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Nachhaltige Lebensmittel-Produktion wird zum Wettbewerbsvorteil zoom
Dr. Axel Kölle (li.) und Dr. Christian Geßner.

09.12.2015

Nachhaltige Lebensmittel-Produktion wird zum Wettbewerbsvorteil

Inwieweit beeinflussen Nachhaltigkeitsaspekte das unternehmerische Handeln der Konsumgüterbranche? Worin werden die größten Hürden bei der Umsetzung im Unternehmen gesehen? Wo die Perspektiven? Und wie groß schätzen Handel und Industrie das aktuelle Nachhaltigkeitsengagement ihrer Branche ein? Diese und weitere Fragen stellten das ZNU – Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Witten/Herdecke und die Lebensmittel Zeitung an Unternehmensvertreter aus Handel und Konsumgüterindustrie. Insgesamt 347 Führungskräfte haben sich an der Umfrage beteiligt.

„Grundsätzlich unterstreichen die Ergebnisse der Studie die Einschätzung, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Branche angekommen ist und sich immer stärker zum strategischen Wettbewerbsfaktor entwickelt“, erläutern die ZNU-Leiter Dr. Axel Kölle und Dr. Christian Geßner die Resultate der Umfrage. „Sowohl bei Händlern als auch bei Herstellern fließt der Nachhaltigkeitsgedanke verstärkt über das Unternehmensleitbild in die Firmen-DNA ein und führt zu einer zunehmenden Integration von Nachhaltigkeitsstrategien in die klassischen Geschäftsstrategien.“ So sehen beispielweise über 80 Prozent der Händler und Hersteller Nachhaltigkeit als Thema an, das wesentlich zur Zukunftssicherung des Unternehmens beiträgt. Die größten Chancen durch Nachhaltigkeit sehen beide Seiten im Anstoß von Innovationen auf Unternehmens- und Produktebene (Handel 62 Prozent, Hersteller 70 Prozent).

Transparenz als wichtigstes Kriterium

Jeweils drei Viertel der Hersteller und Händler sehen die Transparenz bei der Produktion und in der Lieferkette als wichtigstes Kriterium bei der Lieferantenauswahl des Handels. Einhaltung und Förderung von Sozialstandards in den Erzeuger- und Produktionsländern werden ebenfalls als wichtige Auswahlkriterien genannt.

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Zur Bewertung, wie relevant das Thema Nachhaltigkeit auf beiden Seiten ist, haben Handel und Hersteller jedoch deutlich abweichende Meinungen. Während rund 60 Prozent der befragten Hersteller zu der Einschätzung kamen, dass das Thema sowohl im Handel als auch in der Industrie eher stark bis sehr stark ausgeprägt ist, schätzen die Vertreter des Handels die Situation deutlich anders ein. Hier herrschte die Meinung vor, dass Nachhaltigkeit auf Handelsebene deutlich ausgeprägter ist (57 Prozent) als bei der Konsumgüterindustrie (38 Prozent). „Offensichtlich besteht hier eine Diskrepanz in der Wahrnehmung“, sagt Projektleiterin Verena Diekmann. „Es wird deutlich, dass der Austausch zwischen Hersteller und Handel zum Thema Nachhaltigkeit verstärkt werden kann. Die Studie zeigt, dass die Hersteller den Händlern in der Umsetzung von Nachhaltigkeit eher auf Augenhöhe begegnen.“ Einig sind sich mehr als zwei Drittel der Händler und Hersteller hinsichtlich der Überzeugung, dass Konsumenten bevorzugt von Herstellern mit „nachhaltigem Image“ kaufen.

Hürden für Umsetzung von Nachhaltigkeit

Die größten Hürden bei der Umsetzung von Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen sehen die Befragten in den hohen Umsetzungskosten (Hersteller 34 Prozent, Handel 28 Prozent), Schwierigkeiten bei der Wirksamkeitsmessung (Hersteller 31 Prozent, Handel 35 Prozent) und mangelndem Kundeninteresse (Hersteller 28 Prozent, Handel 32 Prozent).

Nachhaltigkeit setzt offenen Dialog voraus

„Der Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ wird in jüngerer Zeit recht inflationär verwendet und läuft Gefahr, zu einem Modewort zu verkommen“, so Geßner und Kölle. „Umso wichtiger ist es, hier eine stichhaltige Definition zu liefern. Für uns bedeutet nachhaltiger Wirtschaften, auf Unternehmens- und auf Produktebene schrittweise mehr Verantwortung für Mensch und Natur zu übernehmen – vom Unternehmensstandort über die Wertschöpfungskette bis hin zur Gesellschaft. Hierbei gilt es, sowohl das globale Nord-Süd-Gefälle als auch die zukünftigen Generationen im Blick zu haben. Nachhaltiger Wirtschaften ist ein mittel- bis langfristiger Lernprozess, der einen offenen Dialog mit den Anspruchsgruppen des Unternehmens voraussetzt.“

 
Quelle: UD/fo

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