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Mittwoch, 20.September 2017
Evonik Stiftung will Fluchtursachen präventiv bekämpfen
In der achtmonatigen Ausbildungsvorbereitung „Start in den Beruf“ können die Teilnehmer erste praktische Erfahrungen sammeln.

24.05.2017

Evonik Stiftung will Fluchtursachen präventiv bekämpfen

Die Evonik Stiftung baut ihr Engagement für Flüchtlinge weiter aus. So schafft die Stiftung an den Evonik-Standorten in Marl und Hanau für drei Jahre insgesamt 120 zusätzliche Plätze in dem Programm „Start in den Beruf“; davon sind die Hälfte speziell für geflüchtete Menschen gedacht. Darüber hinaus setzt sich die Evonik Stiftung erstmals aktiv für die präventive Bekämpfung von Fluchtursachen in Afrika ein. In Kooperation mit der Westerwelle Foundation entsteht ein Gründerzentrum in der ruandischen Hauptstadt Kigali, das als Anlaufstelle für Startups die wirtschaftliche Selbständigkeit junger Menschen fördern soll.

Nur wer eine berufliche Zukunft hat, kann ein selbstbestimmtes Leben führen. Das gilt für Jugendliche hierzulande genauso wie für junge Menschen in Afrika. Jene, die dabei aus unterschiedlichen Gründen Hilfe benötigen, möchte die Evonik Stiftung unterstützen: „Mehr Perspektiven für junge Menschen in Deutschland und der Welt – dafür werden wir uns in Zukunft noch stärker einsetzen – auch finanziell“, erklärt Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei Evonik und zugleich stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Evonik Stiftung, das geplante Engagement.

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In den kommenden drei Jahren stellt Evonik der Evonik Stiftung drei Millionen Euro zur Verfügung und versetzt die Stiftung damit in die Lage, sowohl zusätzliche Plätze in dem Programm „Start in den Beruf“ anzubieten als auch das Startup Haus in Kigali aufzubauen.

Engagement in Deutschland

Das Programm „Start in den Beruf“ ist für Jugendliche gedacht, die noch nicht reif für eine Ausbildung sind. Es wurde 2001 von den Sozialpartnern der chemischen Industrie, der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und dem Bundesarbeitgeberverband Chemie mit dem Ziel gegründet, diese Jugendlichen für eine Ausbildung zu qualifizieren und ihnen den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Dazu lernen die Teilnehmer in einem technischen Langzeitpraktikum, das zwischen sechs und neun Monaten dauert, vor allem naturwissenschaftlich-technische Berufe von der praktischen Seite kennen.

Außerdem werden sie fachlich und sozialpädagogisch intensiv betreut: „Damit greifen wir denen unter die Arme, die sonst durchs Raster zu fallen drohen“, sagt Wessel. „Wir wissen aus Erfahrung, dass sich die Mühe lohnt. Und zwar sowohl für die Jugendlichen als auch für Unternehmen.“ So beginnen viele der Absolventen von „Start in den Beruf“ im Anschluss eine Berufsausbildung als Chemikanten, Chemielaboranten oder Verfahrenstechniker bei Evonik oder anderen Unternehmen. Manch einer entscheidet sich auch, weiter die Schulbank zu drücken.

Flüchtlinge fit machen für den Arbeitsmarkt

Im vergangenen Jahr wurden erstmals zusätzliche Plätze für Flüchtlinge bei „Start in den Beruf“ bereitgestellt, die von verschiedenen Partnern finanziert wurden. Von den 30 Teilnehmern, die die Berufsvorbereitungsmaßnahmen absolvierten, konnte Evonik 28 eine Berufsausbildung, den Besuch weiterührender Schulen oder einen Job vermitteln: „Die Integration von Flüchtlingen in das Arbeitsleben ist eine langfristige Aufgabe. Deshalb bauen wir unser Engagement in Deutschland deutlich aus“, sagt Thomas Wessel.

Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von Evonik.
Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von Evonik.

An dem Programm können Flüchtlinge teilnehmen, die bereits erste Deutschkenntnisse aufweisen. Im Verlauf der Maßnahmen werden diese dann vertieft. Um deutsche Jugendliche und Flüchtlinge nicht voneinander zu separieren, gibt es bewusst keine unterschiedlichen Gruppen. Bis auf den zusätzlichen Deutschunterricht durchlaufen alle Teilnehmer das Programm gemeinsam: „Und das funktioniert wunderbar – trotz aller Sprachbarrieren und kultureller Unterschiede“, so Wessel.

Obwohl es nach Angaben von Wessel zwischen fünf und sieben Jahren dauert, bis junge Flüchtlinge als qualifizierte Fachkräfte arbeiten können, wollen Evonik und Evonik Stiftung alle ermutigen, sich weiter für die Menschen einzusetzen. Darüber hinaus fordern sie im Hinblick auf die demografische Entwicklung allerdings auch eine breite gesellschaftliche Debatte, wie künftig eine geordnete Zuwanderung in Deutschland gestaltet werden könnte.

