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01.03.2012

Cornel Kuhrt über das Tchibo Mount Kenya Projekt: Die Rolle der Frauen

Das Tchibo Mount Kenya Project zielt darauf ab, die Lebensbedingungen der Kaffeefarmer und ihrer Familien zu verbessern. Die Projektmanagerin Cornel Kuhrt aus dem Bereich Unternehmensverantwortung bei Tchibo berichtet im UmweltDialog-Interview über den Schwerpunkt Wasser. Sie erläutert die Pläne zur Verbesserung der Wasserversorgung vor Ort und spricht über die Rolle der Frauen im Rahmen des Projekts: „Es ist erstaunlich, mit wie viel Kraft und Energie die Frauen daran arbeiten, die Situation der Gemeinschaft zu verbessern“, betont sie dabei.

Cornel Kuhrt hat mit den Frauen des Projekts Freude an ihrer Arbeit. Foto: Tchibo
Cornel Kuhrt hat mit den Frauen des Projekts Freude an ihrer Arbeit. Foto: Tchibo

UmweltDialog: Wie ist das Tchibo Mount Kenya Projekt zustande gekommen?

Cornel Kuhrt: Das Projekt entspringt aus unserer langjährigen Zusammenarbeit mit der Baragwi-Kooperative aus der gleichnamigen Region am Mount Kenya. Die Kooperative hat rund 16.000 Mitglieder, die wir schon vorher durch verschiedene Projekte unterstützt haben: Zum Beispiel bei der Zertifizierung durch die Rainforest Alliance oder durch Workshops zur Sensibilisierung auf den Klimawandel. Jedoch wollen wir nicht nur etwas für den Einzelnen tun, sondern auch etwas für die Gemeinschaft. Aus dieser Motivation entstand das Tchibo Mount Kenya Projekt, in dem wir mit 12 Selbsthilfe-Gruppen von Frauen auf dem Gebiet der Kooperative zusammenarbeiten.

UmweltDialog: Das Projekt beschäftigt sich unter anderem mit der Wasserversorgung. Was ist hier das zu Grunde liegende Problem?

Cornel Kuhrt: Das Problem ist, dass der zentrale Brunnen in der Region am Mount Kenya versiegt ist. Über 200 Haushalte haben daher keine direkte Wasserversorgung mehr,  und die Frauen müssen kilometerweit laufen, um Wasser zu besorgen. Ich bin die Strecke selbst mitgelaufen, bis zu der Wasserstelle ist es etwa eine halbe Stunde. Je nachdem, wie groß die Familien der Frauen sind und wie viele Tiere sie zu versorgen haben, müssen sie diese Strecke mehrmals am Tag laufen. Neben der erheblichen körperlichen Belastung durch die schweren Kanister ist das Wasserholen auch eine sehr zeitraubende Aufgabe.

UmweltDialog: Wie sollen diese Probleme im Rahmen des Projekts gelöst werden?

Cornel Kuhrt: Das Ziel ist, den Bewohnern am Mount Kenya einen direkten Wasserzugang zu schaffen. Dafür müssen Leitungen bis in das Dorf gelegt werden. Hierfür wurde schon vor dem Start des Mount Kenya Projekts wichtige Vorarbeit geleistet: Vor fünf Jahren gründeten einige Frauen der Region die Selbsthilfegruppe „Mugumo Water Group“ und sammelten Geld, um die Wasserversorgung verbessern zu können. Mit diesen Mitteln haben sie bereits alle nötigen Genehmigungen von den Behörden für das Wasserprojekt erhalten und eine geeignete Stelle an einem Fluss gefunden, von der aus sie Wasser anzapfen können, ohne dass dadurch zu viel abgeleitet wird. Aber die Pläne der Frauen scheiterten an den weiteren Kosten: Es müssen Rohrleitungen über eine Strecke von fünf Kilometern verlegt werden. Zudem bräuchten sie einen Wassertank, in dem das Wasser zu Trinkwasser aufbereitet  werden kann. Diese Anschaffungen übersteigen die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinschaft. Mit dem Mount Kenya Project wollen wir das nun jedoch realisieren. Es ist dabei sehr wichtig, dass die Gemeinschaft die Wasserleitungen als die Ihrige empfinden und nicht das Gefühl hat, sie gehören uns. Die Arbeit teilen wir uns: Die Dorfbewohner treffen die Vorkehrungen und bereiten den Kanal für die Leitungen und das Loch für den Wassertank vor, wir unterstützen sie dann bei der Anschaffung der Leitungen und des Tanks.

UmweltDialog: Wie kam die Mugumo Water Group zu Stande?

