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Kaffee aus der Kapsel – ein umweltverträglicher Trend? zoom

06.05.2016

Kaffee aus der Kapsel – ein umweltverträglicher Trend?

Verpackungen haben viele nützliche Funktionen: Sie bewahren Lebensmittel vor Umwelteinflüssen wie Luft, Licht und Feuchtigkeit und tragen so zu einer längeren Haltbarkeit und zum Aromaschutz bei. Verpackungen belasten aber auch die Umwelt, sofern sie nicht sachgerecht entsorgt werden. Was können Unternehmen und Verbraucher tun, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu mindern? UmweltDialog ging dieser Frage am Beispiel der Nespresso-Kaffeekapsel nach.

Ob Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato: Kaffee ist laut Deutschem grünen Kreuz e.V. mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 160 Litern das Lieblingsgetränk der Deutschen. Die meisten Erwachsenen genießen demnach täglich mindestens eine Tasse. Die beliebteste Zubereitungsart ist dabei nach wie vor der klassische Filterkaffee. Aber auch Kaffeekapseln werden immer populärer. Ihr Anteil am Gesamtröstkaffeemarkt beträgt Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes zufolge knapp fünf Prozent – Tendenz steigend.

Einzelportionen im Kommen

Ein Grund dafür sei, so der Kaffeeverband, die schnelle und bequeme Zubereitung bei gleichbleibender Qualität je Tasse Kaffee. Zudem habe die gestiegene Zahl der Single-Haushalte in Deutschland zu einem veränderten Konsumverhalten geführt. So griffen immer mehr Verbraucher zu Lebensmitteln in kleineren Portionseinheiten. Lebensmittelhersteller begegnen dieser Entwicklung mit einer großen Auswahl unterschiedlicher Verpackungsgrößen, etwa für Joghurt, Brotaufstriche oder eben Kaffee. So soll dazu beigetragen werden, dass weniger Lebensmittel verderben und weggeworfen werden.

Kaffeekapseln als "ökologischer Irrweg"?

Das klingt alles nachhaltig und vernünftig. Wie aber steht es um die ökologische Belastung durch die Abfälle aus Verpackungen wie z.B. den Kaffeekapseln? Nach Angaben von Stiftung Warentest entstehen bei einem Verbrauch von drei Milliarden Kaffeekapseln im Jahr rund 5.000 Tonnen Abfall. Vor diesem Hintergrund bezeichnet der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Peter Meiwald, den Kaffee aus der Kapsel als "ökologischen Irrweg" und stellt die Einführung eines Pfandsystems oder einer Umweltabgabe zur Debatte, womit er auf ein breites Medienecho stößt.

Der Deutsche Kaffeeverband reagiert darauf mit einer Stellungnahme. Darin heißt es, die Forderung nach Einführung eines Pfand- oder Rücknahmesystems für Kaffeekapseln berücksichtige nicht, dass es mit dem Dualen System bereits ein funktionierendes Rücknahmesystem mit angeschlossener Sortierung und anschließendem Recycling gebe. So könnten Verbraucher schon jetzt viele Kaffeekapseln dem Gelben Sack bzw. der Gelben Tonne und damit dem Recyclingsystem zuführen.

Ein Beispiel dafür sind die Kaffeekapseln des Lebensmittelherstellers Nestlé Deutschland. Das Unternehmen zählt mit seinen Nespresso-Kapseln zu den Pionieren auf dem Markt des einzeln portionierten Kaffees und beteiligt sich bereits seit 1993 freiwillig am dualen System über die Duales System Deutschland GmbH. Verbraucher können die aus Aluminium bestehenden Primärverpackungen für das Nespresso Kaffeesortiment nach Gebrauch also über den gelben Sack bzw. die Gelbe Tonne entsorgen.

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Der Recyclingprozess

Einmal entsorgt, werden die Alu-Verpackungen gemeinsam mit anderen Materialien in Sortieranlagen gebracht und können anschließend unendlich oft ohne Qualitätseinbußen weiterverarbeitet werden. Während des Sortierungsvorgangs sondert ein sogenannter Wirbelstromscheider die Alu-Kapseln ebenso wie Alu-Folien oder -Dosen aus. Hierbei erzeugen rotierende Magnete einen Wirbelstrom im Aluminium, das so vom Band abgestoßen und über eine Trennwand geworfen wird. Danach werden die Teile zu Wertstoffballen gepresst. Unter Nutzung der Energie, die unter anderem das Kaffeepulver aus den gebrauchten Nespresso-Kapseln liefert, werden dann Lebensmittelreste, Lacke und Etiketten in einem Pyrolyserohr verschwelt. Das Ergebnis ist fast 100 Prozent reines Aluminium, das nun eingeschmolzen werden kann. Der Vorteil gegenüber der Neuproduktion von Aluminium besteht im erheblich geringeren Energieverbrauch bei annähernd gleichbleibender Qualität.

