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19.06.2009

Auf dem Weg zum „grünen“ Handy - Nokia-Interview Teil 2

Wie kann man das Handy von Morgen umweltfreundlicher herstellen? Welche Rolle kann Bioplastik dabei spielen? Und wie stellen Hanydhersteller bei Beschaffung und Zulieferern die Nachhaltigkeit sicher? UmweltDialog sprach darüber exklusiv mit Mitti Storckovius, Environmental Director, Devices bei Nokia.

Envolve, das Mobiltelefon, das nur aus Recycling-Materialen besteht, Foto: Nokia
Envolve, das Mobiltelefon, das nur aus Recycling-Materialen besteht, Foto: Nokia
UmweltDialog: Welche Umweltaspekte berücksichtigt Nokia beim Design und der Produktion von Mobiltelefonen?

Mitti Storckovius: Wir kontrollieren Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte. Zunächst einmal stellen wir sicher, unsere Produkte energieeffizient sind und dass alle Rohstoffe, die wir bei der Herstellung verwenden, aus nachhaltigen Quellen stammen. Jene Materialien und Chemikalien müssen umweltgerecht und nicht gesundheitsgefährdend sein. Neben der Produktherstellung steht die Nutzungsphase. Hier haben wir uns als Ziel gesetzt, dass unsere Produkte auch energieeffizient genutzt werden können. So wollen wir unsere Kunden zu einem klimafreundlichen Lebensstil ermutigen. Wir bieten zum Beispiel den „Green Explorer-Service (www.greenexplorer.nokia.com) an, der Kunden zu nachhaltigen Entscheidungen beim Thema Reisen verhelfen kann. Unseren „we:offset service“ zeigt Handynutzern, wie sie CO2-Emissionen, die bei Flugreisen anfallen, ausgleichen können. Der letzte Punkt betrifft das Ende der Produktlebenszyklus. Dabei steht die Rücknahme und das fachgerechte Recyceln der ausgedienten Modelle im Fokus.

UmweltDialog: Inwieweit spielen beim Produktdesign neue umweltschonende Materialien wie Bioplastik eine Rolle?

Storckovius: Wir sehen im Bioplastik das Potenzial eines erneuerbaren Rohstoffs, der Erdöl bei der Handyproduktion ersetzen kann. Über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes betrachtet, fallen die Umweltauswirkungen bei Handys, bei denen Bioplastik verwendet wurde, bis zu 20 Prozent niedriger aus als bei Modellen mit herkömmlichen Materialen. Wir haben Ende 2007 das Modell Nokia 3110 Evolve auf dem Markt gebracht. Dessen Hülle besteht rein aus organischem Plastik. Künftig wollen wir Bioplastik auch bei anderen Bestandteilen unserer Modelle einsetzen. Es gibt hier verschiedene Bauteile, wo dies möglich ist.

UmweltDialog: Wie lange wird es aus Ihrer Sicht noch dauern bis Bioplastik selbstverständlich bei der Handyproduktion eingesetzt wird?

Storckovius: Das wird sicherlich noch einige Zeit dauern. Mobiltelefone bestehen eben zu einem großen Teil aus Metallen und anderen Rohstoffen. Bioplastik wird wohl niemals all diese Materialen ersetzen können. Man muss hier jedoch langfristig denken. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es für uns aber entscheidend, dass die Materialien, die wir verwenden, umweltschonend, qualitativ hochwertig und von langer Haltbarkeit sind. Auch sollen sie besonderen Nutzungsansprüchen gerecht werden und zu den ästhetischen und stilistischen Vorstellungen unserer Kunden passen. Natürlich müssen sie am Ende des Produktlebenszyklus sachgerecht wiederverwertet werden können.

UmweltDialog: Mittlerweile sind Mobiltelefone auf dem Markt, die mit Sonnenenergie betrieben werden. Nach Presseberichten plant auch Nokia ein Solarhandy? Wie ist da der Entwicklungsstand?

Storckovius: Nokia hat mit dem 1610 Plus das erste Solarhandy bereits 1997 auf den Markt gebracht. Insofern verfügen wir über das notwendige Know-how. Unlängst haben etwa wir eine Schnittstelle für ein Solar-Aufladegerät entwickelt, an die auch Solarauflader anderer Firmen angeschlossen werden können. Wir sehen bei Solar-Aufladegeräten einen klaren Vorteil gegenüber Solarzellen, die auf dem Handy selbst installiert sind. Diese können eine gewisse Größe eben nicht überschreiten und somit nicht viel Energie produzieren. Eine dauerhafte Energieversorgung lässt sich so nicht sicherstellen - etwa wenn das Handy sehr oft genutzt wird oder in der Handtasche liegt. Deshalb glauben wir nicht, dass ein Solarhandy die optimale Lösung ist. Das Aufladen soll effektiv und zweckmäßig für die Kunden sein. Daher arbeiten wir an verschiedenen Optionen, wobei wir hier natürlich sehr praktische Kriterien berücksichtigen müssen.

