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Chronische Krankheiten: Kenianer denken um

20.12.2016

Chronische Krankheiten: Kenianer denken um

Hartnäckig hält sich unser Bild von Afrika als einem Kontinent, der von Infektionskrankheiten geplagt wird. Doch weit gefehlt. Längst haben dortige Länder große Fortschritte im Kampf gegen HIV, Tuberkulose oder Malaria erreicht. Gefahr droht von anderer Seite. Die WHO schätzt, dass bis 2030 chronische Leiden genauso viele Todesopfer fordern wie Infektionskrankheiten, Mangelernährung und Mütter- und Kindersterblichkeit zusammen. Novartis Access unterstützt daher die lokale Gesundheitsversorgung in ärmeren Ländern bei der Prävention und Behandlung chronischer Krankheiten. Vor einem Jahr in Kenia gestartet, zeigt das Programm erste positive Ergebnisse.

Es klingt paradox, aber einige der Ursachen für die Zunahme chronischer Krankheiten in einkommensschwachen Ländern sind auf Entwicklungen wie bessere Ernährung oder höhere Hygienestandards zurückzuführen. Auch die Fortschritte bei der Bekämpfung ansteckender Krankheiten tragen dazu bei, dass Menschen länger leben und daher öfter chronische Leiden entwickeln. Zusätzlich verändert die rasche Urbanisierung den Lebensstil: Fett- und kalorienreiche Lebensmittel, Tabak- und Alkoholkonsum sowie mangelnde Bewegung können ebenfalls zu Diabetes, Bluthochdruck oder Krebs führen: „Gleichzeitig haben immer noch über zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu den Arzneimittel, die für die Behandlung der Folgeerkrankungen unentbehrlich sind“, erklärt Harald Nusser, Global Head Novartis Access.

Öffentlich-private Partnerschaft bündelt Kräfte

Die wachsende Zahl chronisch Erkrankter bedeutet nicht nur menschliches Leid, sondern auch eine enorme Belastung für die jeweiligen Gesundheitssysteme, da die Ausgaben für Vorsorge und Behandlung zwangsläufig zunehmen. Viele afrikanische Regierungen haben die Risiken erkannt und versuchen, die Bevölkerung über die Folgen eines ungesunden Lebensstill aufzuklären. Neben derartigen Aufklärungsprogrammen sind weitere Maßnahmen notwendig, um das Gesundheitsproblem in armen Ländern ganzheitlich zu bekämpfen. Laut Nusser können Unternehmen dabei ein Teil der Lösung sein: „Allerdings brauchen sie – um die größtmögliche Wirkung zu erzielen – auch Unterstützung von Seiten der Regierung, der Zivilgesellschaft und anderer Organisationen.“ Genau diesen Weg geht Novartis mit seinem Programm Novartis Access, das auf einer öffentlich-privaten Partnerschaft basiert.

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So arbeitet Novartis in Kenia mit der Christian Health Association, der dortigen Bischofskonferenz und dem Roten Kreuz zusammen, um vor Ort die Kapazitäten zur Diagnose und Therapie chronischer Erkrankungen auszubauen. Im Zentrum des Programms steht ein Portfolio aus 15 verschiedenen Medikamenten, die gegen die vier wichtigsten nicht übertragbaren Krankheiten – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Atemwegserkrankungen und Brustkrebs – helfen und langfristig in allen Regionen zum Einsatz kommen sollen, um die Betroffenen zu behandeln. Die Kosten sollten sich dabei auf maximal 1,50 Dollar pro Behandlung und Monat belaufen.

Nachdem die ersten Medikamente des Programms im Februar 2016 in drei kenianischen Bezirken getestet wurden, sind über 100.000 monatliche Therapieeinheiten von fünf unterschiedlichen Novartis Access Medikamenten bestellt worden. Bis Ende 2017 soll die Initiative voraussichtlich in allen 47 Bezirken angelaufen sein. Parallel soll Novartis Access in Äthiopien starten: „Ziel ist das mittelfristige Erreichen einer wirtschaftlichen Tragfähigkeit, so dass eine kontinuierliche Unterstützung gewährleistet ist“, so Nusser. „Zudem bedeutet der Einheitspreis, dass die Gesundheitssysteme in den 30 Ländern mit niedrigen Einkommen, in denen das Modell letztlich eingeführt werden soll, Ausgaben mit höherer Vorhersagbarkeit planen können.“