Was aber sagen die Kritiker dazu? Nicht alle Verbraucher entsorgen die Alu-Döschen im Gelben Sack bzw. der gelben Tonne. Landen die gebrauchten Kapseln im Restmüll, werden sie der thermischen Verwertung zugeführt, anstatt recycelt zu werden. Daher empfehlen Umweltverbände grundsätzlich Verpackungen zu vermeiden und stellen insbesondere Einzelportionskapseln in Frage, unabhängig davon, ob sie aus Aluminium, verschiedenen Kunststoffkomponenten oder aus biologisch abbaubarem Kunststoff bestehen. Dass Letztere im Vergleich zu Alu- oder Kunststoffkapseln nicht besser abschneiden, bestätigt auch Rolf Buschmann, Referent für technischen Umweltschutz beim BUND, gegenüber dem Magazin Öko-Test. Das Kompostieren funktioniere nicht, da die Kaffeekapseln in den Anlagen als Störfaktor aussortiert und im Restmüll landen würden. In einer Untersuchung der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) aus dem Jahr 2011 schnitten Aluminiumkapseln, sofern sie rezykliert werden, sogar am besten ab.

Hinzu kommt, dass für die Nespresso-Kaffeekapseln ebenso wie für andere Lebensmittelverpackungen frisches Aluminium mit einem hohen Reinheitsgrad verwendet wird, was das Recycling erleichtert. Dazu gebe es derzeit keine Alternative, erklärt Dr. Jochen Hertlein, Leiter Verpackungstechnik bei Nestlé Deutschland. Umso wichtiger sei es, dass alle Verpackungen am Ende nicht als reiner Müll die Umwelt belasteten, sondern als Rohstoffquelle betrachtet und wiederverwertet würden. "Ein bewusster Umgang", so der Experte, "ist eine Voraussetzung für eine umweltschonende Weiterverarbeitung. Aber Verbraucher sind zunehmend sensibel bei der Mülltrennung." So hielten Dreiviertel aller Deutschen Mülltrennung für wichtig und wünschten sich höhere Recyclingraten. "Das sorgt nicht nur für eine kostengünstige Rohstoffversorgung der Wirtschaft, sondern entlastet auch Umwelt und Klima." Zudem würden die Recyclingsysteme mit Blick auf die Wiederverwertung von Verpackungsabfall immer effektiver.

Nachhaltigkeit bei Nestlé

Im Rahmen ihres ökologischen Nachhaltigkeitsengagements arbeitet Nestlé Deutschland daran, ihre Verpackungen mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus immer umweltfreundlicher zu gestalten – das gilt nicht nur für die Nespresso-Kapseln. Allein im Jahr 2015 konnte das Unternehmen 58.284 Tonnen Verpackungsmaterial einsparen, von 2015 bis 2017 sollen es insgesamt 100.000 Tonnen sein.

Ebenso wichtig ist es, so Verpackungstechnik-Leiter Hertlein, bereits "bei der Materialauswahl Aspekte, die für Sortierbarkeit und das Recycling wichtig sind, zu beachten." Dafür biete das Unternehmen seinen Verpackungsexperten spezielle Trainings zum Thema Ökodesign an, die gemeinsam mit der DSD GmbH ausgerichtet werden. Beim Relaunch oder bei einer Neuentwicklung könne man den größten Hebel ansetzen, um die Verpackungen ökologisch sinnvoll zu gestalten. "In dieser Phase sind die Kosten noch gering für eine Änderung in der Verpackung. Das ist genau der Punkt, wo wir eingreifen wollen und nicht erst dann, wenn eine Verpackung bereits konstruiert ist und jede Änderung mit erheblichen Kosten und Zeitverzögerungen verbunden wäre", erläutert Hertlein weiter.

Nestlé Deutschland will sich auf ihren Erfolgen jedoch nicht ausruhen, sondern sieht nicht nur beim Recycling noch Optimierungspotenzial. So forscht das Unternehmen etwa an einer neuen Generation von Verpackungen aus biobasierten Kunststoffen. Langfristiges Ziel ist es, mit biobasierten Materialien bessere oder gleiche Eigenschaften zu erreichen wie mit derzeit verwendeten Verpackungen.

Einen Testbericht von utopia.de zu widerbefüllbaren Kaffeekapseln lesen Sie hier.

 
Quelle: UmweltDialog

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