Die Frauen am Mount Kenya müssen bisher täglich weite Strecken zurücklegen, um Wasser zu holen. Foto: Tchibo
Die Frauen am Mount Kenya müssen bisher täglich weite Strecken zurücklegen, um Wasser zu holen. Foto: Tchibo

Cornel Kuhrt: Die Frauen der Region verbrauchen sehr viel Zeit am Tag für die Wasserbeschaffung. Diese Zeit und Energie würden sie viel lieber in ihre Gärten, den Anbau oder für kleine Nebeneinnahmen wie die Hühnerzucht oder die Milchwirtschaft investieren. In vielen anderen Dörfern ist das bereits möglich: Dort bestehen direkte Wasserverbindungen, so dass die Frauen zum Wasser holen nicht so weit laufen müssen. Um das auch für die Frauen in unserem Projekt umzusetzen, gründeten sie die Mugumo Water Group mit inzwischen rund 200 aktiven Mitgliedern. Die Frauen kommen aus dem Distrikt Gatu, der unterhalb von Baragwi liegt. Geleitet wird die Gruppe von neun Mitgliedern, von denen jedes aus einem anderen Dorf rund um Gatu stammt. In diesem Zusammenschluss haben sie ihre Pläne immer weiter voran getrieben und Geld gesammelt. Ich persönlich bewundere diese Frauen sehr, denn obwohl sie nur über sehr geringe Mittel verfügen, haben sie trotzdem über die Jahre hinweg kleinere Beträge gesammelt und an ihrem Vorhaben festgehalten. Sie haben sich gesagt, irgendwann - und wenn es in der Generation unserer Töchter ist - werden wir dieses Problem gelöst haben. Es ist wirklich erstaunlich, mit wie viel Kraft und Energie die Frauen daran arbeiten, die Situation der Gemeinschaft zu verbessern.

UmweltDialog: Warum arbeitet das Tchibo Mount Kenya Projekt in erster Linie mit den Frauen der Kaffeefarmer zusammen?

Versammlung der Frauen. Foto: Tchibo
Versammlung der Frauen. Foto: Tchibo

Cornel Kuhrt: Frauen sind gerade in Afrika die Träger der Gemeinschaft. Sie übernehmen einen Großteil der Arbeit auf den Feldern, sind dafür zuständig, dass die Kinder zur Schule gehen und das gesamte Gemeinwesen funktioniert. Indem wir mit ihnen arbeiten, schaffen wir es, die Gemeinschaft an sich zu stärken. Afrikanische Frauen organisieren sich außerdem oft selbst in Gruppen und wollen ihr Wissen teilen. Ein Beispiel: Wir haben mit den Frauen ein Dorf am Kilimandscharo besucht und uns dort energiesparende Öfen angeschaut. Eine Woche später hatte die erste Frau einen solchen Ofen nachgebaut. Mittlerweile haben sie Meetings einberufen, in denen sich andere Frauen die Öfen anschauen können. Diese Öfen brauchen erheblich weniger Holz; es reicht, diese mit gesammelten Ästen zu befeuern. So müssen keine Bäume gefällt werden, und es werden große Mengen an Holz und Emissionen eingespart. Zudem schonen die Öfen die Gesundheit der Frauen, denn auf dem offenen Feuer atmen die Frauen schnell die Schadstoffe von zwei Schachteln Zigaretten pro Tag ein.

UmweltDialog: Wie stehen die Männer zu der Herangehensweise, dass die Frauen Mittelpunkt des Projekts sind?

Cornel Kuhrt: Wir achten bei unseren Aktivitäten sehr darauf, die lokalen Gepflogenheiten entsprechend zu berücksichtigen. Die Farmer der Baragwi-Kooperative haben wir von Beginn an direkt miteinbezogen. Da sie das Projekt gut geheißen haben, erfuhren die Frauen eine immense Aufwertung in der Gemeinschaft. Die Kooperative ist in die gesamten Aktivitäten des Projekts involviert, in dem sie auch im Advisory Board und Steering Comitee vertreten sind. Die Männer sehen, dass die Aktivitäten der Frauen positiv sind und die gesamte Gemeinschaft davon profitieren wird. Dieses Kriterium müssen alle Vorhaben unseres Projekts erfüllen, darauf achten wir. So haben auch die energiesparenden Öfen einen Nutzen für alle.

UmweltDialog: Wie gehen die Menschen vor Ort denn damit um, dass die Frauen durch das Mount Kenya Projekt eigenständiger werden und teilweise eigenes Geld verdienen? Entstehen dadurch Probleme in der Gemeinde oder mit ihren Männern?

Cornel Kuhrt: Die Frauen sind sehr sensibel, was diese Dinge angeht. Sie geben ihren Männern das Gefühl involviert zu sein. Aber auch ein ganz anderer Aspekt kommt uns zu Gute: So wird in Kenia eine neue Gesetzgebung in Kraft treten, die besagt, dass in allen öffentlichen Organisationen oder Kooperativen Kenias mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein müssen. Daher ist das Thema sowieso in den kenianischen Köpfen gerade sehr präsent und unser Projekt kommt zum richtigen Zeitpunkt.

 
Quelle: UD

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