Startup Förderung in Ruanda

Mit ihrem Engagement in Ruanda möchte die Evonik Stiftung einen Beitrag zur präventiven Bekämpfung der Ursachen von Flucht und Vertreibung leisten. Gemäß des Prinzips „Hilfe zur Selbsthilfe“ verfolgt die Evonik Stiftung auch hierbei das Ziel, dass junge Menschen durch eine Berufsausbildung wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen und dadurch ein selbstbestimmtes Leben führen können. In dem Gründerzentrum sollen daher 20 Plätze speziell für Absolventen einer Berufsausbildung zur Verfügung gestellt werden.

Die Evonik Stiftung und die Westerwelle Foundation planen, das Startup Zentrum bis Ende des Jahres in Betrieb zu nehmen. Bis dahin müssen nicht nur ein geeignetes Gebäude umgebaut, sondern auch die Ausrüstung erworben und mögliche Partnerprogramme identifiziert werden: „Wir unterstützen im Gründerzentrum junge Menschen auf ihrem Weg, einen Betrieb aufzubauen, um ihnen, ihren Familien und künftigen Beschäftigen eine Perspektive in ihrer Heimat zu geben“, erklärt Michael Mronz, Vorstandvorsitzender der Westerwelle Foundation. Dabei zählt, dass die Unternehmensidee am Markt bestehen kann: „Nur so können mehr Menschen mehr Chancen auf Arbeit erhalten.“

Gleichgesinnte sollen sich austauschen

Das Gründerzentrum ist als Plattform für Unternehmertum gedacht, wo Unternehmergeist gefördert wird. Wie es funktioniert, kann man beispielsweise in Tunis sehen, wo eine vergleichbare Einrichtung Mitte des vergangenen Jahres eröffnet wurde. Den Teilnehmern steht ein Co-Working Space mit 40 Arbeitsplätzen, mehreren Einzelbüros, Seminar- und Meetingräumen und einer Veranstaltungsfläche zur Verfügung. Darüber hinaus bekommen sie hier in allen für eine Existenzgründung wichtigen Bereichen wie Produktentwicklung, Marketing, Steuer- und Rechtsfragen oder Personalführung Beratung und Coachings.

Michael Mronz, Vorstandsvorsitzender der Westerwelle Foundation.
Michael Mronz, Vorstandsvorsitzender der Westerwelle Foundation.

Des Weiteren erhalten die Jungunternehmer Zugang zu nationalen und internationalen Mentoring- und Förderprogrammen: „Wir vermitteln Kontakte zu potentiellen Investoren, arbeiten mit Universitäten sowie der deutschen Wirtschaft zusammen“, ergänzt Mronz. In dem sogenannten „Maker Space“ gibt es die Möglichkeit für Absolventen, sich an hochwertigen Maschinen und Werkzeugen fortzubilden und Ideen in die Tat umzusetzen. Dem digitalen Zeitalter gemäß sollen sich die Teilnehmer unterschiedlicher Gründungszentren international miteinander vernetzen und sich gegenseitig bei ihren Vorhaben unterstützen.

Neu ist in Kigali das Angebot für Absolventen einer Berufsausbildung, das von der Evonik Stiftung finanziert wird. Diese können an den anderen Angeboten der Einrichtung teilnehmen, haben aber zusätzlich die Möglichkeit, den „Meister-Accelerator“ zu besuchen. Das Trainingsprogramm ist speziell auf eine Selbständigkeit nach einer Berufsausbildung zugeschnitten. Durch eine Kooperation mit Partnern aus dem Mikro-Kreditbereich soll die Unternehmensgründung durch passende Unterstützung bei der Finanzierung verwirklicht werden.

Ruanda: ein Land der Gegensätze

Die Westerwelle Foundation und die Evonik Stiftung haben Ruanda als Standpunkt für das Gründerzentrum ausgesucht, weil es laut Human Development Index zu den 25 am wenigsten entwickelten Ländern der Welt gehört. Gleichzeitig haben sich nach Untersuchungen der Weltbank die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren positiv verändert und Ruanda wird diesbezüglich nur noch von Südafrika übertroffen. Eine der größten Herausforderungen für das Land ist die fehlende wirtschaftliche Perspektive für die Bevölkerung. Ruanda zeichnet sich zwar durch ein hohes Wirtschaftswachstum aus, das 2015 bei über sechs Prozent lag; das jährliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt aber lediglich bei 700 Dollar.

Kigali ist eine Stadt der Gegensätze: Es herrscht Armut im Land, aber der Aufbruch ist überall zu sehen.
Kigali ist eine Stadt der Gegensätze: Es herrscht Armut im Land, aber der Aufbruch ist überall zu sehen.
Auch wenn Ruanda derzeit kein demokratisch regiertes Land ist, ist die politische Situation stabil und es fliehen nur wenige Menschen. Vielmehr ist es zu einem Zufluchtsort für andere afrikanische Flüchtlinge geworden und benötigt deswegen Unterstützung, diese zu versorgen und zu integrieren: „Wenn in einem Land die Fluchtbewegungen erst einmal begonnen haben, ist es zu spät für den nachhaltigen Ansatz der Startup Häuser“, so Mronz weiter. Daher müssen sie präventiv aktiv werden, um Ruanda auf dem Weg der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung zu unterstützen: „Wir sind davon überzeugt, dass ein starker Mittelstand eine Gesellschaft stabilisiert und Demokratie fördert.“ Das selbst erklärte Ziel der Westerwelle Foundation ist es, Demokratie durch Marktwirtschaft und Unternehmertum zu fördern.
 
Quelle: UmweltDialog

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