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Donnerstag, 19.Oktober 2017

26.06.2007

Interview: Nokia-CSR Chef Martin Sandelin über globale Verantwortung

Der Telekommunikationsmarkt ist in Bewegung. Preiskampf und Rationalisierungen bestimmen die Branche. Das finnische Unternehmen Nokia beweist jedoch, dass auch in einem hart umkämpften Marktumfeld Nachhaltigkeit ein Erfolgsfaktor ist. Umweltdialog sprach mit Martin Sandelin, Vize-Präsident im Bereich CR/ Community Involvement bei Nokia, über das soziale Engagement und die globale Verantwortung des Konzerns.

UmweltDialog: Deutschland und auch die meisten Industriestaaten müssen sich den Herausforderungen des demographischen Wandels stellen. Wie begegnet Nokia dem Spagat zwischen den Anforderungen der Jugend und der älteren Menschen? Auf der einen Seite stehen die Erwartungen an technisch immer ausgefeiltere Handys, auf der anderen Seite der Anspruch an einfach zu bedienende Mobiltelefone.
 
Martin Sandelin: Ich denke, dass die Erwartungen an die Ausstattung und Funktionalität von Mobiltelefonen bei jungen und älteren Menschen eigentlich sehr ähnlich sind. Ich bin beispielsweise 52 Jahre alt. Zur älteren Generation gehöre ich noch nicht, aber ich werde älter. Ich habe hier im Prinzip dieselben technischen Ansprüche wie die junge Leute - E-Mails versenden, im Internet surfen usw. Teilweise gehen sie vielleicht noch darüber hinaus. Natürlich verändern sich aber Verhaltensweisen und Gewohnheiten, wenn man älter wird, beispielsweise bei der Reaktionszeit. Diese Aspekte müssen wir natürlich berücksichtigen, wenn wir die Software oder das Design von Mobiltelefonen entwickeln.
 
Betrachtet man die Produktpalette von Nokia, sieht man, dass viele unserer Produkte beispielweise mit einer Sprachfunktion ausgestattet sind. Empfängt man etwa eine Textnachricht, liest das Telefon diese dem Nutzer vor. Auch kann man das Mobiltelefon per Stimme bedienen. All diese Funktionen sind unabhängig vom Alter sehr nützlich. Auch wenn man jung ist, noch gut sehen und hören kann, profitiert man von modernen Funktionen - beispielsweise, wenn man sich in lauter Umgebung befindet und den Klingelton nicht hören kann. Oder wenn man das Handy-Display bei hellem Sonnenlicht lesen will, und ein kontrastreicher Bildschirm dies dann ermöglicht.
 
Wir lernen sehr viel, indem wir auf die Bedürfnisse Älterer oder auch von Menschen mit spezifischen Lebensstilen und Bedürfnissen eingehen. Auf dem Sektor der technischen Ausstattung passiert sehr viel. Unsere Produkte zeigen, dass es viele Weiterentwicklungen gibt. Ich denke, dass gerade meine Generation, die in den 50er und 60ern geboren wurde - aber auch die älteren Menschen sollen hier weder ausgerenzt noch bevormundet werden - von den Möglichkeiten moderner Mobiltelefone profitieren.
 
UmweltDialog: Bei seinem sozialen Engagement legt Nokia einen Schwerpunkt auf Jugend- und Bildungsförderung. Welche zentralen Förderinitiativen wurden in den Industriestaaten angestoßen? Was kann und soll hier erreicht werden?
Martin Sandelin: Im Hinblick auf die Jugendförderung fokussieren wir unser soziales Engagement auf die informelle Bildung und Erziehung. In den Industriestaaten gibt es ja meist sehr gut entwickelte Bildungssysteme. Von daher setzen wir bei den sogenannten Life- oder Soft-Skills an, also bei der Förderung von Fähigkeiten wie im Team arbeiten zu können oder eigenständig Konflikte zu lösen. Diese stehen ja oft nicht auf dem Lehrplan, sondern werden eher außerhalb der Schule, etwa in Sportvereinen, entwickelt. Leider gibt es in unserer heutigen Gesellschaft den Trend, dass hier immer weniger junge Leute aktiv sind. Mit unseren Jugendförderprogrammen wollen wir die Kinder und Jugendlichen dabei unterstützen, diese Fähigkeiten zu erlernen, die wesentlich für eine funktionierende Gesellschaft sind.
 
Natürlich kann man die Frage stellen, warum Nokia sich in einer alternden Gesellschaft besonders der jungen Menschen annimmt. Die Antwort ist einfach: das Wohlergehen eines jeden jungen Menschen wird zunehmend wichtiger, in einer Zeit, in der die Zahl der Erwerbstätigen weiter sinken wird. Wir können es uns einfach nicht leisten, einem jungen Menschen die Möglichkeiten zu verwehren, ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu werden.
 
