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30.10.2009

Dr. Gerhard Prätorius (Volkswagen) über den AA1000AS-Standard

Überprüfbarkeit von Nachhaltigkeitsperformance ist Grundvoraussetzung für die Glaubwürdigkeit von Unternehmen. Dennoch tun sich viele Firmen und auch Nichtregierungsorganisationen schwer, sich auf solche Standards zu einigen. Das international agierende Analysehaus AccountAbility hat sich hier einen guten Ruf erworben. Ihr eigens entwickelter AA1000AS-Standard wurde jetzt auch von der Volkswagen AG im neuen Nachhaltigkeitsbericht eingesetzt. Dr. Gerhard Prätorius, Leiter Koordination CSR und Nachhaltigkeit bei Volkswagen, berichtet im Gespräch mit UmweltDialog über seine Erfahrungen.

Dr. Gerhard Prätorius, Foto: Volkswagen
Dr. Gerhard Prätorius, Foto: Volkswagen

UmweltDialog (UD): Der Standard AA1000AS wird derzeit in CSR-Kreisen viel diskutiert. Könnten Sie ihn unseren Lesern kurz näher bringen?

Dr. Gerhard Prätorius: Die Abkürzung steht für AccountAbility 1000 Assurance Standard und ist ein international anerkannter Prüfungsstandard. Aktuell haben wir so unseren Nachhaltigkeitsbericht von PriceWaterhouseCooper überprüfen lassen. Das Wesentliche des Standards ist aus meiner Sicht, dass hier wirklich die Organisation und das Management von Nachhaltigkeit im Unternehmen geprüft wird. Pointiert gesagt: Eine CSR-Broschüre könnte ich mir auch extern schreiben lassen, aber der AA1000AS geht „ans Eingemachte“ und damit an die Themen heran, die uns wirklich interessieren. Wie ist Nachhaltigkeit konkret verankert? Wie sind Prozesse organisiert? Solchen Fragen behandelt der AA1000AS und das ist ein qualitativ wichtiger Schritt, denn es kommt entscheidend darauf an, wie CSR im Unternehmen gelebt wird.

Damit wird übrigens auch ein weiterer Schritt hin zur Normalität von Nachhaltigkeit im Unternehmen gemacht: Wenn auf tradierte und bewährte Weise Managementprozesse und die Validität von Informationen und Berichten untersucht werden, ist das genau so wie bei einer allgemeinen Betriebswirtschaftsprüfung.

(UD): Können Sie uns Prüfungsverlauf und Prüfungstiefe erläutern?

Prätorius: Hier sind zwei Typen zu unterscheiden: Der erste Schritt ist die Untersuchung der sogenannten Kriterien, und der zweite Schritt prüft die Zahlen und Fakten auf ihre Validität. Die Kriterien sind auf das Thema Nachhaltigkeit abgestimmt und haben damit naturgemäß einen völlig anderen Fokus als ein klassischer Jahresabschlussbericht. Die drei Kriterien sind leider nicht sehr anschaulich ins Deutsche übersetzbar: Sie lauten Inclusiveness, Materiality und Responsiveness. Das klingt recht abstrakt, aber wenn man sich damit näher beschäftigt, dann wird es sehr einleuchtend: Grundsätzlich geht es nämlich darum, wie wir beim Thema Nachhaltigkeit die Anforderungen, die Anregungen und die Erwartungen all unserer Anspruchsgruppen operationalisieren. Das ist die Grundphilosophie des AA1000AS.

