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25.11.2008

Werkstoff der Zukunft: ThyssenKrupp baut Titan-Geschäft aus

Der Markt für Titan boomt: Allein im letzten Jahr hat sich der Preis für das seltene Metall mehr als verdoppelt. Vor allem in der Luftfahrtindustrie ist Titan begehrt, da es zwar genauso fest ist wie Stahl, aber nur die Hälfte wiegt und damit erheblich zur Einsparung von Kerosin beiträgt. Für Stahlkonzerne wie ThyssenKrupp birgt die gestiegene Nachfrage große Wachstumschancen. Deswegen hat das Unternehmen nun einen neuen Schmelzofen in Betrieb genommen und will künftig seine Titan-Aktivitäten weiter vorantreiben.

Wohl an kaum einem Ort ist der Strukturwandel des Ruhrgebiets besser beobachtbar, als in Essen. Einst das wichtigste Zentrum der Montanindustrie, hat sich die Stadt nach und nach zu einem der führenden Dienstleistungszentren der Region entwickelt und wurde gar zur europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2010 ernannt.
 
Der einzige Stahlproduktionsbetrieb, der bis heute in Essen verblieben ist, ist ein Werk der ThyssenKrupp Titanium AG. Das ist nicht etwa dem Zufall geschuldet. Im Gegenteil: ThyssenKrupp versteht die Aufrechterhaltung des Werks auch als Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Essen. Das dokumentieren nicht zuletzt die jüngst vorgenommenen Investitionen in Höhe von 30 Millionen Euro zur Ausweitung der Produktionsleistung. Die spektakulärste Anschaffung ist sicher der neue Elektronenstrahl-Ofen, eine der weltweit modernsten Titanschmelzanlagen, mit der die Kapazität des Betriebs auf rund 10.000 Tonnen pro Jahr nahezu verdoppelt wird. „Damit ist Essen der größte Titanschmelzort Europas“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Titanium AG, Dr. Markus Holz, bei der Einweihung.
 
Im Vergleich zu konventionellen Anlagen weist der „Electron Beam Furnace“ einen entscheidenden Vorteil auf: „Damit sind wir in der Lage, neben Titanschwamm auch auf den in Europa in großen Mengen verfügbaren Rohstoff Titanschrott in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen zurückzugreifen“, erläuterte Holz. „Dies sichert Unabhängigkeit von außereuropäischen Rohstoffimporten und trägt darüber hinaus auch unter Umweltgesichtspunkten zu einer hohen Recyclingquote des wertvollen Metalls bei“, so Holz weiter.

Gestiegene Nachfrage
 
Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage will das Unternehmen von der gestiegenen Titan-Nachfrage auf dem Weltmarkt profitieren. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Preis für das Metall mehr als verdoppelt. Das ist wenig verwunderlich, denn obwohl die Herstellung von Titan energieintensiv ist, überwiegen seine vorteilhaften Eigenschaften: Es ist nur halb so schwer wie Stahl, aber genauso fest und zudem flexibel. Darüber hinaus machen es seine Korrosionsbeständigkeit sowie die hohe Recyclingfähigkeit für viele Industriezweige geradezu zum Werkstoff der Zukunft. Vor allem Legierungen aus Titan und Nickel sind begehrt, da sie überall dort eingesetzt werden können, wo sie außergewöhnlichen Temperaturen und Zugkräften ausgesetzt sind, wie zum Beispiel in Wärmetauschern für Kraftwerke, bei Meerwasserentsalzungsanlagen oder im Schiffsbau.
Die größte Nachfrage kommt allerdings aus der Luftfahrtindustrie, wo das Leichtmetall zum Bau von Großraumjets wie der neuen Boeing-787 verwendet wird. Am Beispiel des auch unter dem Namen „Dreamliner“ bekannten Flugzeugs wird deutlich, welche Vorteile der Einsatz von Titan mit sich bringt: Flügel und Rumpf der Boeing-787 werden nicht mehr aus Aluminium gefertigt, sondern aus Verbundwerkstoffen, die mit Titan umschlossen werden. Dadurch wird der Dreamliner erheblich leichter, verbraucht entsprechend weniger Kerosin und stößt weniger CO2 aus. Darüber hinaus sind Rostschäden an Rumpf und Flügeln so gut wie ausgeschlossen. Gründe genug für das Konkurrenzunternehmen Airbus, bei der Herstellung seines neuen Großraumjets A-350 ebenfalls auf Titan zu setzen - und den Markt für das Leichtmetall weiter anzuheizen.
 
Markttreiber Luftfahrtindustrie
 
Ein Markt, von dem sich der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp Stainless, Jürgen Fechter, auch in Zukunft viel verspricht. „Mit dem neuen Elektrostrahl-Ofen können wir am Wachstum im Bereich Titan aktiv teilnehmen und verschaffen uns eine ausgezeichnete Position in dem hochinteressanten Geschäft mit Kunden aus der Luftfahrt und dem Anlagenbau“, erklärte Fechter. Angesichts der Tatsache, dass die Unternehmen Airbus und Boeing nach Angaben des Spiegel davon ausgehen, insgesamt 3.500 Exemplare ihrer Großraumjets zu verkaufen, könnten sich die Investitionskosten für die neue Anlage also schnell amortisieren.
 
Allerdings haben die rosigen Aussichten durch die derzeitige Finanzkrise einen erheblichen Dämpfer erhalten, wie Fechter einräumte. „Wir müssen deutliche Rückgänge in unserem Titangeschäft verzeichnen. Es wäre auch naiv zu glauben, dass die Finanzkrise nur Banker betrifft“, sagte er. Die Anschaffung des neuen Elektrostrahl-Ofens sei allerdings ein wichtiger Baustein der Konzernbemühungen, sich von einem reinen Edelstahlproduzenten zu einem breiter aufgestellten Anbieter von Hochleistungswerkstoffen weiter zu entwickeln. Deswegen werde ThyssenKrupp auch künftig seine Aktivitäten im Titan-Segment weiter ausbauen, so Fechter.
 
Quelle: UD

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