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15.08.2008

Arbeitsbedingungen in der Sportartikelindustrie katastrophal

"Von 100 Euro, die ein Sportschuh im Handel kostet, bekommt eine Näherin in Asien nicht einmal 40 Cent", sagt Michaela Königshofer, Koordinator der Clean Clothes Kampagne. "Wie die Menschen in Asien arbeiten müssen, ist nicht nur eine Zumutung, sondern lebensunwürdig", unterstreicht auch Rudolf Hundstorfer, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes.

Wie viele Leute dieses Schicksal trifft, wisse man nicht mit Sicherheit. Doch es dürften Hundertausende sein. "Viel wurde vor Olympia versprochen. Die Lebensbedingungen und die Bürgerrechte sollten verbessert werden. Getan hat sich rein gar nicht - die Lage hat sich sogar verschlechtert", erzählt Königshofer, die kürzlich selbst erst in Hongkong zu Nachforschungen war. Vor allem NGOs könnten seit einigen Monaten noch weniger frei als früher in China agieren. "Speziell in Hongkong hat man NGOs gewarnt Proteste oder Aktionen während der Spiele zu machen", erklärt Königshofer. "Und diesen Drohungen ist man auch nachgekommen, da man nicht Partner in Zentralchina gefährden wollte."

"Der Ansatz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), durch die Vergabe der Olympischen Spiele nach China, für bessere Lebensstandards zu sorgen, ist schief gegangen", meint Erwin Berger von der Volkshilfe Österreich. Es sei keine Seltenheit, dass Arbeiterinnen in der Sportartikelindustrie 14 bis 16 Stunden am Tag und das teilweise sieben Tage die Woche für 70 bis 80 Euro Monatslohn arbeiten müssen. "Und wenn sie gegen Auflagen verstoßen, wie das miteinander sprechen während der Arbeit, wird ihnen Lohn abgezogen", erzählt Königshofer. Vor allem seien es oftmals junge Frauen, die aus den Provinzen in die Städte gehen, um dort zu arbeiten, da im ländlichen Raum keine Arbeit zu finden sei. "Dann schlagen sie sich fünf, sechs Jahre durch und gehen dann komplett ausgelaugt zurück in ihr Heimatdorf", so Hundstorfer. In dieser Zeit leben sie zusammen mit bis zu elf anderen Arbeiterinnen in einem kleinen Zimmer, bei schlechtem Essen und genau geregelten Ausgehzeiten. "Oftmals bleibt ihnen nur eine Matratze mit einem Vorhang als persönlicher Rückzugsraum", so Königshofer.

Königshofer rief Sportfunktionäre weltweit auf, in Lizenzvergabeverträge faire Arbeitsbedingungen als Klausel aufzunehmen. "Wir sind nicht gegen die Globalisierung, aber diese muss ein soziales und menschliches Gesicht behalten", erklärt Hundstorfer. Um dieses menschliche Gesicht in Zukunft auch in der Sportartikelindustrie anzutreffen haben die Initiatoren von Play Fair 2008 mit den großen Sportbekleidungsherstellern eine gemeinsame Arbeitsgruppe gegründet, in der sich über eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen verständigt werden soll. Auf Nachfrage erfuhr pressetext, dass es aber bisher keinerlei feste Vereinbarungen gibt, sondern nur das erklärte Ziel, bis zu den nächsten Sommerspielen 2012 in London die Lage der Arbeiter zu verbessern. Neben dem Geschäftsgebaren des IOC wolle man sich von Seiten Play Fair nach den Olympischen Spielen auch mit weiteren Großverbänden wie der FIFA auseinandersetzen. "Wir wissen, dass vor allem mit Fußball sehr viel Geld verdient wird. Von daher stricken wir gerade an einem Aktionsplan 2010 (Anm. d. R.: nächste Fußballweltmeisterschaft in Südafrika)", so Königshofer.

Anfang 2008 haben sich weltweit 168 Organisationen zu Play Fair 2008 zusammengeschlossen, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Sportartikelindustrie einsetzen.
 
Quelle: pte

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