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08.01.2014

Im Blickpunkt: RWEs neue Konzernstrategie

Deutschlands größter Stromerzeuger RWE erlebt seit der Energiewende einen fundamentalen Unternehmensumbau. Klassische Geschäftsfelder wie etwa Atom- und Kohleverstromung sind dem Essener Konzern weggebrochen oder erwirtschaften kaum noch Erträge. Neue Ideen brauchen Zeit. Die Fachzeitung „Energy Post“ zitiert jetzt aus einem internen RWE-Strategiepapier über den künftigen Kurs. Demnach will man aus der Not eine Tugend machen und „Wertschöpfung als Vorreiter des Wandels hin zur künftigen Energiewelt“ generieren.

Die Zentrale der RWE AG in Essen, Foto: RWE
Die Zentrale der RWE AG in Essen, Foto: RWE

Die neue Strategie wurde am Rande des UN Klimagipfels von Warschau Ende September mit dem RWE Aufsichtsrat verabschiedet, so die Energy Post. Seit November wird die Strategie nun vor allem mittels Videokonferenzen in den einzelnen Geschäftsbereichen und Abteilunge im Haus und außerhalb mit Stakeholdern diskutiert. In dieser Roadmap unter dem Titel „RWE´s Corporate Story“ betont die Geschäftsführung, dass man die neue Rolle RWEs am Markt akzeptiert habe. Traditionell beruhte diese auf den Kohlekraftwerken und den Atomkaftwerken. Dafür ist nach der Energiewende kein oder nur noch eingeschränkt Bedarf. Der Essener Energiekonzern muss seinen Kurs daher fundamental ändern, wenn er in der neuen Energiewelt in Deutschland und Europa überleben will, so die schonungslose Analyse des Vorstands rund um Vorstand Peter Terium. Sein Ziel ist es, diesen Konzernumbau in den nächsten fünf Jahren zu erreichen. Am Ende soll RWE nicht nur eine solide neue Geschäftsbasis haben, sondern man will gar der „meist geschätzte, höchst-performierende Partner beim Umbau der europäischen Energielandkarte“ sein.

Hierbei wird Nachhaltigkeitsaspekten eine Schlüsselrolle zukommen: Längst geht es dann nämlich nicht nur um Energiegewinnung aus Erneuerbaren Energien, sondern auch um deren intelligente Nutzung und Verteilung, um den ethischen Nachweis des Bezugs von Rohstoffen wie etwa bei Kohle (z.B. Bettercoal-Initiative) sowie vor allem um eine ganzheitliche Glaubwürdigkeit und Beliebtheit der Marke „RWE“ beim Kunden. Genau das will Teriums Anspruch, „meistgeschätzter Energieversorger“ zu sein, ausdrücken.    

Neue Vision für das Endverbrauchergeschäft

Doch wie kann eine solche Zukunft konkret aussehen? Das RWE-Management hat dafür unter anderem ehrgeizige Pläne für sein Retail-Geschäft vorgelegt. Der europäische Einzelhandel mit Energie werde sich nämlich „einer massiven Transformation in den kommenden Jahren unterziehen", zitiert die Energy Post aus dem Strategiepapier. Tatsächlich ist aufgrund der Liberalisierung der Märkte beim Thema Energieanbieter viel Bewegung am Markt. Kunden entscheiden entlang von Kriterien wie Preis und Leistung. RWE hat hier eine starke Position in diesem Sektor mit einem „stabilen und großen Kundenstamm von fast 25 Millionen Kunden in ganz Europa, die robuste Cash Flows bietet."

