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Mittwoch, 20.September 2017

02.06.2016

Wer seiner Zeit voraus ist, macht sie zu Geld

Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet, über den eigenen Tellerrand zu blicken, sagt Stefan Löbbert. Er leitet seit über 15 Jahren die CSR-Abteilung bei der HypoVereinsbank und hat die Münchner zu einem Vorreiter in diesem Bereich geformt.

Die HVB gehört zu den Vorreitern in Sachen Transparenz. Ab 2017 müssen alle kapitalmarktorientierten Unternehmen, Banken und Versicherungen ab 500 Mitarbeitern per EU-Richtlinie zu nichtfinanziellen Aspekten berichten. Was könnten sie von Ihnen lernen?

Stefan Löbbert: Dass Reporting nur ein, wenn auch wichtiger Teil der Kommunikation zu Nachhaltigkeit ist. Wenn Sie Verständnis und Vertrauen aufbauen wollen, müssen Sie für jede relevante Stakeholder-Gruppe ausloten, welche spezifischen Informationsbedürfnisse diese hat und wie Sie damit am besten umgehen. So haben wir in den vergangenen Jahren die differenzierte Ansprache der diversen Zielgruppen ausgebaut: Mit einem anspruchsvollen Nachhaltigkeitsbericht gemäß den Standards der Global Reporting Initiative stellen wir Experten ergänzend zu den Informationen auf unserer Webseite ein umfassendes Dokument mit vielen Kennzahlen online bereit. Daneben veröffentlichen wir ein reich bebildertes Nachhaltigkeitsmagazin, das für die Kunden in unseren Filialen ausliegt und ihnen unter dem Motto „Mehr als Geld“ die Nachhaltigkeitsaktivitäten der HVB anschaulich nahebringt. Und schließlich haben wir 2013 als erste Geschäftsbank den Deutschen Nachhaltigkeitskodex umgesetzt, um unser Nachhaltigkeitscommitment im politischen Kontext zu beweisen. Nicht zu vergessen sind auch die vielen bilateralen Gespräche, die wir mit Stakeholdern führen, unser Dialog über Social Media, Veranstaltungen, an denen wir teilnehmen, und die Kommunikation nach innen.

Für Viele ist die HVB ein Vorbild. Wo holen Sie sich selbst Anregungen, um das Reporting kontinuierlich zu verbessern?

Löbbert: Natürlich schauen wir uns an, was die Wettbewerber machen. Aber lernen können wir eher von den Marken, die als „nachhaltig“ gelten. Wie sprechen diese ihre Stakeholder zum Thema Nachhaltigkeit an, wie schaffen sie es, dauerhaft Vertrauen aufzubauen? Das sind die Fragen, die uns bewegen. Und die Antworten finden wir nur, wenn wir über den Tellerrand hinausblicken. Dazu gehört auch, internationale und gesellschaftliche Entwicklungen zu beobachten wie beispielsweise die Erarbeitung der Sustainable Development Goals, die Diskussion um alternative Messgrößen zum Bruttosozialprodukt oder die aktuelle Postwachstumsdebatte. Denn als Bank sind Sie ein gesellschaftlicher Akteur und werden zum Umgang mit neuen Herausforderungen wie Klimaschutz und Menschenrechten befragt. Hier belastbare Aussagen zu liefern ist aber nichts, was Sie von anderen abschauen könnten. Besonders wichtig, sowohl für aktuelle wie für zukünftige Themen, sind die Gespräche mit den Stakeholdern selbst. Hier erfahren wir, was diese interessiert, zu welchen Themen sie von uns Konzepte und Aussagen erwarten. Und hier können wir umgekehrt auch unsere Perspektive einbringen und unrealistischen Erwartungen begegnen. Das ist ein Lernprozess für beide Seiten.

Der gelernte Bankkaufmann kam nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften 1995 als Trainee zur HypoVereinsbank. Seit 2011 ist Stefan Löbbert Leiter Corporate Sustainability der HypoVereinsbank, des deutschen Gesichts der Unicredit Group. Seine Arbeit hat Vorbildcharakter für die gesamte Bankengruppe Unicredit.
Der gelernte Bankkaufmann kam nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften 1995 als Trainee zur HypoVereinsbank. Seit 2011 ist Stefan Löbbert Leiter Corporate Sustainability der HypoVereinsbank, des deutschen Gesichts der Unicredit Group. Seine Arbeit hat Vorbildcharakter für die gesamte Bankengruppe Unicredit.