Inclusiveness fragt danach, wie die Stakeholder in unser Nachhaltigkeitsmanagement bereits einbezogen sind, und wie wir bei unseren Aktivitäten deren Analysen und Ansichten aufnehmen und in unsere Prozesse einbinden. Komplementär dazu ist das Kriterium Materiality, also die Wesentlichkeit der Themen und Herausforderungen, die wir in unserer Nachhaltigkeitsstrategie behandeln. Konkret: Wie sieht zum Beispiel unsere CO2-Reduktionsstrategie als Beitrag zum Klimaschutz aus. Es geht auch um die Frage, ob wir dabei die - von außen betrachtet - relevanten Aspekte berücksichtigen. Der dritte Schritt ist dann die Responsiveness, die danach fragt, wie wir mit diesen Erkenntnissen konkret in unserer Praxis umgehen. Diese drei Kriterienebenen sind also logisch miteinander verknüpft und das ist aus unserer Sicht ein sinnvoller und zielführender Ansatz.

(UD): Bekommen Sie im Rahmen der Anwendung des AA1000AS ein qualitatives Feedback, so dass Sie daraus Lehren ziehen und ggfs. Ihr „Social Accounting“ aufgrund der Erfahrungen mit dem Standard anpassen?

Prätorius: Wie bei jeder Prüfung erfährt man von den Prüfern, womit diese zufrieden waren, und wo sie noch Entwicklungsmöglichkeiten sehen. Auch der Abschlussbericht selbst dokumentiert dies natürlich durch entsprechende Empfehlungen. So empfahl man uns im Rahmen der aktuellen Prüfung, dass wir unsere interne Kommunikation zu diesem Thema verstärken sollten, und dies deckte sich auch durchaus mit unserem eigenen Empfinden. Auch wurden wir bestärkt in unserem Ansatz, ein IT-basiertes CSR-Informationssystem zu etablieren. Solche Empfehlungen durch die Wirtschaftsprüfer sind für uns sehr hilfreich als zusätzliche Entscheidungshilfe.

(UD): Wie grenzt sich der AA1000AS von anderen Prüfebenen wie dem G3-Standard der Global Reporting Initiative (GRI) ab?

Prätorius: Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, denn hier sehe ich keine Abgrenzung. GRI hat uns einen Katalog an die Hand gegeben, welche Informationen wichtig sind. Die Zuverlässigkeit dieser Informationen und die zugehörigen Managementprozesse werden vom AA1000AS geprüft. Das ist eine sehr gute Ergänzung. Wenn wir etwa über CO2 oder über Diversity reden, dann überprüft der AA1000AS, wie dies in die Managementprozesse integriert wurde und wie valide die Fakten und Informationen sind. Die Entscheidung, dass CO2 und Diversity relevante Kriterien sind, hat der GRI Katalog getroffen.

(UD): Dennoch ist diese Kombination noch selten, und erst wenige Unternehmen überspringen beide Hürden!

Prätorius: Es ist die Entscheidung eines jeden Unternehmens, ob es ein solches Vorgehen wählt. Aus der Historie unserer Berichterstattung ist das aber ein sehr konsequenter Schritt. Wir haben uns sehr früh am GRI-Standard orientiert, und dieser ist für uns nach wie vor ganz wesentlich. Dazu war es für uns konsequent, den AA1000AS einzuführen, denn hier wird unsere „harte Realität“ überprüft, und das ist für uns der Lackmusstest unseres Nachhaltigkeitsengagements. Ich bin daher stolz, dass Volkswagen hier Vorreiter ist.

(UD): Richtet sich der Standard nur an große Unternehmen wie VW oder können auch kleinere Betriebe dies nutzen?

Prätorius: Das ist eine schwierig zu beantwortende Frage. Uns liegt einerseits natürlich sehr daran, dass Nachhaltigkeit alle Unternehmen – egal wie groß sie sind – etwas angeht und nicht auf die wenigen Global Player beschränkt bleiben darf. Und viele kleine Unternehmen haben hier auch eine sehr, sehr beachtliche Qualität. Ich würde mir wünschen, dass darüber die Kunden und die Öffentlichkeit noch mehr erfahren. Beim AA1000AS muss man schon sehen, dass er vor allen an Unternehmen ausgerichtet ist, die kapitalmarktorientiert sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

 
Quelle: UD

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