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13.10.2006

Friedensnobelpreis 2006 an Mohammed Junus & die Grameen Bank

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an Mohammed Junus, den Gründer der Grameen Bank aus Bangladesch. Die Jury würdigt damit sein Engagement für "die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten". Schon ein paar Cent im Monat reichen nämlich, um Menschen zu helfen. Kleinstversicherungen und Mikrodarlehn bieten vielen Armen einen Ausstieg aus der Not. Und das Konzept funktioniert: Die Ausfallquote der Grameen-Bank etwa liegt bei nur 1-2 Prozent.

Geld kommt zu Geld, sagt der Volksmund. In Bangladesh fing aber jemand vor 30 Jahren an, genau denen Geld zu geben, die nichts haben. Muhammad Yunus erinnert sich: „Ich ging dann durch ein Dorf und machte eine Liste von Leuten, die Geld brauchten. Auf meiner Liste standen schließlich 42 Namen. Diese 42 Leute benötigten zusammen nur 27 Dollar. Ich habe dann diese 27 Dollar den Leuten als Darlehen aus meiner eigenen Tasche geliehen.“ Der Wirtschaftsprofessor an der Universität Chittagong in Bangladesh ist heute eine Legende im Bereich der Entwicklungspolitik. Yunus gründete daraufhin die Grameen-Bank, auf Deutsch die Dorf-Bank, die ein völlig neues Kreditkonzept entwickelte. Bisher gaben Banken nur demjenigen ein Darlehen, der bereits Besitz oder Einkommen als Sicherheiten vorweisen kann. Die Ärmsten der Armen hatten dagegen keinen Zugang zu Krediten. Und die Idee funktioniert: Die Ausfallquote der Grameen-Bank liegt zwischen 1 und 2 % - und das bei mittlerweile 3,7 Millionen Kunden.
 
Das Erfolgsrezept Grameen-Bank lautet: sozialer Druck statt Pfandrecht. Hanns Michael Hölz von der Deutschen Bank erläutert: „Die Kreditnehmerinnen - 95 Prozent sind Frauen, da Männer sich als weniger zuverlässig erwiesen - schließen sich in 5er-Gruppen zusammen, und jede „wacht“ über jede, ob der Kredit regelmäßig getilgt wird. Darüber hinaus hat die Grameen-Bank 16 konkrete Lebensregeln aufgestellt, auf die sich die Kreditgemeinschaft selbst einschwört. Dabei geht es z.B. um Disziplin, Fleiß, den Bau einer festen Behausung, Ernährung, Kindererziehung und Hygiene.“ Seit Gründung der Bank wurden Kredite in Höhe von insgesamt 165,43 Mrd. Taka (2,75 Mrd. EUR) gewährt. 153,28 Mrd. Taka (2,55 Mrd. EUR) wurden bereits zurückgezahlt. 90 Prozent der Kredite werden aus eigenen Geldmitteln sowie aus den Ersparnissen der Grameen-Einleger finanziert.
 
Auch die Struktur der Grameen-Bank widerspricht klassischen Geschäftsregeln: Sie ist im Besitz der Armen und ausschließlich für sie da. Die Bank vergibt drei Arten von Krediten: Unternehmens-Darlehen (zu einem Zinssatz von 20 %), Baudarlehen (zu 8 % Zinsen) und Bildungskredite für die Hochschulausbildung der Kinder von Grameen-Familien (Zinssatz: 5 Prozent). Alle Zinsen sind einfache Zinsen (Restwertabschreibung). Nimmt also eine Schuldnerin einen Kredit von 1000 Taka zu 10 Prozent Zinsen auf und zahlt die Summe innerhalb eines Jahres in wöchentlichen Raten zurück, bezahlt sie insgesamt 1100 Taka.
 
Nachahmer erwünscht

 „Der eigentliche Erfolg der Grameen-Bank liegt jedoch in ihren Nachahmern,“ erläutert Hölz. Allein in Bangladesh seien im Laufe der Jahre 200 Mikrokredit-Institute mit rund neun Millionen Kunden entstanden. Weltweit wird geschätzt, dass rund 50 Millionen Familien von Kleinstkrediten profitieren und sich so aus der Armutsspirale befreien konnten. Für die Vereinten Nationen war dies Anlass, das Jahr 2005 zum Jahr der Mikrofinanzierung zu erklären. „Mikrofinanzierungen sind keine Almosen“, betonte UN-Generalsekretär Kofi Annan. „Sie sollen dieselben Rechte und Dienstleistungen, die allen zustehen, auch Haushalten mit geringem Einkommen zugänglich machen.“ Der UN-Generalsekretär ist sicher, dass Armut am wirkungsvollsten von den Armen selbst bekämpft werden kann: „Arme Menschen sind nicht das Problem, sondern die Lösung.“ Die UN und ihre Partner haben sich daher das Ziel gesetzt, bis Ende 2006 weltweit 100 Millionen Kreditnehmer zu bedienen. „Ein großes Ziel, das nur mit Hilfe von nichtstaatlichen Organisationen, Versicherungen sowie von klassischen Geschäftsbanken verwirklicht werden kann,“ meint Hölz.
 
Das Beispiel von Dhakar, der Hauptstadt von Bangladesh, zeigt allerdings auch Licht und Schatten der Idee: Seit 2002 hat die Grameen Bank auch 47.600 Bettler mit Krediten unterstützt. Letztendlich schafften nur 1.000 von ihnen schließlich den Sprung aus der absoluten Not in eine bescheidene Existenz. Das ergaben Recherchen der Landesvertretung der Citigroup vor Ort. Kritiker des Gedankens der Mikrofinanzierung erheben daher den Vorwurf, dass dieser Ansatz nicht die Ursachen der Armut bekämpfe, sondern den Menschen die Illusion vorgaukle, mit kleinem fliegenden Straßenhandel der Armut entkommen zu können.  Muhammad Yunus wird wird aber nicht müde, mit einem Vorurteil aufzuräumen: Mikrokredite gehören nicht in die Kategorie „Almosen“, sondern auf die Business-Seite. Denn der nachhaltige Erfolg der Mikrokredite liegt auch darin begründet, dass diese sich auch für die Banken und Anleger rechnen. Seine Philosophie lautet deshalb „Barmherzigkeit ist endlich, Business ist unbegrenzt“.
 
Quelle: UD

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