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08.08.2008

Evonik: Neues Verfahren zur Säuberung von Ballastwasser

Um auf hoher See stabil im Wasser zu liegen, müssen Schiffe je nach Gewicht und Ladung Ballastwasser aufnehmen - und transportieren damit ungewollt viele Organismen in fremde Ökosysteme. Die eingeschleppten Krebse, Quallen und Algen verursachen dabei oft Kosten in Millionenhöhe. Der Industriekonzern Evonik hat nun in Kooperation mit dem Anlagenbauer Hartmann AG ein Verfahren auf den Markt gebracht, welches die ungewollte Aufnahme fremder Organismen ins Ballastwasser effektiv und umweltschonend unterbindet.

Mit der Globalisierung hat die Vernetzung der Handelsströme ein historisch einzigartiges Niveau erreicht. Zum Beispiel in der Seefahrt: Immer mehr und immer größere Schiffe transportieren Millionen Tonnen Güter über die Weltmeere. Dabei nehmen die Frachter regelmäßig große Mengen Ballastwasser an Bord, um tiefer in der See zu liegen und das Schiff auf diese Weise zu stabilisieren . Im Zielhafen wird das Wasser dann einfach wieder abgelassen. Bis zu 100.000 Tonnen Meerwasser nehmen moderne Ozeanriesen mit auf ihre Reise, und damit auch viele „blinde Passagiere“ wie Algen, Plankton oder Krabben.
 
Lange Zeit wurde die Gefahr, die von den eingeschleppten Meeresbewohnern ausgeht, unterschätzt. Dabei gehört das Problem der „blinden Passagiere“ nach Auffassung von Experten zu den Top-Themen im Umweltschutz. Ein gutes Beispiel dafür, welche Auswirkungen ein fremder Organismen auf ein ganzes Ökosystem haben kann, ist die chinesische Wollhandkrabbe. Das bis zu acht Zentimeter große Krustentier verdrängt nicht nur einheimische Artverwandte, es gräbt zudem Gänge in Deiche und andere Befestigungsanlagen und ist so für Erosionsschäden an den Ufern verantwortlich. Die wirtschaftlichen Folgen sind immens: „Die chinesische Wollhandkrabbe hat in deutschen Gewässern bereits rund 80 Millionen Euro Kosten verursacht", sagt Diplombiologe Stefan Nehring vom Gutachterbüro AeT Umweltplanung in einem Interview mit der TAZ.
 
Der Industriekonzern Evonik hat in Zusammenarbeit mit dem Wassertechnikunternehmen Hamann AG nun ein Verfahren auf den Markt gebracht, welches die Aufnahme von Organismen ins Ballastwasser wirkungsvoll unterbindet. Der große Vorteil der neuen Methode: Sie ist sowohl höchst effektiv als auch umweltschonend. Bereits bei der Aufnahme in die Tanks wird das Wasser mit dem von der Firma Hamann entwickelten SEDNA System (Save Effective Deactivation of Non-Indigenous Aliens) in mehreren Schritten behandelt. Zunächst kommen so genannte Hydrozyklone zum Einsatz, metallene Trichteranlagen, die festes Material durch Zentrifugalkräfte aus dem Wasser schleusen. Sie trennen die großen Spezies ab und hindern Sedimente, an denen häufig noch Lebewesen haften, daran, in die Tanks zu gelangen. Ein nachgeschalteter Filter entfernt zudem alle verbliebenen Teilchen, die über 50 Mikrometer, sprich über 50 Millionstel Meter groß sind. „Dieser zweistufige physikalische Prozess garantiert, dass unterschiedliche Feststoffgehalte im Wasser genauso wie eine große Bandbreite an Lebewesen effektiv abgetrennt werden“, erklärt Dr. Matthias Voigt, bei Hamann als Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung zuständig.

Biologisch abbaubar

Danach wird das bereits gereinigte Wasser chlorfrei desinfiziert. Dabei kommt die von Evonik entwickelte Chemikalie Peraclean Ocean, eine Verbindung von Peressigsäure und Wasserstoffperoxid, zum Einsatz. Die Chemikalie tötet die verbliebenen Bakterien und andere Mikroorganismen ab und zerfällt kurz nach der Anwendung in ihre natürlich abbaubaren Bestandteile Essigsäure, Sauerstoff und Wasser. Ein weiterer Vorteil von Peraclean Ocean ist, dass die Verbindung sehr sparsam im Verbrauch ist. „Unser Produkt weist schon bei sehr niedrigen Konzentrationen von 50 bis 100 ppm exzellente Biozid- und Fungizideigenschaften auf und ist zudem in einem weiten Temperatur- und pH-Bereich stabil“, erläutert Bernd Hopf, Projektingenieur in der Anwendungstechnik Active Oxygens bei Evonik. Das Kürzel ppm steht für „parts per million” und damit für sehr kleine Konzentrationen. In der Praxis werden für 1.000 Tonnen Ballastwasser voraussichtlich nur 150 Liter Peraclean Ocean benötigt. Die Verbindung ist sowohl in Salz- als auch in Süß- und Brackwasser einsetzbar.
 
Die Wirksamkeit des Systems wurde inzwischen anhand von Labor- und Feldversuchen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurden, nachgewiesen. Dabei wurde das komplette Verfahren im vollautomatischen Dauerbetrieb an Land und auf einem Testschiff erfolgreich erprobt. Unabhängig von Anzahl und Art der Organismen entsprach das Ballastwasser bereits nach nur 24-stündiger Behandlung im Tank den Anforderungen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), welche Peraclean Ocean bereits im April 2008 das ‚Final Approval’ erteilt hatte. Mit der nun erfolgten Zulassung durch das für Deutschland zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH, Hamburg) wurde jetzt auch die letzte Hürde zur Markteinführung des neuen Verfahrens genommen.
 
Quelle: UD

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