Leben & Wohnen

Einfach mal Platz sparen

Viele machen sich beim Bauen und Wohnen Gedanken über die Umwelt. Sie benutzen natürliche Rohstoffe und lassen ihr Haus energetisch sanieren. Auch drehen sie die Heizung runter, bevor sie lüften oder schalten ihre Hausgeräte über Nacht aus. Aber mit räumlichem Platz gehen Menschen gerne verschwenderisch um. Doch der ist rar und wird immer teurer. Dabei gibt es neue Bauvarianten und Möbel, die einem ein Leben auf „kleinem Fuße“ ermöglichen.

03.08.2018

Einfach mal Platz sparen

Von der Toilette bis zur Küche und zum Schlafzimmer in fünf Schritten: Das wohl bekannteste Miniatur-Wohnkonzept sind die sogenannten „Tiny Houses“. Schlafen, kochen, duschen: das alles ist in solch einem Häuschen möglich – auf durchschnittlich 6,4 Quadratmetern Wohnfläche. Mit Tiny Houses werden Gebäude in der Machart kleiner Hütten bezeichnet. Sie sind meistens auf Rädern montiert und man kann sie als Anhänger umherziehen. Auf kleinster Fläche nutzen sie jeden Kubikmeter durchdacht aus, um möglichst viel Wohnraum zu schaffen – mit allem, was ein Mensch in der Regel so braucht. Die Idee dahinter ist einleuchtend: Auf kleinstem Raum lebt es sich kostengünstig und zugleich weitaus umweltverträglicher.

Das „winzige Haus“ hat seinen Ursprung in den USA und ist dort sehr beliebt. Kein Wunder: gesetzliche Vorgaben zum Standort und zu Baugenehmigungen gibt es in Amerika in der Regel nicht. In Deutschland herrschen dagegen strengere Vorschriften. Maximal zwei Wochen darf ein Wohnwagen auf öffentlichen Plätzen und Straßen parken, und auch das dauerhafte Wohnen in so einem Häuschen ist nicht überall möglich. Trotzdem kommt der Trend allmählich in Deutschland an.

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Auch für Städte geeignet?

Auch die Studentin Julia Wehdeking hat gemeinsam mit einer Kommilitonin ein Mini-Haus auf Rädern entworfen. Dafür gewann sie einen Preis und nutzte das Geld gleich, um ihren Entwurf in die Tat umzusetzen. Das Besondere an ihrem Tiny House: alles soll nachhaltig sein. Statt Isolierwolle verwendet sie getrocknetes Seegras. Später soll es Solarzellen auf dem Dach haben und eine Komposttoilette. „Die Herausforderung ist, dass alles auf so kleinem Raum ist. Man muss sich überlegen: Was brauche ich?“, erklärt Wehdeking dem NDR.

Bauberaterin Isabella Bosler ist ebenfalls vom Wohnen auf kleinstem Raum fasziniert. Deshalb gründete sie ein Online-Infoportal zu den Tiny Houses. „Der Zuspruch, den wir bekommen, ist enorm“, sagt sie. „Viele Menschen sind fasziniert von dem Thema.“ Mittlerweile gibt es in Deutschland mehrere Handwerksbetriebe, die den Bau der kleinen Häuser in ihrem Portfolio anbieten.

Viele Architekten setzten sich bei der Städteplanung ebenfalls mit dem Konzept auseinander. Die Idee: Tiny Houses würden auf den Dächern von innerstädtischen Häusern für mehr Wohnraum sorgen. Das klingt unglaubwürdig, wäre aber ein Schritt in die richtige Richtung. Laut einer Studie der Universität Darmstadt aus dem Jahr 2016 könnten deutschlandweit 1,5 Millionen zusätzliche Wohnungen geschaffen werden, wenn man die bestehenden Mehrfamilienhäuser der Baujahre 1950 bis 1989 mit einigen Tiny Houses auf den Dächern aufstockte.

Mikroapartments

In teuren Großstädten liegen sie längst im Trend: Mikroapartments. Oftmals bereits fertig möbliert, finden hier vor allem Studenten, Singles und Pendler auf 20 Quadratmetern Platz im überteuerten Wohnungsmarkt. Wem die Mikroapartments zu klein sind, um Gäste zu empfangen, der kann in einigen Gebäuden auf Gemeinschaftsräume ausweichen. So bietet zum Beispiel die i Live-Gruppe in ihren Häusern Terrassen, Lounge- und Barräume, die die Mieter gemeinsam nutzen können.
Auch ein Fitnessraum und eine Bibliothek sind im Angebot: „Unser Serviceangebot fokussiert dabei möglichst vielseitig die Interessen und Bedürfnisse unserer Bewohner. Zentraler Dreh- und Angelpunkt sind dabei unsere i Live-App sowie unser Community Manager vor Ort“, erklärt das Unternehmen. Dieser organisiert Freizeitevents wie gemeinsame Kochkurse oder Skifahrten.

Kompakter geht‘s nicht

Kleine Räume nützen gar nichts, wenn die Möbel dazu nicht passen oder zu groß sind. Wer praktische Lösungen für platzsparende Möbel benötigt, kann auf kompakte Alternativen zurückgreifen. So gibt es Möbelstücke, die unterschiedliche Funktionen miteinander kombinieren, den Luftraum im Zimmer und den Platz unter der Treppe nutzen. Manche kann man sogar zusammenfalten.

Wer noch weitere Tipps sucht, um platzsparend zu leben, wird hier fündig:

Einfach Anders Wohnen zoom

Irgendwie ist immer zu wenig Platz: Ungenutzte Dinge sammeln sich an, füllen Schubladen und Abstellkammer; Kinder vergrößern den Haushalt und brauchen irgendwann ein eigenes Zimmer. Auf der anderen Seite stehen Räume leer, weil niemand permanent Gäste hat oder das Haus im Grünen für die alleinstehende Oma zu groß geworden ist.

Das Buch präsentiert 66 Anregungen und Tipps, die dabei helfen, diesen Herausforderungen zu begegnen. Platz schaffen, Freiräume gewinnen, Zusammenrücken – die Möglichkeiten für ein anderes, modernes Wohnen sind immens, und die Auswirkungen sind es ebenso.

Dieser Artikel ist im Original im UmweltDialog-Magazin „Nachhaltig Bauen & Wohnen“ im Mai 2018 erschienen.

Mehr zum Thema:

UD-Banner-Nachhaltig bauen und wohnen
Quelle: UmweltDialog
 

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