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26.07.2006

Pulp & Papers: Linde unterstützt umweltfreundliche Papierproduktion

Fortschritte im Umweltschutz erreicht man nicht nur durch große Erfindungen oder Durchbrüche bei der Grundlagenforschung, sondern oft dank gezielter Verbesserungen von bekannten Prozessen, meint Aldo Belloni, Mitglied des Linde Vorstandes. In der aktuellen Ausgabe des Magazins „Linde Technology“ zeigt sich dies eindrucksvoll am Beispiel der Papier- und Zellstoffproduktion. Der Einsatz von Gasen ist hier nicht nur umweltfreundlich, sondern auch deutlich kostengünstiger.

Um 105 n. Chr. vermengte der findige kaiserlich-chinesische Hofbeamte Ts´ai Lu Seidenabfälle, Lumpen, Bambusgras und Fasern des Maulbeerbaumes mit reichlich Wasser. Das Ergebnis sollte die Menschheitsgeschichte wie kaum eine andere Erfindung verändern: Ts´ai Lu hatte nämlich Papier hergestellt. Der Kaiser war begeistert und beschenkte den Hofbeamten mit einem Adelstitel und großem Wohlstand, so wird erzählt. Ob Ts´ai Lu tatsächlich das Papier erfunden hat, ist heute allerdings umstritten. Vermutlich ist die Entdeckung deutlich älter. Unbestritten ist jedoch die Bedeutung von Papier: Es ist eine der tragenden Säulen unserer Zivilisation. Ohne Papier gäbe es in der heutigen Form weder Wissenschaften noch Nationalstaaten, weder Literatur noch Kunst, ja vermutlich nicht einmal die großen Religionen.

Papier ist trotz vieler technischer Innovationen aus dem Alltag nicht wegzudenken: Jeder Bundesbürger verbraucht im Schnitt pro Jahr weit über 250 Kg. Der weltweite Papierverbrauch stieg laut einem Artikel im Magazin „Linde Technology“ von 170 Mio. Tonnen in 1980 auf 310 Mio. Tonnen im Jahr 2000. Für das Jahr 2015 rechnen Marktforscher gar mit einem Verbrauch von 450 Mio. Tonnen, wobei hier vor allem die boomenden Wachstumsmärkte Asiens für entsprechende Nachfrage sorgen.
 
Umweltbelastungen bei der Zellstoffherstellung
 
Da der Papierverbrauch steigt, muss die Produktion entschieden umweltfreundlicher werden. Denn Papier und Zellstoffproduktion sind bekannt als Industrien mit enorm hohen Umweltauswirkungen. Neben der Abholzung der Wälder werden enorme Mengen Energie zur Herstellung verwand, und die entstehenden Abwassermengen sind beachtlich sowie hochgradig belastet. Für eine Tonne Papier werden fast 800 Kilowattstunden Energie sowie 30 Kubikmeter Wasser benötigt, rechnet Bernd Müller in seinem Artikel vor. NGO´s kalkulieren sogar noch schärfer: Demnach können zur Papierherstellung pro Tonne gar bis zu einer Million Liter Wasser verbraucht werden. Wasser wird vor allem zur Trennung von Lignin und Zellulose benötigt, und nur letzteres wird zur Papierherstellung gebraucht. Traditionell verwenden viele Zellstoff-Hersteller weltweit das sogenannte Sulfatverfahren, bei dem giftige Schwefelverbindungen freigesetzt werden. Ein weiterer umweltbelastender Aspekt ist der Bleichprozess, bei dem noch immer allzu oft Chlorverbindungen zum Einsatz kommen.

Fazit: In kaum einer Branche sind ökologische Verbesserungen dringender notwendig. Wenn dann auch noch wirtschaftliche Vorteile hinzukommen, dann sind aus Sicht einer Nachhaltigkeitsstrategie fast alle Zielkoordinaten berücksichtigt. Dass das geht, zeigen viele Verbesserungen der letzten Jahre, an denen die Linde AG maßgeblich beteiligt ist: Was ist in der Zellstoff- und Papierproduktion passiert? In den meisten europäischen und nordamerikanischen und zunehmend auch den asiatischen Papierfabriken sind heute Wasserkreisläufe in den Werken eingerichtet, so dass das Frischwasser zurückgewonnen und erneut genutzt werden kann.
 
Durch die Nutzung von Sauerstoff, Ozon und Kohlendioxid werden zudem viele Prozesse in der Herstellung nicht nur effizienter, sondern auch umweltverträglicher, denn die Gase ersetzen den bisherigen Einsatz von giftigen Chemikalien. „Wir bieten unseren Kunden Know-How und patentierte Lösungen, übernehmen Überwachung und Betrieb der Gasanlagen und sorgen für die Schulung der Mitarbeiter,“ erläutert Peter Hardmeier, Verantwortlicher für Market Development Pulp & Paper bei Linde. Schon vor mehr als zehn Jahren hatten die Linde-Experten diese Umweltoptimierungen und damit verbundene gesetzliche Auflagen in der Papierindustrie vorausgesehen und vermarkten seitdem ihre Gase in diesem Industriesegment konsequent.

Neuer Trend: Ozon

Wichtigtestes Gas ist dabei Sauerstoff: Es wird etwa bei der Bleichung von Zellstoff eingesetzt und hat damit Chlor hierzulande verdrängt. Als Verbraucher sieht man dies durch den Informationshinweis „Chlorfrei hergestellt“. Neuerdings gewinnt auch Ozon für diesen Prozess immer mehr an Bedeutung. Ozon (O3) ist bekannt als ein gefährliches, atemwegs-reizendes Gas, allerdings zerfällt es in der Papierherstellung wieder zu normalem zweiatomigem Sauerstoff und ist als solcher dann harmlos. Standen lange Zeit solche Umweltaspekte im Vordergrund, so haben die Papierproduzenten heute längst auch wirtschaftliche Vorzüge erkannt: Der entstehende oder zum Einsatz gebrachte Sauerstoff etwa  sorgt in den Klärwerken zusätzlich dafür, dass die Abwässer besser durch Bakterien gereinigt werden können, denn die brauchen zum Leben Sauerstoff, welcher bisher kostspielig hinzugeführt werden musste.
 
Eine weitere Verbesserung gelang dem Wiesbadener Gasekonzern beim Bleichungsprozess: Hintergrund ist hier der wachsende Kundenwunsch nach strahlend weißem Papier. Das bedeutet bei der Herstellung einen stärkeren Einsatz von Bleichmitteln, die genau dosiert sein müssen. Zum eine schädigt nämlich zu viel Bleiche das Papier selbst, und darüber hinaus ist natürlich das Abwasser durch die Chemikalien belastet. „Die kritischste Größe ist dabei der ph-Wert“, erläutert Bernd Müller. Linde bietet dazu jetzt eine pfiffige Lösung an: Die Gaseexperten kombinieren in einem eigens entwickelten Kohlendioxid-Reaktor die Laugen mit Backpulver und können so den ph-Wert exakt steuern. Und das kommt auch der Natur zu Gute.  
 
Quelle: UD

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