Das Reporting wendet sich in der Regel nicht vorrangig an den Endkunden, sondern an Intermediäre wie Analysten, Investoren, Journalisten und Verbände. Warum ist bei Nachhaltigkeitsthemen die Stakeholder-Einbindung so wichtig?

Löbbert: Inzwischen interessieren sich durchaus auch Endkunden für Nachhaltigkeitsaspekte. Aber Sie haben recht, Adressaten der Berichte sind vor allem Analysten, Verbandsvertreter und kritische NGOs. Ihre Sichtweise ist zentral, weil sie wiederum die Haltung von Dritten wie beispielsweise Endkunden prägt. Zugleich ist ihre Einbeziehung im Rahmen eines kontinuierlichen Stakeholder-Dialogs für uns ein zentrales Element des Reputationsmanagements. Denn die Einschätzungen von Analysten, Verbandsvertretern und NGOs stellen wichtige Frühwarnindikatoren dar. Das heißt, dass sie uns auf sensible oder neu aufkommende Themen hinweisen, die wir vielleicht noch nicht so auf dem Schirm haben.

Um die Perspektive der Endkunden noch mal aufzugreifen: Es ist eine der ganz großen Herausforderungen, deren wachsendem Interesse am Thema Nachhaltigkeit adäquat zu begegnen – mit Geschichten, mit Beteiligungsmöglichkeiten, im direkten Kontakt. Ein gutes Nachhaltigkeitsmanagement und ein solider Bericht sind dafür unverzichtbares Fundament.

Je fortgeschrittener ein Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit ist, desto klarer und knapper fällt der Bericht aus.

Derzeit geht der Trend hin zur Reduktion von Komplexität. Das klingt erst einmal gut. Aber wie sieht man das bei der HVB: Sie erstellen ja nicht nur eigene Reports, sondern bewerten als Bank auch die Berichte Ihrer Kreditkunden. Verliert man durch die Fokussierung wichtige Informationen?

Löbbert: Wir sind überzeugt, dass die Fokussierung auf das Wesentliche und die damit einhergehende Reduktion von Komplexität richtig sind. Denn es geht ja darum, einen Vergleich zu unterstützen, den Kunden oder Investoren bei der Wahl ihres Geschäftspartners vollziehen wollen oder müssen. Gleichwohl wird der Umfang eines guten Nachhaltigkeitsberichts beträchtlich bleiben. Denn im Interesse eines zukunftsorientierten Risikomanagements sind Angaben zu Compliance, Governance, Lieferkette, ökologischen und sozialen Aspekten zu machen. Das können Sie nicht auf zehn Seiten darstellen. Und dazu wollen wir auch bei den Kunden der Bank etwas lesen. Wenn Sie sich aber auf die wesentlichen Aspekte konzentrieren, die für den Vergleich wichtig sind, brauchen Sie ganz sicher keine 200 Seiten. Übrigens: Je fortgeschrittener ein Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit ist, desto klarer und knapper fällt erfahrungsgemäß auch der Bericht aus.

Welchen Stellenwert werden Nachhaltigkeitsthemen in zehn Jahren haben und wie wird das Reporting aussehen?

Löbbert: Der Stellenwert der Nachhaltigkeitsthemen wird auf jeden Fall nicht gesunken sein. Die Diskussion, wie wir weltweit eine decarbonisierte Wirtschafts- und Lebensweise hinbekommen, beginnt ja gerade erst richtig, aber mit aller Vehemenz. Denn angesichts des fortschreitenden Klimawandels haben wir nicht mehr allzu viel Zeit, diese Herausforderung zu meistern. Zugleich werden nicht zuletzt aus diesem Grund noch ein paar mehr Kennzahlen entwickelt worden sein, mit denen sich Nachhaltigkeitsleistungen messen, branchenübergreifend vergleichen und unternehmensindividuell steuern lassen – und darüber wird auch in den Geschäftsberichten zu lesen sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Im Original ist der Beitrag im UmweltDialog-Magazin "CSR-Reporting - Pflicht oder Chance?" erschienen.

 
Quelle: UmweltDialog

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