Bewusstseinswandel der Landbevölkerung

Vielen armen Kenianern war bis vor Kurzem nicht bewusst, wie wichtig die Diagnose einer chronischen Erkrankung ist, da sie ohnehin keinen Zugang zu einer entsprechenden Therapie hatten. Dank Programmen wie Novartis Access, die erschwingliche Behandlungen auch auf dem Land ermöglichen, ändere sich diese Einstellung. Zum Beispiel im Verwaltungsbezirk Mwea. Hier unterziehen sich an manchen Tagen bis zu 300 Menschen im Gesundheitszentrum Kontrolluntersuchungen oder holen Rezepte gegen chronische Leiden ab: „Einige Menschen sind sogar bereit, die übrigen Gemeindemitglieder über chronische Erkrankungen aufzuklären“, sagt Dr. Jonathan Kiliko, Leiter des Kundendienstes bei Mission for Essential Drugs and Supplies.

Die 65-jährige Reisbäuerin Peninah aus Mwea ist so jemand. Ihre Kinder hatten sie davon überzeugt, dass Kopfschmerzen und ein rasender Puls keine typischen Alterserscheinungen sind. Nachdem bei ihr Bluthochdruck diagnostiziert wurde, erhält sie nun Medikamente und geht regelmäßig zur Kontrolluntersuchung in das Gesundheitszentrum. Außerdem leitet sie eine lokale Frauengruppe, die sich einmal in der Woche trifft, um über Gesundheitsthemen wie eben chronische Erkrankungen oder grundlegende Hygienestandards zu sprechen.

Armut ist lebensbedrohlich

Insbesondere in ländlichen Regionen von Entwicklungsländern haben chronisch Erkrankte kaum Zugang zu Diagnoseverfahren und hochwertigen Therapien, weil es an qualifizierten Ärzten und Pflegepersonal fehlt. Außerdem trifft es dort die Betroffenen meist doppelt: So müssen sie mit den gesundheitlichen Folgen ihrer Krankheit umgehen und drohen gleichzeitig durch eine Behandlung in die Armut abzurutschen, da sie in der Zeit nicht arbeiten und ihre Familie versorgen können oder die Behandlung zu teuer für sie ist. Einem Bericht über nicht übertragbare Krankheiten in Subsahara-Afrika der Economist Intelligence Unit (EUI) zufolge, belaufen sich die Kosten für die Therapie einer chronischen Erkrankung im Durchschnitt auf knapp 30 Prozent des durchschnittlichen Jahreseinkommens der Bewohner.

Um das neue Bewusstsein und die Behandlungsbereitschaft der Menschen zu nutzen, sind weitere Schulungen und Weiterbildungen notwendig. Aus diesem Grund setzt sich Novartis Access auch für die gezielte Schulung von sogenannten Gesundheitsmitarbeitern ein. In ländlichen Regionen tragen vor allem diese dazu bei, die medizinische Versorgung auf kommunaler Ebene sicherzustellen. Darüber hinaus soll in den nächsten zwei Jahren eine Million Menschen mit einer Aufklärungskampagne zu Diabetes erreicht und Screening-Aktionen und Diagnosemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen und Gemeinden durchgeführt werden: „Jeder innovative Ansatz ist nur so gut wie seine praktische Umsetzung, und wir werden erst noch sehen müssen, auf welche Hürden dieses Modell stoßen wird, wenn es in weiteren Ländern implementiert wird“, sagt Nusser.

Gesundheitswesen muss nachziehen

Bis dahin müssen die Gesundheitssysteme in Ländern wie Kenia, die auf die Behandlung von Infektionskrankheiten spezialisiert sind, an die neuen Anforderungen angepasst werden. Eine Herausforderung ist, die Krankenhäuser so umzuwandeln, dass sie eine kosteneffektive Behandlung aller chronisch Erkrankten ermöglichen. „Wir müssen das Rad in Bezug auf chronische Krankheiten nicht neu erfinden“, sagt Dr. Cyprian Kamau, Leiter des Gesundheitsdienstes Christian Health Association of Kenya. „Wir können aus unseren Erfahrungen mit HIV/AIDS lernen. Was wir brauchen, sind Gesundheitssysteme auf der Grundlage bereits bestehender Einrichtungen, die für die diagnostischen und therapeutischen Zwecke ausgebaut werden.“

 
Quelle: UmweltDialog

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