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23.11.2012

Tchibo verspricht 100 Prozent nachhaltige Geschäftspraktiken

Der Anspruch ist hoch, das Ziel klar gesteckt: Das Hamburger Handelshaus Tchibo strebt eine 100% nachhaltige Geschäftstätigkeit an. Seit 2006 ist Nachhaltigkeit folglich integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Bei einem Fachgespräch präsentierte Tchibo jetzt den Stand der Umsetzung im Hause und diskutierte auch offen Probleme. Imug-Leiter Dr. Ingo Schoenheit führte dazu sachkundig in das Thema ein.

Kaffeebauern bei der Ernte. Foto: Tchibo
Kaffeebauern bei der Ernte. Foto: Tchibo

Die Ressourcen unseres Planeten sind endlich und unser ökologischer Fußabdruck zu groß. Mit dieser bekannten Erkenntnis eröffnete der Leiter des renommierten Imug-Instituts die Diskussion um das Thema Nachhaltigkeit. Das Problem liegt traditionell daher nicht auf Seiten der Beschreibung des Problems, sondern bei der Lösung. Schoenheit berichtete von aktuellen Studien, nach denen gerade einmal 20 bis 30 Prozent der Verbraucher sich klar zu nachhaltigem Konsum bekennen. Das zweite Tertiär der Verbraucher ist unentschlossen und handelt eher von Fall zu Fall impulsiv, während das letzte Drittel einzig und allein preisorientiert kauft, ohne nach den Hintergründen der Herstellung zu fragen. Unternehmen, Medienvertreter, NGOs - alle, denen an einer Änderung der Situation gelegen ist, müssen daher für mehr Vertrauen werben, so Schoenheits Appell. Nur so lasse sich der Anteil nachhaltiger Konsumenten schrittweise ausbauen.

Neben der Nachfrageseite kann man Nachhaltigkeit auch von der Angebotsseite her vorantreiben. Auf diesen Hebel setzt man unter anderem bei Tchibo: Achim Lohrie verantwortet als Direktor Corporate Responsibility das Thema beim Hamburger Handelshaus. Lohrie erläuterte im Gespräch, dass Tchibo das selbstgesteckte Ziel hat, mittelfristig ausschließlich Kaffees aus nachhaltigem Anbau anzubieten. Das sei nicht altruistisch, denn bei Tchibo weiß man vielmehr, dass nur ökologisch und sozial verträgliche Anbaumethoden langfristig die Verfügbarkeit der benötigten Rohkaffees bester Qualität sichern.  

„Zur Erreichung unseres Ziels arbeiten wir mit allen international anerkannten Standardorganisationen zusammen. Das sind derzeit Rainforest Alliance, Fairtrade, UTZ Certified und die Organisationen, die hinter dem Bio-Siegel nach EU-Rechtsvorschriften stehen. Den Basisstandard 4C (Common Code for the Coffee Community) nutzen wir, um die Kaffeefarmer zu organisieren und sie für nachhaltigen Kaffeeanbau zu sensibilisieren,“ so Lohrie weiter.  

Im Alltag erweist sich das Ziel Nachhaltigkeit gerade im Kaffeebereich an einigen Stellen als schwierig: So werden weltweit gerade einmal zehn Prozent der Anbauflächen nachhaltig, also sozial und ökologisch verantwortlich, bewirtschaftet. Das Thema sei lange vergessen worden, erinnert sich Lohrie. Das Problembewusstsein war hier zunächst im Textilbereich, sicher auch durch kritische Akteure wie etwa die „Clean Clothes Kampagne“, viel weiter. Erst die Entwicklungsorganisation Oxfam änderte dies im Jahr 2005 mit entsprechender Kampagnenarbeit. Bei Tchibo hat man sich seitdem der Forderung nach fairem und ökologischen Kaffee deutlich über dem Marktdurchschnitt angenommen. So sind derzeit rund 22-25 Prozent des verkauften Kaffees nachhaltig produziert. Noch im Vorjahr 2011 waren es erst 13 Prozent.  

Schwierig wird die Umsetzung allerdings in den Massensegmenten, in denen auf den ersten Blick nur der Preis bestimmt. Wo der Kunde nur auf den Cent, nicht jedoch auf die Wertigkeit des Produktes schaut, ist Nachhaltigkeit, die immer auch mit Mehrkosten verbunden sein wird, schwierig. Das ist eine über alle Branchen hinweg gültige Tatsache. Immerhin ist Tchibo auch hier einen ersten Schritt gegangen: So sind bereits viele Kaffees nach dem 4C Kaffeeestandard zertifiziert. Das sei, so Lohrie, sicherlich nur ein Minimalstandard, den man bei Tchibo selbst nicht als nachhaltig bezeichnet. Mit dieser strengen Auslegung haben die Hamburger sicher auch kritische NGOs auf Ihrer Seite. Zumal diese anspruchsvolle Position durchaus hervorzuheben ist, denn manch Wettbewerber begnügt sich mit dem 4C-Mindeststandard. 

Naturgemäß leichter fällt die Durchsetzung der Nachhaltigkeitsziele im hochpreisigen Segment wie etwa dem Privatkaffee, der zu 100 Prozent nachhaltig ist. Im Bereich der Kapseln sei man auch sehr weit, aber da die Zusammensetzungen erntebedingt schwanken, sei es nicht möglich, die jeweiligen Nachhaltigkeitslabels immer exakt zuzuweisen. Kann es doch sein, dass in einer verarbeiteten Marge „Utz Certified“-Kaffee statt „Rainforest Alliance“-Kaffee zum Einsatz kommt und umkehrt. Was unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten irrelevant ist, da beide Labels gute und hohe Standards ausweisen, ist unter Markenschutz-Gesichtspunkten - in dem Fall die Nutzung der NGO Labels - problematisch.  

Immer mehr nachhaltige Textilien

Im Textilbereich sind derzeit etwa 25% der Produkte nachhaltig erzeugt. Dabei ist derzeit die Nachfrage nach Bio-Baumwolle weltweit so stark, dass deren Zulieferung eine der größten Hürden ist. Produktseitig, so berichte Lohrie, setzt Tchibo darauf, die nachhaltigen Textilien bei „Renner-Produkten“ einzubinden. Dazu zählen aktuell im Winter Skikleidung oder ganzjährig Unterwäsche. Nachhaltige Siegel werden  damit ein unterstützendes Kaufargument, kein alleiniges. Hier setzt man vor allem auf zwei Labels: den „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) sowie die Initiative „Cotton made in Africa“.

GOTS wurde vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN)  zusammen mit Organisationen aus England, den USA und Japan entwickelt. In den Textilien stammen garantiert mindestens 70 Prozent der Fasern aus Bio-Anbau, und es ist genau geregelt, wie die Fasern weiterverarbeitet werden und welche Stoffe zum Einsatz kommen dürfen. Dadurch ist gewährleistet, dass eine mögliche Schadstoffbelastung im Endprodukt so gering wie möglich ist. Auch soziale Mindeststandards sind Teil des Standards und werden überprüft.   Mit „Cotton made in Africa“ geht man neue Wege in der Entwicklungshilfe. Das Label setzt sich nicht nur für den nachhaltigen Anbau von afrikanischer Baumwolle ein, sondern versteht sich auch als Vermittler für Public Private Partnership-Projekte. Diese PPP-Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass Unternehmen und öffentliche Organisationen ihre Kräfte bündeln, um durch Sozialprojekte die gesellschaftliche Infrastruktur etwa in Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Sambia und Malawi zu stärken.

 
Quelle: UD

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