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Digitalisierung: „Luftschnittstelle“ eröffnet Autobauern neue Geschäfte

22.01.2018

Digitalisierung: „Luftschnittstelle“ eröffnet Autobauern neue Geschäfte

Kann jetzt jeder Autos bauen? Tesla, Google und Apple versuchen es zumindest und haben die deutsche Autoindustrie mächtig aufgescheucht. Doch die Platzhirsche der Branche denken nicht daran, das Feld kampflos zu räumen und investieren massiv ins autonome Fahren und in digitale Assistenzsysteme. Den Autobauern eröffnen sich dadurch Geschäftsmodelle, die mit der klassischen Produktion nur noch wenig zu tun haben.

Wohin die Reise geht, zeigt schon ein Blick in die Stellenanzeigen großer deutscher Autohersteller: Fast mehr noch als nach Maschinenbauern und Ingenieuren wird darin nach IT-Spezialisten gesucht. Aus gutem Grund: „Der Anteil digitaler Komponenten am Gesamtwert eines Fahrzeuges dürfte von heute 4,9 Prozent auf rund 14,0 Prozent im Jahr 2030 ansteigen", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Dies entspräche einem Wert digitaler Komponenten von 4.500 Euro je Fahrzeug.

Permanent Funktionen nachlegen

Auto entwickeln, bauen, verkaufen – diese Zeiten nähern sich für die Hersteller wohl ihrem Ende. „Heute sind wir es noch gewohnt, ein Fahrzeug zu verkaufen und dafür einen unmittelbaren Umsatzerlös zu erzielen“, sagt Dr. Rolf Zöller, Leiter des Bereichs „Car Connect“ beim Sportwagenhersteller Porsche AG. Künftig werde man jedoch davon ausgehen müssen, dass der Kunde seine Investitionssumme nicht komplett für den Fahrzeugkauf allein ausgibt, sondern über den Besitzzeitraum verteilt. „Das bedeutet, dass wir permanent neue Funktionen oder Features über die Fahrzeuglebenszeit nachlegen müssen.“ „Car for Life“ nennt man dieses Konzept bei Porsche.

Der Fahrzeugverkauf, versichert Zöller, stehe nach wie vor zwar an erster Stelle. Man werde in Zukunft jedoch verstärkt Dienste und Dienstpakete als zusätzliche Produkte für die Individualisierung eines Fahrzeugs ermöglichen und anbieten. Das könne ein digitaler Helfer für die Parkplatzsuche in der Innenstadt sein oder erweiterte Funktionen zur individualisierten Feinabstimmung des Fahrwerks. Das Ziel ist klar: „Wir schaffen ein persönliches Ecosystem für den Kunden, über das er ständig in jeder erdenklichen Weise mit seinem Fahrzeug, den erweiterten Funktionen und mit uns in Verbindung stehen kann.“

Digitale Fahrassistenzsysteme gewinnen weiter Gewicht

Dass solche digitalen Technologien und die weitere Vernetzung von Fahrzeugen künftig über den Verkaufserfolg mitentscheiden, ist in der Branche unumstritten. Bei einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter Top-Managern aus der Automobilindustrie gaben im September 82 Prozent zu Protokoll, dass die Kompatibilität des Autocockpits mit gängigen Smartphones 2030 für die Käufer wichtiger sein wird als heute. Wachsende Bedeutung messen sie ebenso neuen Fahrassistenzsystemen und Technologien für das autonome Fahren bei (je 80 Prozent) sowie neuen Diensten auf Grundlage von vernetztem Fahren und Car-to-Car-Kommunikation (71 Prozent).

Zwar sind digital rechnende und vernetzte Systeme im Auto schon seit den 1990er Jahren Alltag. Neu ist jedoch, dass sich das Fahrzeug nun drahtlos mit der Außenwelt verbindet und mit ihr kommuniziert. Bei Porsche nutzt man das zum Beispiel, um Kundenfahrzeuge zu aktualisieren. „So können wir nicht nur einen permanent aktuellen Zustand des Fahrzeugs gewährleisten“, sagt Digital-Manager Zöller. Durch die Kommunikation über die „Luftschnittstelle“ eröffneten sich auch neue Möglichkeiten der Individualisierung. „Als sogenannte ‚Function on Demand’ stellen wir dem Kunden dann etwa zusätzliche und gegebenenfalls zeitlich begrenzte Dienste und Funktionen kostenpflichtig zur Verfügung.“

Macan, Porsche Connect.

IT-Sicherheit schon kaufentscheidendes Kriterium

Alle großen Hersteller arbeiten heute am Aufbau solcher „digitalen Ökosysteme“. Schließlich können sie so ihre Kundschaft stärker an sich binden. Denen ist indes nicht nur die Ausstattung ihres Autos mit Apps und anderen digitalen Angeboten wichtig, sondern auch der Cyberschutz ihres Fahrzeugs. In einer repräsentativen Umfrage des Beratungsunternehmens Capgemini gaben im Frühjahr zwei Drittel von 8.000 befragten Verbrauchern aus Europa an, das die IT-Sicherheit eines Autos für sie ein kaufentscheidendes Kriterium sei. 2015 sagte das lediglich ein Drittel der Befragten. Etliche professionelle Hackerangriffe haben die Bedenken anscheinend verschärft.

Auch bei Porsche ist man sich der wachsenden Bedeutung der Cybersecurity bewusst. Der „Luftschnittstelle“ kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Zöller: „Sie ist einerseits gegen äußere Eingriffe abzusichern und ermöglicht andererseits eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Sicherheit des Fahrzeugs durch Updates, genauso wie bei einem Smartphone.“ Gleichzeitig beschert die „Luftschnittstelle“ den Herstellern jede Menge Daten, die für sie bares Geld wert sind, lassen sich mit ihnen doch ganz neue Geschäftsfelder erschließen: Bei Porsche etwa denkt man laut darüber nach, aus ihnen präzise Karten etwa für Verkehrsmeldungen in Echtzeit zu generieren.

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Datenschutz: Verbraucher eher sorglos

„Solche Daten“, so Zöller, „werden auch einen wichtigen Beitrag zum autonomen Fahren leisten, weil sie eine spurgenaue Abbildung der Realität darstellen, die vor allem aktuell ist“. Wichtig sei, dass der Kunde wisse, was mit den über sein Auto gewonnenen Daten geschehe und wann welche Daten genutzt würden, er Herr des Geschehens bleibe. Porsche selbst sichert seinen Kunden zu, dass keine Daten übertragen werden, wenn dies nicht gewünscht ist. Damit, so Zöller, gehe man „viel weiter als alle anderen Wettbewerber“. Bereits vor dem Versenden der Datenpakete würden diese schon im Fahrzeug anonymisiert.

Anders als bei der IT-Sicherheit im Fahrzeug scheinen die Bedenken potenzieller Autokäufer in Sachen Datenschutz ohnehin weniger ausgeprägt. In der Umfrage der Berater von Capgemini sagten 89 Prozent, sie würden ihre Fahrzeugdaten teilen, während das Fahrzeug verbunden ist. Das sind neun Prozentpunkte mehr als in der Vorgängerumfrage aus dem Jahr 2015. Freuen dürfte die Hersteller hierzulande auch ein weiteres Ergebnis der Befragung: Würden Apple, Google & Co. morgen ein eigenes Modell auf den Markt schieben, würden das nur 37 Prozent der befragten Deutschen kaufen wollen (europaweit: 57 Prozent). Autos bauen, scheinen zumindest die meisten Deutschen zu meinen, kann eben doch nicht jeder.

 
Quelle: UmweltDialog

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