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VW Südafrika

27.01.2015

Volkswagen Südafrika: Investition in Menschen zahlt sich aus

30 Jahre nach dem Ende der Apartheid sucht Südafrika im Alltag immer noch nach Chancengleichheit. Der Wirtschaft kommt bei der ökonomischen Teilhabe der schwarzen Bevölkerung eine besondere Verantwortung zu. Dabei setzt der Staat nicht auf Freiwilligkeit, sondern regelt dies per Gesetz. Das Beispiel Volkswagen Südafrika zeigt, wie man aus der Pflicht eine Stärke für Marke und Mitarbeiter machen kann.

Volkswagen produziert am Standort Südafrika bereits seit 1951. Damit bewiesen die Wolfsburger kurz nach dem zweiten Weltkrieg visionäre Weitsicht. Immerhin ist Südafrika einer der wenigen Märkte in Subsahara-Afrika, in dem auch in großer Stückzahl Neuwagen verkauft werden. In vielen Nachbarländern gibt es dagegen neben einer Nische für Luxusfahrzeuge für die Elite nur Bedarf an Gebrauchtwagen.

Volkswagen produziert am Standort Uitenhage bei Port Elizabeth mit 4.100 Mitarbeitern jährlich rund 550.000 Fahrrzeuge. Vor allem der für den lokalen Markt entwickelte Polo Vivo ist ein Verkaufsschlager und sichert dem Konzern einen stabilen Marktanteil von etwa 22,5 Prozent. Damit ist Volkswagen die mit Abstand am meisten verbreitete Automarke am Kap.

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Südafrikaner identifizieren sich mit Volkswagen

Wie kommt der Erfolg zustande? Natürlich überzeugen vor allem Produkte und Preise. Einen großen Anteil macht aber auch die Markenreputation aus und die ist seit Jahrzehnte hoch, weil sich Volkswagen schon lange am Standort sozial engagiert. So wurde etwa der Volkswagen Community Trust mit klarem Gemeinwohl-Auftrag bereits 1989, also noch während der Apartheidszeit, gegründet. Dieses langfristige Engagement prägt das Bild, das viele Südafrikaner von Volkswagen haben. Hier finden Leitbild und Markenbild zusammen: Den Namen „Volkswagen“ übersetzt man in Südafrika daher gerne als „People´s Company“ so Südafrikas scheidender VW-Chef David Powell im Gespräch mit UmweltDialog.

Nicht nur die sozialen, sondern auch die wirtschaftlichen Investitionen in den Standort sind erheblich: Zwischen 2007 und 2014 betrugen diese etwa sechs Milliarden Rand. Das entspricht rund 500 Mio. Euro, so Powel weiter. Zugleich wurde der Anteil an lokalen Zulieferern von 39 Prozent auf heute 72 Prozent erhöht. Das schafft zusätzliche Beschäftigung. Fast alle Zulieferer haben sich rund den Standort Uitenhage, in der sogenannten Nelson Mandela Bay, angesiedelt. Gerade diese Region gilt als strukturschwach. Die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 30 Prozent und ist die höchste in ganz Südafrika.

Volkswagen produziert am Standort Uitenhage bei Port Elizabeth mit 4.100 Mitarbeitern jährlich rund 550.000 Fahrrzeuge.
Volkswagen produziert am Standort Uitenhage bei Port Elizabeth mit 4.100 Mitarbeitern jährlich rund 550.000 Fahrrzeuge.

Staat setzt auf verpflichtendes Scorecard-Modell

Um Armut und Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung zu begegnen, führte Südafrika 2003 unter dem damaligen Präsidenten Thabo Mbeki verpflichtende Regeln für Gleichstellung und soziales Engagement ein: Das Black Economic Empowerment Act (BEE) regelt die bevorzugte Behandlung Schwarzer im Berufsalltag. Vorausgegangen waren in den 90er Jahren Versuche zur freiwilligen Selbstverpflichtung.

Der damalige Gewerkschaftsführer und heutige Vizepräsident des Landes, Cyril Ramaphosa, wurde dazu im Jahr 2000 von der regierenden ANC beauftragt, wirtschaftliche Regeln vorzustellen, welche die Stellung der schwarzen Bevölkerung gesetzlich verbessern sollen. Dazu gehören Umverteilung der Besitzverhältnisse, um mehr Schwarze zu Firmeneigentümern zu machen, verbesserter Zugang zu Finanzmärkten und Führungspositionen und die Bevorzugung „schwarzer Firmen“ beim Einkauf staatlicher Behörden.

Umgesetzt wird dieser Forderungskatalog mit Hilfe eines sogenannten Scorecard-Modells. Dieses bewertet ähnlich wie Schulnoten etwa die ethnische Zusammensetzung der Belegschaft und weitere Anstrengungen der Firmen. Das soziale Engagement im Sinne von Community Involvement bezeichnet man übrigens in Südafrika als „Corporate Social Investment“ (CSI). „Die meisten Punkte (20 Prozent) kann ein Unternehmen mit der Umverteilung der Eigentumsverhältnisse erzielen, die wenigsten (5 Prozent) gibt es für CSI“, erläutert Johannes Dieterich in Brandeins.

