21.09.2018

14.09.2018

Leben & Wohnen

Umweltfreundlich Hände trocknen – eine Frage der Methode

Ob im Büro oder im Waschraum: In kaum einem anderen Land wird so viel Papier verbraucht wie in Deutschland. Der Rohstoff dafür stammt immer öfter von ökologisch umstrittenen Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zu vielen Produkten gibt es heute Alternativen aus Altpapier. Dass es noch umweltfreundlicher geht, zeigt das Beispiel Händetrocknung.

Umweltfreundlich Hände trocknen – eine Frage der Methode
Die Dyson Airblade Installation im Klimahaus Bremerhaven

Händewaschen gehört zum Alltag dazu und ist eine wichtige Maßnahme, um sich vor Infektionen zu schützen. Anleitungen dazu, wie richtiges Reinigen funktioniert, finden sich in vielen öffentlichen Waschräumen und Firmentoiletten. Die Hände unter fließendes Wasser halten, gründlich, d.h. mindestens zwanzig Sekunden, einseifen, abspülen und abtrocknen. So empfiehlt es die Zentrale für gesundheitliche Aufklärung. Gesundheit und Hygiene haben also längst Einzug in die Waschräume gehalten. Ökologische Aspekte finden dagegen weniger Beachtung. Dabei ist das Problem offensichtlich: Die Einmalpapierhandtücher, die vielerorts zum Händetrocknen verwendet werden, führen zu überfüllten Mülleimern und so zu einem wachsenden Umweltproblem. Da die Papiertücher etwa mit Seifenresten verschmutzt sein können, müssen sie nach einmaliger Verwendung über den Restmüll entsorgt werden und gehen dem Papierkreislauf damit in Sekundenschnelle verloren.

„66.800 Tonnen Einwegpapierhandtücher werden jedes Jahr in Deutschland verbraucht: Ein Müllberg mit dem Gewicht von etwa 50.000 Mittelklasseautos“, rechnet Dyson, ein britisches Technologieunternehmen und Hersteller von Hochgeschwindigkeits-Händetrocknern, vor. Jeder Deutsche benutze somit jährlich 471 Papierhandtücher – Tendenz steigend. Anlässlich des Tages der Tropenwälder am 14. September veröffentlicht Dyson nun ein aktuelles Hintergrundpapier zu den Umweltauswirkungen von Papierhandtüchern.

Grafik zum Einweg-Müll in Deutschland

Papierhandtücher: Welche Alternativen gibt es?

Hochgeschwindigkeits- bzw. Jetstream-Händetrockner setzen sich als umweltfreundliche, papierfreie Alternative für das Händetrocknen unterwegs immer mehr durch. Auch in einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) aus dem Jahr 2014 schnitten Kaltluft-Jetstream-Händetrockner aus ökologischer Sicht als beste Trocknungsmethode ab. Geräte wie beispielsweise der Dyson Airblade trocknen die Hände mit einem kalten, starken Luftstrahl. Dieses Verfahren sorgt nicht nur für weniger Abfall: Herstellerangaben zufolge erzeugen Dyson Airblade Händetrockner auch „bis zu 85 Prozent weniger CO2 als einige andere Händetrockner und bis zu 83 Prozent weniger CO2 als Papierhandtücher“.

Hintergrund: So sehr belastet unser Papierverbrauch die Wälder

Ob für Bildung, Kommunikation, Verpackungen oder eben Hygiene: Deutschland hat im weltweiten Vergleich einen der höchsten Papierverbräuche pro Kopf. Dem NABU zufolge verbrauchte jeder Bürger im Jahr 2015 durchschnittlich fast 250 Kilogramm Papier, Pappe und Karton. Hygienepapiere wie Wegwerfpapiertücher seien ein wichtiger Treiber für den steigenden Papierkonsum. Ihr Anteil am gesamten Papierverbrauch liege inzwischen bei sieben Prozent.

Abgeholzter Baumstamm im Regenwald

Deutschland importiert über 80 Prozent des Zellstoffs für seine Papierproduktion, wie das UBA informiert. Hauptexportländer sind demnach Schweden und Finnland, weitere Teile stammen aus kanadischen Wäldern sowie von Holzplantagen aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie Brasilien.

Für die Herstellung von Zellstoff wird gerade in Südamerika oft das Holz schnell wachsender Baumarten wie Eukalyptus verwendet. Im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo etwa sind laut UBA bereits Millionen Hektar des atlantischen Regenwaldes durch ökologisch fragwürdige Eukalyptusplantagen ersetzt worden – zum Nachteil von Natur und Menschen. So weist das Forum Ökologie und Papier (FÖP) darauf hin, dass der Plantagenanbau nicht nur die Böden und Gewässer belastet, sondern auch die Gesundheit der Bewohner gefährdet, die zudem gezwungen sind, in andere Gebiete umzusiedeln. Experten wie der Agrarökonom Thomas Brose sehen deshalb in der Stärkung der Indigenen, ihrer Rechte und territorialen Ansprüche den effektivsten Schutz des Regenwaldes.

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Vorteile von Recyclingpapier

Verbraucher können mit ihrer Entscheidung für Produkte aus Altpapier maßgeblich zur Entlastung der Wälder beitragen. Der entscheidende Vorteil gegenüber Papier aus Primärfasern ist die Mehrfachnutzung der Papierfasern. Diese können laut FÖP bis zu sechs Mal wiederverwendet werden. Und es hat weitere Umweltvorteile: So werden bei der Herstellung von Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier weniger Wasser (bis zu 70 Prozent) und Energie (bis zu 60 Prozent) verbraucht und somit weniger Emissionen verursacht. Zudem werden weniger Chemikalien verwendet sowie Abfälle verringert. Produkte aus 100 Prozent Altpapier erkennen Verbraucher übrigens an dem Umweltzeichen Blauer Engel.

Schon gewusst?

Altpapier ist in Deutschland inzwischen ein knappes Gut. Denn sein Anteil an der gesamten Papierproduktion ist hierzulande in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Dem Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) zufolge lag dieser 2017 bei 74 Prozent. Aufgrund des hohen Altpapierbedarfs übersteigt die Nachfrage deshalb mittlerweile das Angebot. Bei Hygienepapieren ist ein gegenläufiger Trend zu beobachten. Hier ist der Altpapieranteil in den letzten Jahren stark gesunken – von 74 Prozent im Jahr 2000 auf 46 Prozent in 2016. Somit steigt durch die Herstellung von Hygienepapieren der Druck auf die Wälder zusätzlich.

Quelle: UmweltDialog
 

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