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24.11.2004

Leben im Jahre 2020

Wie wird das Leben in unserer Gesellschaft im Jahr 2020 aussehen? Eine spannende Frage, welche die Abteilung Market Development & Relations der HOCHTIEF Construction AG in Zusammenarbeit mit Vertretern der Unternehmen Bayer MaterialScience, Böttcher Consulting, Busch-Jaeger, Degenhardt-Consult, Hella, Melitta Haushaltsprodukte, Mensen Creatineers, Pfleiderer, Rehau, Sonus, Vorwerk und Universität für angewandte Kunst Wien ein Szenario erarbeitet hat, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Zukunft ist zwar nicht vorhersehbar, aber schon heute zeichnen sich Trends und Tendenzen ab. Wie aber sieht sie denn nun konkret aus, die Zukunft der Menschen im Jahr 2020? Gibt es künftig noch feste Arbeitsplätze oder werden wir zu Job-Nomaden? Bleibt noch Zeit für Beziehungen? Wie leben, wohnen und konsumieren wir in der Welt von Morgen? Wie sieht unsere künftige Infrastruktur aus? Antworten darauf interessieren nicht nur Verbraucher, sondern auch Unternehmen für ihre Strategie und Produktplanungen.

In der Studie kristallisieren sich zwei Szenarien heraus: Die Oligozentren und die Polyzentren. Beide Szenarien zeigen unterschiedliche Zukunftsentwürfe.

Die Oligozentren beinhalten den Trend zur Verstädterung. Dies führt zur Bildung von wenigen globalen Machtzentren, den sogenannten „Global Cities“. Schon heute als Megacities werden Singapur und Shanghai bezeichnet. Der Trend bezieht aber auch europäische Städte - wie London und Paris - mit ein. Gesteuert werden die Zentren von global operierenden Unternehmen und Organisationen, die wirtschaftliche und politische Macht in ihren Händen konzentrieren. NGOs stellen als Gegenpol einen gewissen Ausgleich dar.

Die globale Ökonomie hat die Welt eng zusammengebracht. Kulturelle Unterschiede sind in den großen Städten nicht mehr zu erkennen. Die Oligozentren stehen in Konkurrenz zueinander und generieren so eine Konzentration der Arbeitsplätze. Die Folge ist eine steigende Migration, die eine hohe Mobilität erfordert. Die Arbeitsmarktentwicklung hat viele Wohnortwechsel zur Folge. Feste oder sichere Arbeitsplätze gibt es nicht. Die Folge: Keiner will mehr langfristig investieren. Wohnen, Arbeiten und Einkaufen konzentrieren sich auf verkehrsgünstige Orte. Es entstehen Ballungsräume mit extremen Gegensätzen.
Aufgrund der Machtverschiebung vom Staat zur Wirtschaft ist mit einer Privatisierung sämtlicher Infrastrukturbereiche zu rechnen. Die Energieversorgung erfolgt zentral und ist geprägt von großen, konventionellen Kraftwerken. Kernenergie wird wieder verstärkt genutzt. Im Wasser-/Abwasserbereich besteht ein großer Neubaubedarf, da die Metropolen rasch wachsen. Auch hier wird die Ver- und Entsorgung durch wenige große zentrale Anlagen gewährleistet.

Das Auto bleibt das von den Menschen favorisierte Verkehrsmittel, obwohl die Kosten extrem gestiegen sind. Ein wachsendes Netz privater, kostenpflichtiger Straßen steht für die Gutverdienenden zum schnellen Fortkommen bereit, während die Massen auf verstopfte und schlecht gepflegte öffentliche Straßen angewiesen bleiben. Aufgrund einer fehlenden aktiven Verkehrspolitik herrscht Verkehrschaos in den Innenstädten. Die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sind gering, weil öffentliche Investitionen stagnieren. Neue Straßen für den Fernverkehr werden durch private Investoren realisiert. Der ÖPNV hat nur für den Massenverkehr in den Zentren eine große Bedeutung. Verkehrsprobleme werden damit aber nicht gelöst.

Im Zusammenleben gewinnt die Familie zwar an Bedeutung, aber ihre Struktur hat sich völlig geändert. An der Stelle der klassischen Rollenaufteilung sind andere Lebensformen getreten. Der Megatrend heißt Individualisierung. Gängige Stichworte sind hier Patchworkfamilien, kinderlose Powercouples oder Urban Nomads. Diese neuen Lebensformen bieten mehr Raum für Entfaltung und Selbstverwirklichung.