Gesetz fördert Benachteiligte, aber auch Korruption

In 2007 wurden die Regeln nochmals verschärft: Das Broad-Based Black Economic Empowerment Act (B-BBEE) betrifft alle Unternehmen mit mehr als 5 Mio. Rand Umsatz (ca. 370.000 Euro). Wie in kaum einem anderen Land der Welt werden diese Auflagen nicht nur vom Staat eingefordert, sondern auch mit massiven Sanktionen durchgesetzt. „Alle Unternehmen, die an öffentlichen Ausschreiben teilnehmen möchten, müssen entsprechende B-BBEE-Kriterien erfüllen und nachweisen“, informiert die deutsche Botschaft in Pretoria. Im Minensektor, der wohl wichtigsten Industrie Südafrikas, hängt sogar die Betriebslizenz an sich von diesem Nachweis ab.

Kritik an der Regelung mit dem Stotter-Akronym B-BBEE (ausgesprochen wird es „triple B-EE“) kommt nicht nur aus der Wirtschaft, sondern zunehmend auch von der oppositionellen „Democratic Alliance“ DA. „Der Regierung wird vorgeworfen, Einstellungen nach Qualifikation zu verhindern,“ klagt die deutsche Botschaft. Zudem häufen sich Korruptionsfälle bei der Ausstellung der begehrten Scorecards.

Unternehmen zeigen Profil mit Projektauswahl

Laut Gesetz müssen Unternehmen in Südafrika ein Prozent ihres Nettoerlöses nach Steuern in Gemeinwohlprojekte, sogenannte CSI-Projekte, investieren. Die Einhaltung dieser Auflage ist zunächst einmal nicht mehr als „legal compliance“. Da die Unternehmen die Projekte aber selbständig auswählen und individuell unterstützen können, wird daraus viel mehr als eine reine Steuerabgabe. Gerade das Beispiel Volkswagen zeigt, wie dadurch Verbundenheit zwischen Standort und Unternehmen gepflegt wird. Davon profitieren beide Seiten: Die bitterarme Region entwickelt sich und das Unternehmen wiederum sichert sich durch bessere Bildung bessere Arbeitskräfte. Nach Angaben von Nonkqubela Maliza, bei VW Südafrika verantwortlich für Corporate & Government Affairs, wurden bisher über 65 Mio. Rand in diese Projekte investiert. Zwei Bespiele aus dem Umland von Uitenhage zeigen das Spektrum des Engagements:

Die Ikhwezi Lomso Vorschule unterrichtet rund 100 Kinder aus ärmlichen Verhältnissen. 

Die Ikhwezi Lomso Vorschule

Die Ikhwezi Lomso Vorschule liegt mitten in einem Armenviertel. Aktuell werden hier rund 100 Kinder von fünf Erziehern unterrichtet. Die Förderung umfasst Lern- und Konzentrationsfähigkeiten sowie die Stärkung von Selbstbewusstsein und motorischen Fähigkeiten. Das Angebot richtet sich aktuell an Kinder im Alter von fünf Jahren, die ein Jahr vor dem regulären Schulbeginn aufgenommen werden. Ab 2016 soll das Alter auf drei Jahre gesenkt werden, um die Kinder über längere Zeit fördern zu können. 4,5 Mio. Rand investierte VW in den Bau der Vorschule. Viele Eltern können sich das Schulgeld von 900 Rand (ca. 65 €) nicht leisten. Hier springt dann der Volkswagen Community Trust ein. Außerdem arbeiten viele Arbeiter im VW-Werk eine Stunde im Jahr unendgeldlich um so für das Projekt zu spenden.

Das VW Business Support Center unterstützt junge Unternehmer auf dem Weg zur Selbständigkeit.

Wirtschaftsförderung. Das Business Support Center
Einen ganz anderen Weg geht das VW Business Support Center: Hier werden, vor allem schwarze, Selbständige und Existenzgründer betreut und gefördert. Das ist gerade deshalb wichtig, weil der Anteil an Selbständigen unter Schwarzen noch immer sehr niedrig ist. Projektpartner ist der renommierte afrikanische Business-Incubator Raizcorp. Jungunternehmer erhalten im Support Center neben dem Training ihrer fachlichen wie sozialen Kompetenzen auch praktische finanzielle Unterstützung in Form von Buchhaltung und Marketing. „Wir fördern nach dem Horse & Jockey-Prinzip“, erläutert Stephen Reid im Gespräch mit UmweltDialog. „Wir wollen den Jockey, also den Gründer fördern, weil wir überzeugt sind, dass gute Unternehmer sich überall durchsetzen – ob mit ihrer eigenen Geschäftsidee oder in anderen Firmen.“

 
Quelle: UD

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