelle Analyse von Codecheck, dem größten deutschsprachigen Produktratgeber mit über 26 Millionen registrierten Produkten. Dieser Trend hat fatale Folgen, denn neben Brandrodungen, dem Einsatz aggressiver Düngemittel, Zwangsvertreibungen von Kleinbauern und indigenen Gemeinden bringt der Anbau von Ölpalmen erhebliche ökologische, soziale und menschenrechtliche Probleme mit sich. Trotzdem steigt die Verwendung des billigen Rohstoff kontinuierlich.

Palmöl wird in vielen Lebensmitteln als günstiger Konsistenzgeber benutzt - in Gewürzen, Nussmischungen, Waschmitteln oder Kosmetika vermuten es jedoch die Wenigsten. Besonders bei Körperpflegeprodukten besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass unter den Inhaltsstoffen auch Palmöl aufgelistet ist. So enthalten 49,8 Prozent aller bei Codecheck registrierten Augenpflegeprodukten, 44 Prozent aller Gesichtscremes und 42 Prozent der Make-ups das problematische Öl.

Palmöl bei Nahrungsmitteln auf der Überholspur

Der Trend zum billigen Fett macht auch vor Nahrungsmitteln nicht Halt. Während laut Codecheck bei Pflegeprodukten ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, steigt der Palmölanteil bei Lebensmitteln um durchschnittlich 6,5 Prozent im Vergleich zu 2013. Im Einzelfall, wie etwa bei Nuss- und Schokocremes, kann dieser Anstieg sogar eine Differenz von bis zu 26 Prozent ausmachen. Vor allem Junk-Food sollte mit Vorsicht genossen werden, denn hier trifft man am häufigsten auf Palmöl. Jede zweite Nussmischung, jede dritte Schoko-, Nuss- und Milchcreme oder Wurstware, jedes vierte Asia-Fertiggericht und jeder fünfte Cracker hat das meist umweltzerstörend hergestellte Öl definitiv auf der Zutatenliste.

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Rückgang von fragwürdigen Bio-Zertifikaten bei Palmöl

Es ist widersprüchlich, aber trotz des wachsenden Interesses an "guten" Lebensmitteln, hat die Verwendung von Bio-Palmöl in den letzten Jahren in ausnahmslos jeder der analysierten Lebensmittelkategorien prozentual abgenommen. Und das, obwohl die Verwendung von Bio-Palmöl durchschnittlich bei einem Anteil von unter einem Prozent liegt. Während 2013 beispielsweise noch 14,6 Prozent aller Cracker Bio-Palmöl enthielten, waren es 2015 nur noch vier Prozent. Grund dafür kann die wachsende Kritik an Bio-Zertifizierungen sein, da diese in Verruf geraten sind, nur Mindeststandards zu vertreten: Bindende Verpflichtungen fehlen oder erhebliche Schwächen, Mängel und Regelverstöße können nicht ausgeschlossen werden. So wird zum Beispiel der größten Initiative im Palmölsektor, der Roundtable on Sustainable Palmoil, vorgeworfen, weiterhin den Anbau auf Torfböden zu erlauben oder Feldarbeiter unter schlechten Bedingungen arbeiten zu lassen. Außerdem stammten laut Ökotest 2013 99 Prozent des zertifizierten Palmöls im Bereich Waschmittel, Reinigung, Kosmetika aus Zertifikathandel (Book and Claim). Das heißt lediglich, dass für die eingesetzte Menge Palmöl genauso viel zertifiziertes Palmöl produziert wurde.

Trend mit fatalen Folgen

Für die Palmplantagen wird in Asien stündlich Regenwald in der Größe von 300 Fußballfeldern gerodet, Menschen und Tiere vertrieben. Bis das europaweite Gesetz zur Deklarationspflicht von Palmöl in Lebensmitteln am 13. Dezember 2014 in Kraft getreten ist, wird eine zusätzliche Fläche etwa so groß wie das Bundesland Sachsen unwiederbringlich zerstört sein. "Die Nachfrage nach Palmöl wächst global noch immer. Einerseits weil der Konsum von Produkten mit Palmöl wie Nahrungsmittel und Kosmetika steigt, andererseits weil Palmöl zunehmend für die Produktion von Agrotreibstoff verwendet wird", so Mirjam Kopp Kampagnen-Leiterin von Greenpeace. In fast jedem Bereich des täglichen Lebens, kommt man nicht an Palmöl vorbei. Dabei ist eine Nutzung von Palmöl meist gar nicht notwendig, da es durch andere Fette mit den gleichen Eigenschaften ersetzt werden könnte.

Unser Konsum beeinflusst den Welthandel

Ein nachhaltiger und bewusster Konsum kann helfen, maßgeblich Einfluss gegen Regenwaldabholzung und Artensterben zu nehmen. "Hilfreich ist es hier, auf Produkte ohne Palmöl, welche stattdessen nachhaltigere Fette wie etwa Kokosöl oder Sheabutter enthalten, auszuweichen", so Roman Bleichenbacher, Gründer und Geschäftsführer von Codecheck.

Was kann man als Konsument tun?

Momentan ist Codecheck die einzige App, die Palmöl anzeigt und Alternativprodukte vorschlägt. Auch Petitionen und Briefbeschwerden an Unternehmen können, wie im Falle einer indonesischen Palmölfirma im September dieses Jahres, einen Beitrag leisten. Der Deutsche Bundestag verzeichnete bereits 2014 eine Häufung von Beschwerden im Zusammenhang mit Palmölprojekten - ein Trend, der Hoffnung macht. Auch hilft es Unternehmen, die Palmöl in ihren Produkten verwenden, anzuschreiben und um die Verwendung von Alternativstoffen zu bitten. Je mehr sich beschweren, desto eher wird gehört. Eine komplette Umstellung auf andere Fette und Öle kann dennoch keine endgültige Lösung sein, da auch ein massenhafter Anbau von anderen Ölpflanzen wie Raps oder Sonnenblumen das Problem nur verlagern würden. Aktuell arbeiten Forscher an einer Alternative, die nicht auf großen Plantagen angebaut werden muss: ein Ersatzstoff aus Hefekulturen.

 
Quelle: UD/pm

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