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Jahrestag der Katastrophe von Rana Plaza

23.04.2015

Jahrestag der Katastrophe von Rana Plaza

Anlässlich des zweiten Jahrestags des Einsturzes der Textilfabrik im Rana Plaza Gebäude in Bangladesch fordert MISEREOR die Bundesregierung auf, gesetzliche Schritte zum Schutz der Menschenrechte in der deutschen Außenwirtschaft einzuleiten. "Deutsche Unternehmen sollten gesetzlich verpflichtet werden, für die Einhaltung der Menschenrechte bei ihren Tochterunternehmen und Geschäftspartnern im Ausland Sorge zu tragen", erklärt Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR.

"Es darf nicht sein, dass Unternehmen, die von ungerechten Arbeitsstrukturen und Billiglöhnen in Ländern wie Bangladesch und Pakistan profitieren, solange wegschauen dürfen, bis Tragödien wie die von Rana Plaza die Weltöffentlichkeit erschüttern", so Spiegel.

Auch zwei Jahre nach dem Einsturz von Rana Plaza mit über 1100 Toten und fast drei Jahre nach dem verheerenden Brand in der Ali Enterprises Fabrik in Pakistan mit 260 Toten haben auch deutsche Unternehmen noch nicht genug getan, um die Opfer zu entschädigen und die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche nachhaltig zu verbessern. Immer noch fehlen in dem von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verwalteten Entschädigungsfonds acht von 30 Millionen Euro.

Statt der geforderten fünf Millionen hat KiK bislang nur eine Million eingezahlt. Die deutschen Unternehmen Adler Modemärkte, KANZ/Kids Fashion Group, NKD und die Schmidt Group haben bislang noch keine Zahlungen geleistet. "Viele Opfer-Familien müssen so zusätzlich zu dem seelischen Leid materielle Nöte erleiden, weil sie keinen Ausgleich für die entgangenen Einkommen erhalten", so Spiegel.

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MISEREOR kritisiert zudem, dass die großen Unternehmen und Verbände der Textilbranche bislang immer noch zögern, dem von der Bundesregierung angestoßenen Textilbündnis beizutreten, dem auch MISEREOR angehört. MISEREOR ruft die Unternehmen auf, den neuen Vorschlag des Textilbündnisses jetzt anzunehmen und dem Aktionsplan zuzustimmen. "Eine konstruktive Mitarbeit der Wirtschaft ist dringend erforderlich, damit auch strukturelle Probleme wie kurzfristige Handelsbeziehungen und Lieferfristen, der Preisdruck auf Löhne und Arbeitsbedingungen und die hohe Belastung von Klima und Umwelt gelöst werden können", so Spiegel.

Über freiwillige Initiativen der Wirtschaft hinaus fordert MISEREOR vor allem verbindliche Verpflichtungen zur Achtung der Menschenrechte im Auslandsgeschäft deutscher Unternehmen. Deutschland sollte dem französischen Beispiel folgen, wo die Nationalversammlung ein Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht verabschiedet hat, dem nun der Senat noch zustimmen muss. Eine solche Gesetzesinitiative sollte die Bundesregierung in den Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte aufnehmen, den sie unter Beteiligung der Zivilgesellschaft und Wirtschaft derzeit ausarbeitet und Mitte nächsten Jahres beschließen will.

 
Quelle: UD/pm

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