Alter im Cache 2017-09-23 20:50:55
Alter ohne Cache: 2017-09-24 08:56:03
Sonntag, 24.September 2017
Gesundheit und Wohlergehen durch moderne Familienplanung? zoom

29.04.2016

Gesundheit und Wohlergehen durch moderne Familienplanung?

"Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern" – so lautet eines der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Bis 2030 soll etwa die weltweite Mütter- und Kindersterblichkeit gesenkt und der Zugang zu Diensten im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit einschließlich Familienplanung, Information und Aufklärung gewährleistet werden. Mit seinem Engagement im Bereich Familienplanung will Bayer dazu beitragen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Ein Beispiel ist das "Jadelle Access Program", das Frauen in Entwicklungsländern den Zugang zu moderner Familienplanung ermöglicht.

Mehr als sieben Milliarden Menschen leben heute auf der Erde, rund zwei Milliarden von ihnen fehlt es an einer angemessenen gesundheitlichen Grundversorgung. Das betrifft vor allem Menschen in ärmeren Ländern. Zum Beispiel in Uganda: Von den rund 38 Millionen Einwohnern (2014) leben laut BMZ 33,24 Prozent (2012) in extremer Armut und müssen mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag auskommen. Auch um das Gesundheitssystem ist es schlecht bestellt: Während die Klinik in der Hauptstadt Kampala gut ausgestattet ist und über hochqualifiziertes Personal verfügt, ist der Zugang zu medizinischer Versorgung in den ländlichen Regionen, in denen einen Großteil der Bevölkerung lebt, schlecht.

In vielen Dörfern gibt es keine Gesundheitseinrichtungen oder es mangelt an Ärzten und Pflegepersonal, wichtigen Arzneimitteln, aber auch Verhütungsmitteln. Hinzu kommt, dass die ugandische Staatskasse nur etwa 14 Prozent der Gesundheitsversorgung übernimmt, wohingegen knapp 36 Prozent von internationalen Entwicklungshilfepartnern bereitgestellt und die restlichen 50 Prozent von den Patienten selbst gezahlt werden.

Damit steigt das Risiko für Menschen mit lang andauernden Erkrankungen, weiter zu verarmen. Der schlechte Zustand des Gesundheitssystems – auch auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Gesundheit – ist eine Ursache dafür, dass viele Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Kindes sterben. 2015 lag die Müttersterblichkeitsrate in Uganda bei schätzungsweise 343 Sterbefällen pro 100.000 Lebendgeburten. Viele Kinder (2015: 54 Prozent) erleben nicht einmal ihren fünften Geburtstag.

Anzeige

Moderne Familienplanung als Chance

Zu den Zielvorgaben der im September 2015 verabschiedeten 2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung zählt unter anderem, die weltweite Müttersterblichkeit bis 2030 auf unter 70 je 100.000 Lebendgeburten und die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren mindestens auf 25 je 1.000 Lebendgeburten zu senken. Eine Chance, die Mütter- und Kindersterblichkeit zu verringern, besteht laut BMZ darin, den Zugang zu Familienplanungsmethoden und Informationen zu verbessern.

Hier setzt das Jadell Access Program von Bayer an: Bis zum Jahr 2023 stellt der Pharmakonzern Frauen in ärmeren Ländern das Verhütungsimplantat "Jadelle" zu einem um die Hälfte reduzierten Preis zur Verfügung. "Unser 'Jadelle Access Program' erweitert das Angebot kontrazeptiver Methoden für Frauen in armen Ländern", erläutert Vorstandsmitglied Dieter Weinand und Leiter der Division Pharmaceuticals bei Bayer. Das erlaubt Frauen nicht nur eine individuelle Auswahl zwischen verschiedenen Verhütungsmethoden, sondern bedeutet auch mehr Selbstbestimmung und Schutz vor ungewollten Schwangerschaften. Annette Velleuer, bei Bayer verantwortlich für Langzeitkontrazeptiva und insbesondere für das Implantat Jadelle, erklärt: "Viele Frauen verhüten heimlich, weil ihre Männer Empfängnisverhütung ablehnen."

