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08.07.2009

BMW schafft Chancen für arbeitslose Jugendliche

Ein schlechter Schulabschluss, zahllose Bewerbungen, Absagen, Arbeitslosigkeit - viele junge Erwachsene geraten nach der Schullaufbahn in diese Abwärtsspirale. Ihr zu entrinnen gelingt Wenigen aus eigener Kraft. Um auch denen eine Chance zu geben, die nicht mit guten Noten glänzen können, gründete die Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG gemeinsam mit der Boston Consulting Group (BCG) die Initiative „Joblinge“. Was hier zählt ist vor allem Motivation.

Joblinge bei gemeinnütziger Arbeit, Fotos (2): Joblinge gemeinnuetzige AG Zwiesel
Joblinge bei gemeinnütziger Arbeit, Fotos (2): Joblinge gemeinnuetzige AG Zwiesel

„Die Ausbildung abzubrechen, war ein Fehler. Hätte ich das durchgehalten, wäre ich heute nicht in dieser Situation.“ Das erzählte Richard Ellerbeck gegenüber der Presse im Juni vergangenen Jahres. Der damals 23-jährige hatte nach dem Abbruch seiner Ausbildung zum Land- und Baumaschinentechniker keine neue Anstellung gefunden. Er wurde arbeitslos und lebte von Hartz IV. Während Richard Ellerbeck auf seine Bewerbungen eine Absage nach der anderen erhielt, wurde im bayerischen Zwiesel das Programm „Joblinge“ gegründet. Ein Projekt, das sich an junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 25 Jahren richtet, die nach der Schule noch keinen Anschluss in der Arbeitswelt gefunden haben. Schlechte Noten sind dabei die häufigste Ursache, die Bewerber schaffen es meist erst gar nicht bis zum Vorstellungsgespräch. Zur Teilnahme am Joblinge-Programm dagegen spielen Noten keine Rolle. Ausschlaggebend sind hier Zuverlässigkeit und ein starker Wille, den Schritt in das Arbeitsleben zu schaffen.

Die Bewährungsprobe

Die Initiatoren des Joblinge-Programms haben einen Weg gefunden, wie Jugendliche auch ohne Schulnoten beweisen können, was in ihnen steckt. Dazu ist das Projekt in mehrere Abschnitte unterteilt: Der erste Schritt, sozusagen die Bewährungsprobe, ist das Verrichten einer gemeinnützigen Arbeit. „Wir wollen den Jugendlichen individualisierte Angebote machen, damit sie die Möglichkeit bekommen, ihre Eigeninitiative zu entwickeln und sich in der Praxis zu beweisen“, erklärt Dr. Christoph Glaser von der Kuenheim Stiftung. Auch Richard Ellerbeck erfuhr von den Joblingen und meldete sich zur Teilnahme. Seine erste Station war ein Bauhof in Zwiesel, auf dem er zwei Wochen aushalf. Hier musste er zeigen, dass er motiviert ist und vor allem, ob er jeden Tag pünktlich bei der Arbeit erscheint. „Darauf legen wir Wert, weil sich die Unternehmen darauf verlassen können müssen“, so Sabine Falter von der Managementberatung BCG. Ziel ist es nämlich, die Joblinge in ein festes Arbeitsverhältnis bei den Betrieben zu vermitteln, die an der Initiative teilnehmen. Diese bieten den Jugendlichen in einem zweiten Schritt des Programms einen Praktikumsplatz und gleichzeitig die Aussicht auf eine feste Stelle. In der Praktikumsphase können sie ihrem potentiellen Arbeitgeber zeigen, was sie können.

Richard Ellerbeck erkannte seine Chance: Nachdem er sich in seiner Testphase am Bauhof behaupten konnte, bekam er über die Joblinge-Aktion das Angebot, einen Staplerführerschein bei der Firma Smurfit Kappa in Zwiesel zu machen. Sofort sagte er zu - „das war mein Glück“, sagt Ellerbeck heute. Denn mit dem Schein in der Tasche absolvierte er anschließend ein Praktikum und wurde daraufhin von der Verpackungsfirma eingestellt. „Das hat mich ohne Ende gefreut“, erzählt er.

Die Mentoren

Die Schicksale, die sich in den Lebensläufen der Joblinge-Teilnehmer verbergen, sind sehr vielfältig. Bei der Suche nach dem richtigen Weg in das Berufsleben gilt es oft auch, sehr private Probleme zu bewältigen. Während der gesamten Dauer des Programms und darüber hinaus stehen den Joblingen deshalb sogenannte Mentoren zur Seite. Diese ehrenamtlichen Helfer unterstützen die Joblinge durch Gespräche, geben Tipps aus ihrer eigenen Lebens- und Berufserfahrung, vermitteln ihnen Praktika und spornen sie an nicht aufzugeben. Der Rentner Manfred Zeier stieß im September 2008 als Mentor zum Joblinge-Programm. Er freut sich helfen zu können: „Ich finde die Idee hervorragend, speziell einen jungen Menschen zu betreuen - besonders jemanden, der bisher vielleicht noch nie erlebt hat, dass sich jemand um ihn kümmert.“

Richard Ellerbeck auf einem Stapler
Richard Ellerbeck auf einem Stapler

Erfolg & Entwicklung

Seit dem Start der Initiative in Zwiesel ist inzwischen fast ein Jahr vergangen - Zeit für eine Zwischenbilanz: Insgesamt 46 Jugendliche meldeten sich bisher zur Teilnahme des Projekts an. „Unser Hauptziel, die langfristige Integration in das Arbeitsleben, ist uns in 26 Fällen gelungen, zwei der insgesamt 28 Erfolge besuchen weiterführende Schulen“, berichtet Sabine Falter. Ebenso gab es Jugendliche, die wieder ausstiegen. Richard Ellerbeck jedoch ist froh, dass er durchgehalten hat. Zwischenzeitlich hat er bei Smurfit Kappa eine Ausbildung als Fachkraft für Lager und Logistik begonnen. „Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt, ich habe jetzt alles: Arbeit und mache eine Ausbildung“, erklärt Richard Ellerbeck stolz und fügt hinzu: „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich einen guten Abschluss mache, und dass ich nicht mehr arbeitslos werde.“

Am 29. April diesen Jahres ging das Joblinge Programm nun auch in München an den Start. 20 arbeitslose Jugendliche stecken bereits in den ersten Projektphasen - weitere Gruppen folgen. Auch hier wird die Initiative von Unternehmen wie BMW, der Allianz und TÜV Süd unterstützt, in dem sie Praktikumsstellen und Arbeitsplätze bieten. In Zukunft soll das Programm auch auf andere Regionen in ganz Deutschland übertragen werden. Auf lokaler Ebene wird die Joblinge-Initiative von gemeinnützigen Aktiengesellschaften (gAG) getragen. Gründungsaktionäre sind beispielsweise der jeweilige Landkreis, Banken, Unternehmen und Stiftungen. Gewinne in Form finanzieller Überschüsse werden nicht ausgeschüttet, sondern wiederum für den gemeinnützigen Zweck eingesetzt. Ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat, in dem lokale Stellen zusammenarbeiten, begleitet die gAG.

 
Quelle: UD

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