Wie sieht dagegen das Szenario der Polyzentren aus? Auch hier zieht es die Menschen in die Städte. Die wirtschaftliche Dominanz liegt zwar im asiatischen Bereich, jedoch werden regionale Zentren gezielt gefördert, die dadurch ihre Standortvorteile stärken. Das allgemeine Bildungsniveau ist hoch. Der Lebensstandard insgesamt ist gestiegen. Es bestehen gute Beschäftigungschancen. Unternehmen müssen die individuellen Bedingungen in den Märkten sowie die Unterschiede zwischen den Regionen beachten. Das Leben ist geprägt von Eigenverantwortung, der Bereitschaft, ein Leben lang zu lernen sowie sich schnell anpassen zu können.

Feste Arbeitsplätze gibt es nicht mehr. Auch feste Arbeitsorte durch Telekommunikation sind nur noch bedingt existent. Der Grund: Netzwerke und individuelle Unternehmensformen ergänzen klassische Strukturen und ermöglichen ein großes Maß an Dynamik. Das Schlagwort in diesem Zusammenhang heißt „Mobile Work“, die Möglichkeit an jedem Ort und zu jeder Zeit Arbeitsaufträge zu erledigen. Dadurch verschwinden auch die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit.
Durch die starke wirtschaftliche Entwicklung der Länder im asiatischen Bereich, politische Unsicherheit in den Ölförderländern und einen starken Verbrauch der verfügbaren Ressourcen in der Vergangenheit sind die Energiekosten extrem gestiegen. Alternative Techniken sind wettbewerbsfähig geworden, was zu einem starken Ausbau der dezentralen Energieversorgung führt. Im Wasser-/Abwasserbereich werden bestehende Systeme saniert und modernisiert.

Die Regionen sind untereinander stark vernetzt und die Mobilität ist gestiegen. Generell sind die Menschen multioptional und pragmatisch bei der Wahl der Verkehrsmittel. Die Dominanz des PKWs ist in den Zentren und in der Verbindung der Zentren nicht mehr zu erkennen. Car-Sharing ist Normalität. Für die Fläche ist das Auto aber immer noch das wichtigste Verkehrsmittel. Der Fernverkehr wird durch Maut reguliert. Innerstädtische und urbane Bereiche sind weitgehend für den Individualverkehr gesperrt. Leitsysteme und die Nutzung von Maut sind weit verbreitete Steuerinstrumente. In der Fläche dominiert ein neuer ökologisch verträglicher Individualverkehr, ergänzt durch Schnellbahnsysteme. Der Bau von Tunnel und Brücken dient der Optimierung des Verkehrs.

Die Wohnregionen stellen Lebensqualität dar. Wohnungen und Häuser sind umweltbewusst in das Umfeld integriert und sehr individuell gestaltet. Das Haus im Jahre 2020 ist kostengünstig und flächensparend. Die Architektur ist geprägt von neuen Konzepten. Sie integriert die Funktionen des täglichen Lebens wie Wohnung, Freizeit, Arbeit und Versorgung in einem Gebäudekomplex. Gewünscht sind multifunktionale Häuser mit hohem Komfort. Wohnqualität wird durch Gärten, Balkons, Loggien und Wintergärten geschaffen. Häuser sehen nicht mehr phantasielos einheitlich aus. Auch im mehrgeschossigen Haus ist eine individuelle Wohngestaltung möglich.
Alternative Energien sind wettbewerbsfähig geworden. Es gibt immer mehr Energie erzeugende Häuser. Das gesamte häusliche Umfeld wird von einem Wohlfühltrend erfasst. Der Wunsch nach Komfort führt dazu, dass der gesamte Wohnbereich mit vernetzten Geräten ausgestattet ist. Gesteuert werden Basisfunktionen wie Licht und Klima. Für die Mehrheit der Bevölkerung ist der Einsatz von Elektronik im Haushalt Standard. Der Zentralcomputer ist der Arbeitsplatz, gleichzeitig Kommunikationsverbindung zur Außenwelt und Schaltzentrale für alle Anlagen.

Soziale Beziehungen haben einen hohen Stellenwert. Die frühere Rollenteilung zwischen Mann und Frau ist verschwunden. Der Lebensalltag ist geprägt durch Merkmale der Dienstleistungsgesellschaft, aber das Dienstleistungsangebot ist stark differenziert. Während die Grundbedürfnisse vorwiegend über E-Commerce abgedeckt werden, erwarten die Menschen im Bereich des Erlebniskonsums Inszenierungen.

Die Zukunft lässt sich nicht exakt vorhersagen. Spontan wird sich wohl jeder eher das zweite Szenario wünschen. Doch: Beide Welten haben ihre Stärken und Schwächen. Wichtig ist, die Konsequenz aus den Szenarien zu ziehen und sich schon heute intensiv mit der Zukunft auseinander zu setzen, um sich so auf die Märkte von morgen einzustellen.
 
Quelle: UD

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