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18.05.2009

Drogenhilfe auf dem Dach der Welt

Jede Minute infizieren sich weltweit fast zehn Menschen mit dem HI-Virus. Gerade in Entwicklungsländern sind die Behandlungschancen aufgrund der hohen Kosten begrenzt. Eine der Ursachen für die Infizierung im asiatischen Raum liegt in der Drogensucht und infizierten Fixerutensilien. In Nepal hat die deutsche Firma Compware Medical daher mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH ein Methadon-Projekt ins Leben gerufen.

Behandlung mit dem Ersatzstoff Methadon, Fotos (2): Compware Medical
Behandlung mit dem Ersatzstoff Methadon, Fotos (2): Compware Medical
„Das größte Problem ist“, so berichtet der Arzt Dr. Saroj Ohja, „dass wir nur 150 Behandlungsplätze haben.“ Dabei ist die Lage dramatisch im Land auf dem Dach der Welt. Patienten gibt es in Nepals Hauptstadt Katmandu genug.

Eine Untersuchung der Weltbank schätzt die Zahl der Drogenabhängigen im kleinen Himalaya-Staat auf 70.000. Fatale Folge: Jeder dritte von ihnen ist HIV-positiv, 90 Prozent infizierten sich mit Hepatitis C, 45 Prozent mit TBC, und fast 20 Prozent der Abhängigen sterben Jahr um Jahr durch eine Überdosis oder Begleiterkrankungen ihres Drogenkonsums.

In der psychiatrischen Abteilung der Tribhuvan Universitätsklinik der Hauptstadt hoffen die Wenigen, die dort einen Platz ergatterten, auf Hilfe. Schon am Morgen stehen sie in der Tür des Hauses aus weißen Ziegelsteinen. Sie warten auf die kleinen Plastikbecher mit der zähen Flüssigkeit, die ihnen die Rückkehr in ein normales Leben erleichtert. Saroj Ohja und zwei Krankenschwestern versorgen die Menschen in der ersten ambulanten Abgabestelle, die im Rahmen dieses Projektes umgestellt wurde, ganz Asiens mit dem Ersatzstoff Methadon. Damit bekommen sie eine Chance, irgendwann einmal wieder clean leben zu können. „Wir würden gerne Hunderte aufnehmen“, sagt Dr. Ohja, „aber unsere Kapazitäten reichen dafür nicht aus.“

Finanziert wird das PPP-Projekt aus Mitteln des des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das das PPP-Programm 1999 initiiert und die GTZ mit der Umsetzung beauftragt hat. Projektpartner der GTZ ist das mittelständige hessische Medizintechnik-Unternehmen Compware Medical aus Gernsheim. „Eigentlich“, sagt dessen Chef Gerd Meyer-Philippi, „kamen wir dazu wie die Jungfrau zum Kind.“ Die  Entwicklungsexperten der GTZ sprachen nämlich Compware Medical auf die Idee einer solchen Zusammenarbeit bei ambulanten Methadon-Abgabestellen an. Compware Medical ist nämlich weltweit bekannter Spezialist für Dokumentation und Vergabe von Betäubungsmitteln im Rahmen der Drogensubstitution. Therapien mit dem Ersatzstoff sind in Asien kaum verbreitet, bisweilen gar tabu. „Zudem“, sagt Meyer-Philippi, „gab es ohne unsere Software immer Probleme mit einer sauberen Dokumentation, wer wann wie viel Ersatzdrogen erhalten hat.“ Die Gefahr, dass große Mengen Methadon im Schwarzmarkt versickerten, war unterschwellig immer präsent.

Das gemeinsam von Compware und GTZ initiierte PPP-Projekt hat nun das erklärte Ziel, in den kommenden drei Jahren in asiatischen Ländern beim Aufbau und bei der Ausweitung von Methadonprogrammen behilflich zu sein. Nepal ist dabei der Startpunkt, an dem die eingesetzte Technik beweisen soll, dass sie eine bessere Behandlungsqualität und Arzneimittelsicherheit garantiert. Der Bedarf dafür ist immens. „Schätzungen des Joint United Nations Programme on HIV/AIDS (UNAIDS) zufolge leben heute weltweit etwa 33,2 Millionen Menschen mit dem HIV. Ein signifikanter Teil der Infektionen sind dabei Folgeerscheinungen unsachgemäßer Handhabung von Fixerutensilien wie Spritzen. Die Situation rufe dringend nach modernen Hilfsangeboten, so die GTZ, „im Jahr 2007 infizierten sich weitere 2,5 Millionen mit dem Virus.“ Jede Minute, so die Statistik, infizierten sich damit fast zehn Menschen neu!