UmweltDialog: Verfügt Nokia über Richtlinien zur nachhaltigen Beschaffung? Auf welcher Basis werden Zulieferer ausgewählt?

Storckovius: Da sprechen Sie eines meiner Lieblingsthemen an, nach dem ich selten gefragt werde. Natürlich verfügen wir über entsprechende Richtlinien. Unsere umfangreichen Standards, die Nokia Supplier Requirements, muss jeder Zulieferer unterzeichen, der mit uns Geschäfte machen will. Wir arbeiten in Sachen Beschaffungspolitik eng mit unseren Lieferanten zusammen, um sicherzustellen, dass unsere Kriterien für Produktqualität und Umweltschutz eingehalten werden. Zudem führen wie über den gesamten Produktlebenszyklus Kontrollen durch, Prüfungen der Betriebsstätten mitein geschlossen. Wir erwarten von unseren Zuliefern, dass sie unsere Standards, die auch ethische Anforderungen umfassen, einhalten. Wir setzen hier auf einen mehrstufigen Prozess: Jeder Zulieferer muss unseren Verhaltenskodex kennen und zudem eigene Kodizes entwickeln, die wiederum an die Sub-Lieferanten weitergeleitet werden. Außerdem hat Nokia eine Liste mit verschiedenen chemischen Inhaltsstoffen veröffentlicht, die in unseren Produkten nicht verwendet werden dürfen. An diese Liste müssen sich alle Zulieferer halten.

Mitti Storckovius, Foto: Nokia
Mitti Storckovius, Foto: Nokia
UmweltDialog: In einem Handy stecken verschiedene hochwertige Materialen wie bspw. Aluminium, Nickel oder Kupfer. Wie stellt Nokia sicher, dass diese Rohstoffgewinnung nachhaltig verläuft?

Storckovius: Wenn Anzeichen vorliegen, dass es bei der Rohstoffgewinnung ethische Bedenken gibt, gehen wir dem entschieden nach. Wir versuchen dann den Sachverhalt so schnell wie möglich aufzuklären. Wenn sich der Verdacht bestätigt, treten wir in einen sehr aktiven Dialog mit allen Beteiligten und beraten, welch konkreter Handlungsbedarf für das Management unserer Zuliefererkette besteht. Unser Kernprinzip ist es, unsere jeweiligen Sektoranforderungen und ethischen Standards in der gesamten Zuliefererkette zu verankern. Das erwarten wir auch von unseren Zulieferern.

UmweltDialog: Circa 80% der Materialien eines Handys können wieder verwendet werden. Dennoch sind die Recyclingquoten noch eher gering? Wie kann Nokia seine Kunden dazu animieren, ihre Altgeräte zu recyceln?

Storckovius: Nokia will hier einen langfristigen Dialog anstoßen. Da leider noch zu wenige Leute ihre alten Mobiltelefone zum Recyceln zurückbringen, haben wir im vergangenen Jahr eine groß angelegte Studie durchgeführt. Zwar landen nur rund 4% der Altgeräte auf dem Müll, allerdings geben nur 3 Prozent der Handy-Nutzer ihre Geräte zum Recyceln ab. Wenn die 3 Milliarden Menschen, die weltweit Handys besitzen, nur eines ihrer Altgeräte recyceln würden, entspräche dies einer Ersparnis von 240.000 Tonnen an Rohstoffen und der Reduktion von Treibgausgasen, die 4 Millionen Auto jährlich ausstoßen. Es ist wichtig, dass die Konsumenten für diese Themen sensibilisiert werden. Das muss fortwährend geschehen. Nokia führt daher in vielen Ländern in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen und Händlern Recycling-Kampagnen durch. Auf unserer Website finden unsere Kunden zudem Angaben, wo sie ihr Altgerät abgeben können.

UmweltDialog:   Waren diese Kampagnen denn erfolgreich? Haben sich die Recycling-Quoten in letzter Zeit verbessert?

Storckovius: Mit unseren Kampagnen haben wir auf jeden Fall das Bewusstsein der Nutzer und Händler geschärft. Weltweit gibt es mittlerweile rund 5.000 Rückgabestellen in insgesamt 85 Ländern. Jedoch ist es leider noch schwierig, aktuelle Zahlen zu den globalen Recycling-Raten anzugeben.

Herzlichen Dank für das Interview!
 
Quelle: UD

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