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16.03.2006

Steigt Philip Morris in die Medizintechnik ein?

Über Jahre hinweg ließ Philip Morris International an Alternativen zu Zigaretten forschen. Mit dem Ergebnis, dass ein hochleistungsfähiger Inhalator entwickelt wurde, der neun mal effektiver ist als alle bisherigen Produkte. Davon könnten vor allem Asthma- und Lungenkranke profitieren. Steigt der Zigarettenriese jetzt ins Medizintechnik-Geschäft ein?

Philip Morris als Hersteller von Medizintechnik? Nicht nur Patienten, sondern auch Mediziner reagierten verblüfft auf die Mitteilung des Unternehmens aus Richmond/Virginia, man habe einen Inhalator entwickelt, der seinesgleichen auf dem Markt sucht. „Aria“ heißt die Erfindung und ist ein Spin-off Produkt der Philip Morris Tabakforschung. Deren Entwickler verfolgten nämlich die Idee, ein Gerät zu entwickeln, mit welchem man Nikotin durch einen Inhalator in die Lunge befördert und so keinen giftigen Tabakrauch mehr inhalieren müsste. Als Raucherlösung ist die Idee vom Tisch, aber für die Medizin erweist sich das Gerät als besonders effektiv: Eines der Kernprobleme bei der Behandlung von Lungenkrankheiten ist nämlich, dass der Wirkstoff nicht tief genug in die Lunge eingebracht werden kann und Therapieerfolg daher begrenzt bleiben. Genau das leistet aber „Aria“: Ob Insulin, Schmerz- oder Asthmamittel - der Inhalator erhitzt die Wirkstoffe, so dass sie gasförmig vorliegen und ein sogenanntes Aerosol bilden. Dabei handelt es sich um ein Stoffgemisch aus Flüssigkeit und Feststoffen in gasförmigem Zustand, welche über die Atemwege in die Lunge gelangen. Neu ist die Idee nicht, aber „Aria“ zeichnet sich durch eine neun Mal höheren Wirkungsgrad gegenüber herkömmlichen Inhalatoren aus.

Ob Philip Morris mit seiner Erfindung in den gewinnträchtigen und milliardenschweren Markt der Medizintechnik Fuß fassen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Die Medizinerlobby tut sich schwer, anzuerkennen, dass ein Tabakkonzern auch Gesundheitsprodukte vertreten kann. Entsprechend wird die Idee von Ärzten torpediert - Fachzeitschriften lehnen gar kategorische ein Berichterstattung hierüber ab: Autoren haben schriftlich zu bestätigen., dass ihre Forschung nicht in irgendeiner Weise finanziell von der Tabakindustrie unterstützt wurde. Wird hier also Politik auf Kosten der Patienten gemacht? „Eine neue Methode wird dringend gebraucht“, mahnt James Donohue von der Lungenstation der Universitätsklinik North Carolina in einem Pressebericht an. „Es gibt aber so viel Misstrauen zwischen den Ärzten und der Tabakindustrie.“ Immerhin, die Ablehnungsfront scheint zu bröckeln: So erklärte jüngst Norman Edelmann, leitender Medziner des Amerikanischen Lungenverbandes auf Anfrage von CNN: “Wenn sie ein gutes Produkt haben, das von medizinischen Nutzen ist, sehe ich nicht, warum die Verbindung zu einem Tabakunternehmen ein Problem sein sollte.“
  
Bei Philip Morris sucht man währenddessen nach neuen Vertriebswegen: Der Prototyp des Inhalators „Aria“ wird seit Anfang 2005 vom Tochterunternehmen Chrysalis Techologies in Richmond vermarktet. Letzten Dezember unternahmen die dortigen Manager einen neuen Anlauf, um ins Medizingeschäft vorzustoßen: Gegenüber UmweltDialog berichtete Philip Morris USA, dass Chrysalis eine Zusammenarbeit mit der Biotech-Firma Discovery Labs vereinbart habe, die auf die Entwicklung von Arzneien gegen Atemwegserkrankungen spezialisiert ist. Das Nasdaq-Unternehmen Discovery Labs hat ein Mittel für Lungenerkrankungen bei Frühgeborenen entwickelt. In den kommenden Monaten wird die US-Gesundheitsbehörde FDA über die Zulassung entscheiden. Analysten beziffern das Marktpotenzial auf rund 250 Millionen Dollar jährlich. Erheblich größer könnte es sein, wenn „Aria“ ins Spiel käme: Dann könnte man Medikament und Medizintechnik koppeln und die Wirkung für die Patienten deutlich verbessern. 
 
Quelle: UD

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