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04.01.2005

Rein in den Container - Volkswagen entdeckt die Wasserstraße

Fährst du noch oder schwimmst Du schon? Am Anfang stand der Plan eines großen schwedischen Möbelkonzerns, der Umwelt zuliebe Container per Binnenschiff ins südöstliche Niedersachsen zu transportieren. Das war ein Volltreffer. Von dem Erfolg ließ sich auch Volkswagen überzeugen und hat einen Teil seines Containertransports erstmalig über den Braunschweiger Hafen abgewickelt.

Die Entscheidung fiel, als innerhalb kurzer Zeit 5.000 Modelle des Golf IV nach China verkauft werden sollten. Außerdem mussten die Autos vor ihrer Reise nach China wegen der dort herrschenden Zollbestimmungen zerlegt werden. Also kamen nur Container in Frage. So wurden jeden Tag 300 bis 400 Auto-Bausätze von Wolfsburg nach Braunschweig gebracht und von da aus in 30 Stunden nach Hamburg verschifft.

Die Abwicklung hat so reibungslos funktioniert, dass sich die Volkswagen Transport GmbH im Juni dieses Jahres entschlossen hat, nahezu alle Teile, die über Hamburg exportiert werden, über den Braunschweiger Hafen zu befördern. Damit werden rund 150 Straßentransporte wöchentlich vermieden. Das heißt: kein Gedränge mehr auf den Autobahnen, keine Staus und keine langen Wartezeiten mehr am Hamburger Hafen. Im Juli hat Volkswagen bereits sein komplettes Volumen an Teilecontainern über Braunschweig nach Hamburg verschifft. Fertige Fahrzeuge werden allerdings nach wie vor auf Waggons der Bahn verladen, nach Emden transportiert und von da aus nach Übersee befördert.

Schiffstransport schont Umwelt und Kosten

Aber Volkswagen exportiert ja nicht nur, sondern bezieht auch Bauteile und Zubehör. Ein Teil dieser Importsendungen wurde ursprünglich in den Bremischen Häfen zwischengelagert. „Da haben wir den Verantwortlichen vom Braunschweiger Volkswagenwerk angeboten, diese Sachen doch besser hierher zu holen und auch hier zu lagern“, berichtet Fred Kedenburg, Geschäftsführer der Braunschweiger Hafenbetriebsgesellschaft. Das Werk stimmte zu, denn die Abwicklung über den Braunschweiger Hafen ist nicht nur günstiger, sondern auch viel praktischer, weil die Güter bei Bedarf sofort zur Verfügung stehen. Und die geleerten Container können direkt ins Wolfsburger Werk gebracht und dort wieder für den Export genutzt werden.

Mit dem Umstieg vom Lkw aufs Binnenschiff leistet Volkswagen nicht nur einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz, sondern spart auch jede Menge Transportkosten. Ein rundum lohnendes Geschäft - nicht zuletzt auch im Hinblick auf die bevorstehende Autobahnmaut, die ab Januar 2005 mit 15 Cent pro Kilometer zu Buche schlagen wird. Mittlerweile machen die Verladungen für Volkswagen rund ein Drittel des gesamten Containerverkehrs im Braunschweiger Hafen aus.
Die Prognosen wurden weit übertroffen

Jetzt soll der Hafen erweitert werden, denn mit steigendem Volumen wird auch mehr Lagerfläche benötigt. Ein Verkehrsgutachten aus dem Jahr 2001 - Grundlage für die erste Baumaßnahme - prognostizierte, dass im Braunschweiger Hafen im Jahr 2010 etwa 12.000 bis 15.000 Containereinheiten verladen werden könnten. „Als wir 2001 anfingen, haben wir 7.000 Einheiten verschifft. Im Jahr 2002 waren es schon 14.000 Container und ein Jahr später bereits 25.000 - also weit mehr als das, was uns der Gutachter damals gesagt hat“, berichtet Kedenburg nicht ohne Stolz. 35.000 Einheiten sollen es in diesem Jahr werden. Damit würde die Anlage allerdings aus allen Nähten platzen.

Das war einmal ganz anders. In den neunziger Jahren war es um den Braunschweiger Hafen still geworden. Im Zuge des Mauerfalls und der geöffneten Grenze waren viele Kunden abgewandert, weil sich einige der ursprünglichen Funktionen des Hafenbetriebs verlagert hatten. Daher sind auf dem Hafengelände entsprechend große Flächen frei geworden. In dieser Zeit kam Kedenburg aus Bremerhaven, um die Geschäftsführung der Braunschweiger Hafenbetriebsgesellschaft zu übernehmen. „Ich habe den Gedanken mitgebracht, dass es doch funktionieren müsse, Container auf den Binnenschifffahrtswegen von Braunschweig aus zu den Seehäfen zu transportieren“, berichtet er. Einst wurden im Braunschweiger Hafen nur Güter umgeschlagen, die sich mit Greifern oder anderen Geräten auf Frachtschiffe laden ließen, wie zum Beispiel Kohle, Schrott oder Getreide. Und jetzt Container. Die waren auf dem Mittellandkanal früher die Ausnahme.

Doppelte Größe bis März 2005

Bis die Pläne in die Tat umgesetzt werden konnten und auch Volkswagen mit an Bord ging, dauerte es noch einige Zeit, denn einige Faktoren sprachen zunächst nicht unbedingt dafür: Brückendurchfahrtshöhen von nur fünf Metern, maximaler Tiefgang bei 2,80 Meter sowie beschränkte Breite und Länge der Schiffe wegen der Schleusenausmaße sprachen erst einmal gegen einen reibungslosen Containertransport auf dem Mittellandkanal. Hinzu kam dann auch noch die Frage, ob es sich überhaupt rentieren würde. „Wir haben angefangen zu rechnen und 1999 haben wir gesagt, wir versuchen es jetzt einfach und starten einen regelmäßigen Betrieb von Braunschweig nach Hamburg“, erzählt der Geschäftsführer. Das Ergebnis: Ein Jahr später waren die ersten Container von Braunschweig nach Hamburg unterwegs, im Jahr 2001 wurde der Hafen dann entsprechend um- und ausgebaut. Für den Linienverkehr werden in Kooperation mit der Deutschen Binnenreederei so genannte Schubschiffe eingesetzt, die mit 48 Containern je 15 Tonnen beladen werden können.

Im Oktober folgt die nächste Ausbaustufe, damit schon im Dezember die ersten neuen Flächen zur Verfügung stehen. Insgesamt soll die Anlage für 4,5 Millionen Euro bis März auf die doppelte Größe wachsen. Mittlerweile kann der Hafenbetrieb rund um die Uhr laufen: Die Deutsche Binnenreederei verfügt über genügend Schiffe und das Zweischichten-System kann auch noch um eine dritte Schicht ergänzt werden. Auch eine Überlastung des Mittellandkanals ist nicht zu befürchten. Auf Wunsch der Braunschweiger Hafenbetriebsgesellschaft wurden sogar die Schleusenzeiten verlängert, so dass die Schiffe nach Absprache bis 24 Uhr passieren können.
 
Quelle: UD

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