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Mittwoch, 20.September 2017

30.11.2016

Produktion und Recycling: Wenn der Kreis sich schließt

Circular Economy bedeutet: Statt auf der Deponie zu landen, werden alte Materialien gesammelt, recycelt und wieder in die Produktionsstätten zurückgeführt. So entsteht ein geschlossenes Kreislaufsystem, bei dem allen alten Materialien ein zweites Leben in neuen Produkten geschenkt wird. Der Teppichhersteller Interface zeigt, wie aus der Vision eine vollständig nachhaltige Unternehmenspraxis wird.

Unternehmensgründer Ray Anderson hatte schon früh die Vision, Interface zum ersten vollständig nachhaltigen Unternehmen zu formen. Bereits 1994 formulierte er in Form der Mission Zero das Interface-Versprechen, bis 2020 einen positiven ökologischen Fußabdruck zu haben. Dieses Versprechen wurde anschließend als 7-Punkte-Plan auf den Weg gebracht. Darin wurde das Ziel formuliert, ausschließlich recycelte oder biobasierte Rohstoffe in der Produktion zu verwenden. Unter anderem schließt der Plan auch den Standortumbau und Abfallvermeidung ein.

Den größten Einfluss auf die Umwelt hat der Materialeinsatz. Daher setzt man bei Interface auf die Circular Economy, also die Kreislaufwirtschaft, bei der idealerweise nur vorhandenes Material für die neuen Produkte eingesetzt wird. Besonders lohnenswert ist das, wenn die primären Rohstoffe selten, teuer oder umweltbelastend sind. Für Interface war es daher nur konsequent, zunächst nach einer Alternative für das Rohöl zu suchen, um die strapazierfähigen Polyamid- und Nylonfasern herzustellen.

Vom Fischernetz zur Teppichfaser

Früher gab es keine Recycling-Methode für Nylon, aus dem das Garnfluff der Teppichfasern besteht. Inzwischen gelingt es, die widerstandsfähigen Fäden bis zu sieben Mal zu recyceln. Einer der wichtigsten Rohstoff dafür: alte Fischernetze. Um an den Wertstoff zu kommen und so eine alternative Wertschöpfung zur Einweg-Produktion zu gestalten, hat Interface mit Net-Works ein eigenes Social Inclusive Business dafür gegründet. Das Projekt wurde mit weiteren Partnern wie Aquafil und ZSL am philippinischen Danajon-Riff initiiert, einem von weltweit nur sechs vorhandenen Doppelriffen und gleichzeitig einem der am stärksten belasteten. Extreme Überfischung, Klimawandel und vor allem tausende weggeworfene alte Nylon-Fischernetze, in denen sich Pflanzen und Tiere verfangen, gefährden das Riff und die dortige Tier- und Pflanzenwelt. Im Rahmen von Net-Works sammeln Fischer der Region die alten Netze wieder aus dem Meer sowie von den Stränden ein und erhalten dafür einen Erlös. Das unterstützt ihr finanzielles Auskommen vor Ort und ist eine echte Alternative zum ausbeuterischen Fischfang. Gleichzeitig liefern sie so den Rohstoff für die Teppiche von Interface. Denn von den Sammelstellen aus gelangen die Nylonnetze wieder in die globalen Lieferketten, werden recycelt und erhalten als Teppichfliesen von Interface ein neues Leben. Bereits 50 Prozent der Interface-Produkte enthalten nachwachsende oder recycelte Fasern. Bis 2020 sollen es 100 Prozent werden.

Key Facts zur Circular Economy bei Interface

  • Mehr als 80 Tonnen alte Fischernetze wurden seit 2012 allein auf den Philippinen aus dem Wasser gefischt.
  • Circa 30 Prozent der europäischen Ware werden derzeit recycelt.
  • Bis 2020 soll der Anteil von Recyclingware und nachwachsenden Rohstoffen bei der Neuproduktion bei 100 Prozent liegen.

Kunden zu Lieferanten machen

Die Kreislaufwirtschaft geht davon aus, dass bereits genug Material in alten Produkten steckt, um den Bedarf für alle neuen zu decken. Dafür muss das Material aber wieder in die Produktionsstätten gelangen. An dieser Stelle kommen die Kunden ins Spiel. Indem sie ihre gebrauchte Ware wieder an den Hersteller zurückgeben, werden sie selbst zu Zulieferern der benötigten Rohstoffe.