UmweltDialog: Zum Thema Sozialstandards in der Produktion. Die Kritik der NGO Somo an Arbeitsbedingungen in asiatischen Zulieferbedingungen sorgte zu Jahresbeginn für viel Aufregung. Nokia hat Aufklärung versprochen. Was ist daraus geworden, und welche Konsequenzen konnten hieraus gezogen werden?
 
Martin Sandelin: Der SOMO-Report beinhaltete wirklich ernsthafte Anschuldigungen, denen wir uns gestellt haben und nachgegangen sind. Zwei Dinge möchte ich dazu sagen. Unsere Nachforschungen, deren Ergebnisse auf der Nokia-Website veröffentlicht sind, haben ergeben, dass die Anschuldigungen, denen wir nachgegangen sind, schlichtweg so nicht richtig waren. Es gab hier einfach keine Grundlage. Wir wären sehr bestürzt, wenn das nicht der Fall sein sollte. Betroffen macht uns aber gleichzeitig, dass SOMO so unangebrachte Beschuldigungen vorbringt. Wenn wir über moralische Verantwortung von Unternehmen sprechen, sollte das auch für jede Organisation und jeden Menschen gelten. Und wenn eine NGO Anschuldigungen macht, sollten diese akkurat sein.
 
UmweltDialog: Allgemein ist jedoch bekannt, dass Asien ein beliebter Produktionsstandort ist, zugleich aber hier die Sozial- und Menschenrechtsstandards zum Teil immer noch bedenklich sind. Welche Aufgaben können Unternehmen dabei übernehmen? Wo sehen Sie die Grenze zwischen politischer und Unternehmensverantwortung?
 
Martin Sandelin: Diese Frage nach der Grenzziehung ist eine sehr gute und wichtige Frage. Es ist klar, dass staatliche Organe die Pflicht haben, hohe nationale Arbeitsstandards sicherzustellen. Eine private Organisation hat letztlich dafür nicht den Auftrag, aber auch gar nicht die Kompetenz, dieses gesetzlich herbeizuführen. Gesetzgebung und deren Durchführung und Kontrolle liegt in den Händlern des Staates. Allerdings sollten private Organisationen jede Gelegenheit wahrnehmen, die Regierung an ihre Verantwortung zu erinnern. Das ist wirklich notwendig und stellt eine große Herausforderung für Unternehmen dar. Es ist bekannt, dass Regierungen bisweilen nicht die Mittel haben, all diese Probleme zu lösen. Und an dieser Stelle tragen Unternehmen wie Nokia Verantwortung - eben in Sachen Zulieferer. Wir müssen sicherstellen, dass die Zulieferer auch dann den Anforderungen gerecht werden, wenn der Gesetzgeber dies nicht durchsetzen kann oder will. Wir legen Wert auf die gleichen ethischen und sozialen Standards, wo immer wir auf der Welt operieren. Gemeinsam mit Organisationen sollen Unternehmen so dazu beitragen, Demokratie und staatliche Anforderungen zu stärken. Gerade für große Unternehmen wie Nokia ist es von daher sehr wichtig, mit internationalen Organisationen wie beispielsweise der ICC zusammenzuarbeiten, um die Rolle des Regierung und die Gesetzgebung in den jeweiligen Ländern besser zu verstehen.
 
UmweltDialog: Auf welche Weise stellen Sie an unterschiedlichen weltweiten Produktionsstandorten einheitliche Sozial- und Arbeitsstandards her? Wie kann man möglichen strukturell-kulturellen Unterschieden begegnen, um beispielsweise den Diversity-Ansatz umzusetzen oder Gleichberechtigung von Mann und Frau zu forcieren? 
 
Martin Sandelin:  Auch hier müssen wir grundsätzlich die verschiedenen Regelungen der jeweiligen Länder berücksichtigen und die nationalen oder regionalen Standards erfüllen. Aber bei der Durchführung unserer eigenen hohen globalen Standards legen wir besonderen Wert auf im Unternehmen einheitliche Regelungen. Das zeigt sich vor allem bei Aspekten wie der Anstellung oder Bezahlung von unseren Mitarbeitern. So haben wir auch Initiativen aufgelegt, um den finanziellen Erfolg mit unserer Belegschaft gerecht zu teilen. Diese Praktiken sind weltweit dieselben.
 
UmweltDialog: Herzlichen Dank für das Gespräch!

 
Quelle: UD

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