Über das Verhütungsimplantat Jadelle

Jadelle wurde 2009 von der WHO präqualifiziert. Ein Präparat gilt dann als präqualifiziert, wenn es im Rahmen des Präqualifikationsverfahrens als für die Verwendung durch UNO-Organisationen geeignet empfohlen wird. Das Implantat besteht aus zwei weichen, biegsamen Kunststoffstäbchen in der Größe 43 mm × 2,5 mm. Diese werden nach einer örtlichen Betäubung durch einen speziell geschulten Arzt an der Innenseite des weniger beanspruchten Oberarms unter die Haut geschoben und können jederzeit von einem entsprechend ausgebildeten Arzt entfernt werden. Die Stäbchen geben je 75 mg des Wirkstoffs Levonorgestrel über einen Zeitraum von fünf Jahren ab. Dabei handelt es sich um ein synthetisches Gestagen der 2. Generation, das auch in "Antibabypillen" eingesetzt wird. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist bei levonorgestrelhaltigen Präparaten das Risiko für das Auftreten einer venösen Thromboembolie niedriger als etwa im Vergleich zu drospirenonhaltigen Verhütungsmitteln. Das BfArM weist jedoch darauf hin, dass Ärzte vor allem junge Erstanwenderinnen ausführlich über Anzeichen und Symptome einer Thrombose sowie individuelle Risikofaktoren aufklären müssen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Mit einem Pearl Index von 0.17 gilt Jadelle laut Herstellerangaben als zuverlässiger Schutz. Voraussetzung ist, dass das Implantat fachgerecht eingesetzt wird. Studien zur Verbleibsquote des Implantats in Entwicklungsländern ergaben jedoch, dass 95 Prozent der Anwenderinnen das Implantat erst nach zwei Jahren, 65 Prozent nach drei Jahren und 41,5 Prozent nach fünf Jahren entfernen lassen. Es ist somit für Frauen geeignet, die über einen längeren Zeitraum sicher nicht schwanger werden und nicht regelmäßig an die Einnahme eines Verhütungsmittels wie die "Pille" denken wollen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Jadelle zählen laut Herstellerangaben Blutungsstörungen, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme oder Akne.

Weltweit wenden mehr als elf Millionen Frauen subdermale Implantate wie Jadelle zur Schwangerschaftsverhütung an (Stand 2013) und die Nachfrage soll nach Schätzungen der Reproductive Health Supply Coalition in Entwicklungsländern sogar noch ansteigen. Das erste Implantat "Norplant" wurde 1986 in Finnland zugelassen. Jadelle ist heute in 50 Ländern registriert, wobei die Zulassung in Deutschland durch schriftlichen Verzicht von Bayer erloschen und auch nicht geplant ist. Stattdessen ist hierzulande seit dem Jahr 2000 das Implantat "Implanon" und seit 2010 das "Implanon NXT" zugelassen. Weitere Informationen über Hormonimplantate zur Verhütung finden Sie hier.

Über das Jadell Access Program

Das Jadell Access Program wurde 2012 beim London Summits on Family Planning angestoßen und anschließend am Rande einer UN-Vollversammlung unterzeichnet. Zu den Partnern gehören neben der Bayer HealthCare AG auch die Bill & Melinda Gates Foundation, die Clinton Health Access Initiative, die Children's Investment Fund Foundation, der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen sowie die Landesregierungen von Norwegen, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten und Schweden.

Im Rahmen des Programms reduzierte Bayer den Preis für Jadelle von 18 auf 8,50 US-Dollar. Die Kooperationspartner ermitteln, wo der größte Bedarf besteht, woraufhin Bayer die entsprechende Menge in die Entwicklungsländer liefert. Die Verantwortung des Konzerns endet aber nicht beim Produkt oder dessen Zustellung, sagt Annette Velleuer: "Wir bieten den Hilfsorganisationen auch an, Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen in der Anwendung von Jadelle zu schulen. Dazu gehört zum Beispiel, wie man die Implantate fachgerecht einsetzt und wieder entfernt. Durch umfassende Informationen und Rollenspiele vermitteln wir dem medizinischen Personal alle nötigen Kenntnisse, um Beratungsgespräche mit den Patienten zu führen."

Ganzheitlicher Ansatz gefordert

In vielen ländlichen Regionen wie etwa in Uganda ist jedoch keine oder kaum medizinische Infrastruktur vorhanden. Kritiker wie das Gen-ethische Netzwerk, der Berliner Verein glokal und das Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien der Universität Kassel bemängeln deshalb, dass sich die Anwenderinnen nicht angemessen über Nebenwirkungen beraten und das Stäbchen nicht jederzeit fachgerecht herausoperieren lassen könnten. In einer gemeinsamen Pressemitteilung fordern sie von den Kooperationspartnern einen ganzheitlichen Ansatz, der über die bloße Verteilung von Verhütungsmitteln hinausgeht und die Sicherstellung einer Basisgesundheitsversorgung einschließt, die an die Bedürfnisse vor Ort angepasst ist.

Die Bundesregierung äußerte sich dazu in einer Stellungnahme: "Das Angebot von Implantaten im Rahmen von Programmen der Entwicklungszusammenarbeit ist immer Teil eines Mixes von Verhütungsmethoden, um der Zielgruppe eine Wahlentscheidung zu ermöglichen und um eine situationsgerechte Therapieentscheidung zu treffen, auch vor dem Hintergrund des möglichen Nutzens und möglicher Nebenwirkungen der einzelnen Arzneimittel und im Hinblick auf die jeweils vorhandene (medizinische) Infrastruktur." Levonorgestrelhaltige Implantate wie Jadelle seien abgesehen von Deutschland in anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union durchaus mit einem positiven Nutzen-/Risiko-Verhältnis zugelassen und unterlägen einer fortlaufenden Nutzen-/Risiko-Bewertung.

 
Quelle: UmweltDialog

Related Posts

0 Kommentare

Ihr Beitrag

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Netiquette
Alter im Cache 2017-09-23 20:50:55
Alter ohne Cache: 2017-09-24 08:56:03