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Mehr weibliche Vorstände in börsennotierten Unternehmen

25.07.2016

Mehr weibliche Vorstände in börsennotierten Unternehmen

Der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen von Deutschlands börsennotierten Unternehmen ist im ersten Halbjahr weiter leicht gestiegen: In den 160 DAX-, MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen arbeiteten zum Stichtag 01. Juli 2016 insgesamt 43 weibliche Vorstände und damit vier mehr als zu Jahresbeginn und acht mehr als vor einem Jahr. Den 43 Frauen stehen in den Vorstandsetagen der Unternehmen insgesamt 627 Männer gegenüber. Der Frauenanteil liegt damit aktuell bei 6,4 Prozent – vor einem halben Jahr waren es 5,9 Prozent, Mitte 2015 lag der Anteil bei 5,3 Prozent. Das hat eine Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY ergeben.

Nach wie vor sind aber drei von vier Vorstandsgremien der börsennotierten Unternehmen ausschließlich mit Männern besetzt – lediglich in 23 Prozent der Unternehmen sitzt mindestens eine Frau im Vorstand – vor einem Jahr waren es 20 Prozent. Mindestens zwei weibliche Vorstandsmitglieder sind derzeit in knapp vier Prozent der Unternehmen bzw. in absoluten Zahlen sechs Unternehmen beschäftigt – das sind immerhin doppelt so viele wie zu Jahresbeginn.

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„Das die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder steigt, ist erfreulich. Die Steigerung des Frauenanteils im Top-Management dauert aber sehr viel länger, als viele sich das wünschen: Es geht nur im Schneckentempo voran“, stellt Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, fest. „Deutsche Vorstandsetagen sind noch immer mehrheitlich männliche Monokulturen. Und wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im letzten Jahr, wird es bis zum Jahr 2038 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt sind.“

Gesetzlicher Rahmen

Möglicherweise hat die im vergangenen Jahr eingeführte gesetzliche Regelung zu dem leichten Anstieg des Frauenanteils beigetragen. Das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst" war im Mai 2015 erlassen worden und sieht vor, dass etwa 3.500 börsennotierte oder mitbestimmte Unternehmen den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und den beiden obersten Führungsebenen festlegen.

Dabei besteht keine Mindestvorgabe zur Höhe der Zielgröße, aber ein Verschlechterungsverbot, sofern die aktuelle Quote unter 30 Prozent liegt. Zudem verlangt das Gesetz von 101 börsennotierten, voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen, dass bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sichergestellt wird, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Wird dieser Anteil nicht erreicht, bleiben die Stühle unbesetzt. Hier zeigt das Gesetz bereits Wirkung: Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten stieg zuletzt deutlich.

„Der unmittelbare und deutliche Anstieg des Frauenanteils in Aufsichtsräten zeigt: Es geht, wenn man wirklich will“, stellt Grohnert fest. Die Befürchtung, es stünden in so kurzer Zeit nicht genügend geeignete Frauen zur Verfügung, habe sich damit als unzutreffend erwiesen.

Mut von Unternehmen ist gefordert

„Was für Aufsichtsräte gilt, das gilt auch für Vorstände: Es gibt genügend Frauen, die das können. Es kommt jetzt darauf an, dass die Unternehmen den nächsten logischen Schritt selbst gehen. Denn wenn die Quote bei der Besetzung von Aufsichtsräten wirkt, sich in den Vorständen aber weiterhin so wenig tut, dann dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis wir auch dafür eine gesetzliche Quote bekommen“.

Grohnert ist jedoch zuversichtlich: „Die Quote hat einen Mechanismus ausgelöst, dem sich langfristig kein Unternehmen entziehen kann. Die Unternehmen arbeiten gerade an der systematischen Frauenförderung bis zur Ebene der Neueinstellungen. Denn um für Frauen in Führungspositionen auch eine Auswahlmöglichkeit haben zu wollen, ist das ein wesentliches Instrument. Etliche sind auch guten Willens. Nun ist es Zeit, vom Wollen und Können auch zum Machen überzugehen.“

Für die Zukunft wünscht sich Grohnert deshalb auch mehr Mut bei den Unternehmen, den entscheidenden letzten Schritt zu gehen, und mehr Frauen Verantwortung zu übertragen.

 
Quelle: UD/cp

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