Dabei ist man bei Compware Medical über die Partnerschaft mit den Entwicklungsexperten der GTZ sehr glücklich. „Die GTZ verfügt über einen exzellenten Ruf und Expertise“, so Meyer-Philippi gegenüber UmweltDialog. „Das ist ein unschätzbarer Türöffner.“ Das 375.000 Euro-Gemeinschaftsprojekt basiert ohnehin auf solidem Fundament. Seit über 20 Jahren ist Compware Medical als Spezialist für die Dosierung und vor allem für die lückenlose Dokumentation von Methadon ein wichtiger Partner für Ärzte, Justizvollzugsanstalten, Drogenambulanzen oder Krankenkassen - nicht nur in Deutschland.

Mit heute knapp über 20 Mitarbeitern entwickelten Meyer-Philippi und sein Partner Günter Kalka „MeDoSys“. Dieses System dosiert nicht nur für jeden Patienten individuell dessen vom Arzt berechnete Tagesdosis Methadon. Es fixiert zugleich lückenlos die Ausgabe. „Unsere Software hält jeden Arbeitsschritt zeitgenau fest und belegt, wer welchen Arbeitsschritt verantwortet“, erklärt Meyer-Philippi. Damit ist ein Missbrauch ausgeschlossen und der Zugang zum Schwarzmarkt versperrt.
Das ist Compware Medical wichtig. Deshalb etwa steht jedes Gefäß in der Ambulanz auf sensiblen Waagen. Alle Mengen werden nach Volumen und Gewicht erfasst, um Manipulationen auszuschließen. Zudem muss sich jeder Patient mit einem Porträt registrieren, das im System hinterlegt sein muss. „Weil hier längst nicht jeder schreiben und lesen kann“, erläutert Meyer-Philippi, sei dies ein weiterer Schritt, die Sicherheit zu erhöhen oder auch nur Verwechslungen auszuschließen.

Mit solch moderner Technik hoffen GTZ und Compware Medical die Behörden in Asien von der Methadon-Therapie zu überzeugen. Eigentlich sollte das Projekt in Indien starten, einem Land, das mit 2,5 Millionen HIV-Infizierten die zweithöchste Aids-Rate der Erde hat. „Aber die Nepalenesen waren schneller“, erzählt Meyer-Philippi vom Erfolg der Projektvorstellung, „die schlossen im Herbst 2008 gleich einen Vertrag mit uns für das auf etwa dreieinhalb Jahre angesetzte Projekt.“ Danach muss sich die Ambulanz selbst finanzieren.

„Ein großes Geschäft“, sagt der Compware-Chef, „wird das sicher nie.“ Kostendeckung jedoch sei schon heute angestrebt. Für sein Unternehmen sei es aber ein „soziales Engagement“, das ihm wichtig ist. Dazu zählt der Chef auch, dass Compware vor Ort Mitarbeiter für den Betrieb der Ambulanzen ausbildet oder Software von indischen Entwicklern schreiben lasse. „Wir trainieren Trainer“, formuliert er den Ansatz, vor Ort Strukturen zu festigen, die irgendwann weitgehend selbstständig existieren können sollen. Dazu zählt er auch, dass die Hardware dauerhaft gebaut sein muss und so nicht der Fall eintreten kann, dass die teueren und eigentlich sinnvollen Hilfen nicht mehr verwendet werden können, weil sie kaputt und kein Geld sowie Wissen für eine Reparatur und die weitere Funktion vorhanden ist. Die Dauerhaftigkeit der Hilfe ist dem Compware-Chef wichtig. „Wir sind zwar die Architekten“, vergleicht Meyer-Philippi, „aber die Nepalesen sind die Maurer.“         
 
Quelle: UD

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