In der Zukunft verspricht sich RWE Wettbewerbsvorteile, indem es sich als Dienstleistungsunternehmen mit intelligenten und vernetzen Anwendungen bei der Energieversorgung positioniert. Die über die letzten Jahre aufgebauten Kompetenzen bei Nachhaltigkeitsthemen wie „Smart Energy“ und „Smart Mobility“ können hier gegenüber herkömmlichern Stadtwerken den Unterschied machen. Allerdings sieht das Management auch drei Herausforderungen, auf die man Antworten finden müsse: Die erste sei die „Kundenorientierung“, die „wir noch nicht ausreichend angesprochen haben," so das Strategiepapier. Der zweite Aspekt thematisiert „die Entwicklung eines innovativen und profitablen Prosumer-Geschäftsmodells“. Gemeint sind damit die vielen Privathaushalte, z.B. mit einer eigenen Solaranlage auf dem Dach, die nicht nur Stromkonsumenten, sondern auch Stromproduzenten sind. Im Fachjargon nennt man das Prosumer. Dieser Zielgruppe attraktive Leistungen anzubieten, erschließe einen „Milliarden-Euro-Markt neben unserer traditionellen Wertschöpfungskette", heißt es dazu bei RWE. Der dritte Punkt schließlich bezieht sich auf „mehr Innovation, um kreativ und professionell die Zukunft zu gestalten.“ Man müsse die Unternehmenskultur, Strukturen und Prozesse so ausrichten, dass sie schrittweise den Umbau vom bestehenden zum neuen Geschäftsmodell unterstützen. „In einem sehr unsicheren und volatilen Geschäftsumfeld müssen wir uns von einem Risikominderungsansatz zu einer Gesellschaft, die Unsicherheiten managen lernt, transformieren," zitiert die Energy Post weiter.

Einbindung von neuen Kapitalgebern

Während die Zukunftsperspektiven sich erst noch entwickeln müssen, bleiben die Probleme der Gegenwart bestehen: „Die massive Erosion der Großhandelspreise durch das Wachstum der deutschen Photovoltaik stellt ein ernstes Problem für RWE dar, das sogar das Überleben des Unternehmens gefährden könnte", heißt es im Strategiepapier. Probleme bereiten vor allem die konventionellen Kraftwerke. Nach Schätzung der Nachrichtenagentur Reuters arbeitet etwa jedes Dritte von ihnen mit Verlusten. Das liegt nicht zuletzt an der schwankenden Auslastung: Die Hauptfunktion dieser „bestehenden konventionellen Flotte" ist es immer öfter, Backup-Kapazitäten bei Bedarf zur Verfügung stellen. Bei RWE schätzt man, dass auch in den kommenden Jahren der Strombedarf in Zentral-Europa bei etwa 260 GW liegen werde. Das entspricht in etwa auch der heutigen Nachfrage. Wachstum am Markt ist da nicht möglich. Eine Perspektive für eine bessere Nutzung der Kohlekraftwerke besteht also nicht. Im Strategiepapier von RWE heißt es dazu: „Derzeit ist Backup-Kapazität notwendig, aber sie wird nicht ausreichend vergütet. Dies ist das Ergebnis einer letzten und irreversible Verformung des derzeitigen Marktansatzes. Diese Situation muss spätestens am Ende dieses Jahrzehnts enden."

Gleichzeitig hat das Management von RWE beschlossen, die Kosten für den Umbau einer erneuerbaren Energielandschaft auf weitere Schultern zu verteilen. „In einem Niedrigzinsumfeld wird es nicht möglich sein, eine ausreichende Rendite für RWE in diesem subventionierten Branchenumfeld zu generieren. Unsere Kapitalkosten sind nicht konkurrenzfähig gegen die Finanzierung von privaten und institutionellen Eigenkapitalinvestoren," zitiert die Energy Post aus dem Strategiepapier.

Statt selbst die Finanzierung zu stemmen, will man künftig verstärkt eher ein „Enabler" in der Branche der erneuerbaren Energien werden. Nach Angaben von Reuters sieht dieser neue Ansatz vor, dass RWE Projekte realisieren will, die von Dritten finanziert werden. „Wir sind überzeugt, dass wir nicht die beste Kapitalanbieter für solche Investitionsprogramme sind, auch wenn wir die finanziellen Mittel zur Verfügung haben", zitiert Reuters aus dem gleichen Strategiepapier. Die Fachpresse schätzt diese Entscheidung als klug ein: Outsourcing der Grüne-Energie-Ausgaben kann klug sein, um RWEs Investment Track Record zu verbessern und die Risiken auszulagern, allzumal das Erreichen der Energiewende weder schnell noch einfach sein wird.

 
Quelle: UD

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