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Freitag, 22.September 2017
Evonik kombiniert Innovation und Nachhaltigkeit
Tenside kommen zum Beispiel in Shampoos und Duschgels zum Einsatz.

10.10.2016

Evonik kombiniert Innovation und Nachhaltigkeit

Innovationsmanagement zielt darauf, Ideen in wirtschaftlich erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Aufgrund schwindender Ressourcen müssen sich Innovationen dabei auch anhand ihrer nachhaltigen Eigenschaften messen lassen: „Mit unseren Segmenten Nutrition & Care sind wir in Märkten tätig, die durch Bevölkerungswachstum, Globalisierung, Gesundheits- und Nachhaltigkeitsbewusstsein geprägt sind. Wir orientieren uns an diesen Trends und bedienen mit unseren Aktivitäten viele Bedürfnisse des täglichen Lebens“, erklärt Klaus Engel, Vorstandvorsitzender von Evonik, die Innovationsleistungen der Essener. So produziert Evonik beispielsweise als erstes Unternehmen weltweit umweltfreundliche Tenside biotechnologisch in industriellen Mengen.

Tenside sind zentraler Bestandteil von Duschgels, Haarwasch- oder Reinigungsmitteln. Sie bewirken, dass Shampoos schäumen und sich Schmutz und Fett lösen. Damit sorgen sie täglich für Sauberkeit und Hygiene. Bislang werden Tenside fast ausschließlich synthetisch auf Basis von Erdölen und tropischen Ölen produziert. In der Natur kommen jedoch Mikroorganismen wie Hefen oder Bakterien vor, die Tenside natürlich herstellen. Die Bakterien können sich etwa mithilfe der Biotenside Zugang zu Öl als Nährstoff verschaffen: „Die biotechnologische Produktion von Tensiden kommt ohne Erdöl und tropische Öle aus. Wir benötigen lediglich Zucker und Rapsöl, um die Mikroorganismen zu ernähren“, erklärt Hans Henning Wenk, Forschungsleiter Biobased Materials bei Evonik Nutrition & Care. „Die Rohstoffbasis von Evonik wird dadurch erheblich erweitert.“

Die Biotenside des Spezialchemieunternehmens erfüllen alle Anforderungen, die an moderne Tenside gestellt werden. Sie reinigen gut, sind mild zur Haut und schneller vollständig biologisch abbaubar. Darüber hinaus sind sie schonend zu Wasserorganismen wie Algen oder Wasserflöhen. Konsumenten können bereits erste Haushaltsreiniger im Supermarkt kaufen, die die Biotenside enthalten. Diese basieren auf sogenannten Sophorolipiden, die in der Natur von einer Hefe hergestellt werden, die unter anderem im Honig von Hummeln vorkommt.

Schaum gewünscht, aber problematisch bei Produktion

Evonik plant des Weiteren, eine zusätzliche Klasse von Biotensiden, Rhamnolipide genannt, zu entwickeln und zu vermarkten. Sie zeichnen sich durch besonders gute Schaumeigenschaften aus und erschließen dadurch zusätzliche Anwendungsgebiete „Mehr noch als für die eigentliche Reinigungswirkung ist Schaum für die von Konsumenten empfundene Leistung von Wasch- und Körperpflegemitteln wichtig“, führt Wenk fort. „Beispielsweise in Schwellenländern, in denen noch viel von Hand gewaschen wird, die Hygieneanforderungen aber stetig steigen.“

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Biotenside sind der Wissenschaft seit Längerem bekannt. Allerdings wurden sie bislang nur in einigen Spezialanwendungen, etwa bei der Reinigung von mit Öl verschmutzten Stränden eingesetzt, weil der Produktionsprozess sehr anspruchsvoll ist: „Die Bildung von Schaum etwa ist für die Herstellung im Fermenter sehr problematisch, lässt sich aber nicht gänzlich verhindern“, so Wenk. Denn die Nährlösung mit den Organismen, die die Biotenside erzeugen, muss gerührt und mit großen Mengen Sauerstoff versorgt werden. Beides führt automatisch zu Schaumbildung: „Den Wissenschaftlern von Evonik ist es durch geschickte Prozessführung gelungen, die unerwünschte Schaumbildung im Fermenter zu verringern – und so die Produktion von Biotensiden in industriellen Mengen zu ermöglichen.“

Ohne Kundennähe keine Innovationen

Bis Evonik die Marktreife der umweltfreundlichen Biotenside erreichen konnte, mussten das Unternehmen und seine Mitarbeiter fünf Jahre lang bereichsübergreifend forschen. So waren an der Produktinnovation Wissenschaftler der Biotechnologie, Verfahrenstechnik und Grenzflächenchemie aus Deutschland, China und der Slowakei beteiligt: „Durch den steigenden Wohlstand haben weltweit immer mehr Menschen Zugang zu modernen Reinigungs- und Körperpflegemitteln. Biotenside bieten eine wachstumsstarke Ergänzung zu unseren konventionell hergestellten Produkten“, erklärt Wenk.

Die Entwicklung der Biotenside macht deutlich, worauf es bei gutem Innovationsmanagement ankommt: Neue Ideen sind für ein Unternehmen nur dann strategisch sinnvoll, wenn sie die jeweiligen Kundenbedürfnisse stillen. Insofern müssen Innovationsleistung und Kundennähe miteinander verbunden werden: „Entsprechend entfallen rund 90 Prozent unserer Anwendungen für Forschung & Entwicklung auf Aktivitäten innerhalb unserer Segmente. Dort arbeiten unsere Experten an Themen, die spezifisch auf unsere Kerntechnologien und -märkte ausgerichtet sind, und entwickeln neue Geschäfte“, sagt Engel. Die verbleibenden zehn Prozent würden in die strategische Forschung zum Aufbau neue Hochtechnologien außerhalb des bestehenden Portfolios fließen.

 
Quelle: UmweltDialog

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