Bei der Circular Economy von Interface ist es deshalb auch genauso wichtig, neben dem Recyclingmaterial von Produkten anderer Hersteller, die eigenen Teppichfliesen wiederzuverwerten: „Wir verfolgen natürlich das Ziel eines geschlossenen Produktionskreislaufs. Das heißt, dass die Teppichfliesen dann auch über unser Rücknahmeprogramm ReEntry zurückgebracht werden“, sagt Sustainability Managerin Laura Cremer von Interface. Für neuwertige Bodenbeläge können die wenig beanspruchten Teile aufbereitet und etwa an karitative Einrichtungen gegeben werden. Lässt sich die Lebensdauer der Fliesen so nicht mehr verlängern, werden sie sortenrein recycelt: Das Garnfluff geht zurück an den Garnlieferanten, die Rückenkonstruktion wird geschreddert und direkt von den eigenen Produktionsstätten wiederverwendet.

Sustainability Managerin Laura Cremer.
Sustainability Managerin Laura Cremer.

Herausforderungen der Circular Economy

Durch die Aufbereitung noch gut erhaltener Ware erzeugt man am wenigsten negativen Einfluss auf die Umwelt. Gleichzeitig sei die Rückgabe aber auch der Schwachpunkt innerhalb der Circular Economy, gibt Cremer zu. „Nur circa 30 Prozent der europäischen Ware wird derzeit recycelt. Die Wiederaufbereitungsmaschine ist hungrig und ihre Kapazität noch längst nicht ausgeschöpft“, so die Sustainability Managerin. Kunden tun sich offensichtlich schwer, Rücknahmesysteme ausschöpfend anzunehmen. Bei langlebigen Produkten, wie den Teppichen, kann das etwa daran liegen, dass nicht mehr bekannt ist, wer die Teppiche geliefert hat oder dass es die Rückgabeoption gab. Interface hat bereits auf unterschiedliche Weise versucht, dieses Problem zu beheben – durch ein Leasingsystem etwa. Aktuell soll der Servicebereich rund um die Teppichfliesen gestärkt werden, um die Rückgabe so einfach wie möglich für die Kunden zu gestalten. „Intelligente Serviceleistungen, die in Verbindung zum Produkt stehen, sind im Rahmen der Circular Economy auch für Teppichhersteller ein entscheidendes Element“, bekräftigt Cremer.

Auf ein ganz anderes Problem weist sie in Bezug auf die Kosten hin: „Leider ist es so, dass das Recycling in einer Waste-to-Energy-Anlage immer noch kostengünstiger ist, als wenn man uns die Teppichfliesen säuberlich auf einer Palette zum Abtransport stapelt.“ Um das Recycling optimal zu nutzen, müssen, so Cremer, noch aktiv Veränderungspolitik und Überzeugungsarbeit beim Kunden geleistet werden. Mit ihren sozialen Projekten und Innovationen leistet Interface hier einen Beitrag, der sich auch direkt auf andere Regionen und Unternehmen positiv auswirken kann.

Mann steht auf Interface Teppich und schaut in die Natur

Innovationen für das Recycling

Da der Bedarf an Rohstoffen weltweit zunimmt, wird die Circular Economy mehr und mehr zu einem Business Case für Unternehmen. Denn langfristig ist die Wiederverwertung von Materialien nicht nur wirtschaftlich rentabel für Unternehmen, auch die Umwelt profitiert. Die negativen Einflüsse können drastisch minimiert werden. Das nächste Material, das in den textilen Bodenbelägen durch einen nachhaltigen bzw. recycelten Rohstoff ausgetauscht werden muss, ist die Rückenkonstruktion. Cremer verrät, dass hierzu derzeit an einer Produktinnovation gearbeitet wird.

Überhaupt kommt das Forschungsteam der Produktentwicklung immer wieder zu überraschenden Erfolgen: Aus Windschutzscheiben das Verbundmaterial PVB zu recyceln, ist ein innovatives Forschungsergebnis von Interface und sieben weiteren Partnern. Es wurde in sieben Jahren gemeinsamer Forschungsarbeit entwickelt. Das Verbundmaterial, für das die Autoindustrie bislang keine Verwendung finden konnte, dient nun als alternativer Beschichtungsersatz für Latex unter den Nylonfasern. Die CO2-Ersparnis beträgt nach Angaben von Interface damit im Vergleich zur Latexbeschichtung 80 Prozent. Bei über einer Milliarde Autos weltweit reiche der jährliche Anteil ausgewechselter Autoscheiben von ca. fünf bis sechs Prozent aus, um den Bedarf für die Teppichproduktion zu decken, so die Expertenberechnungen. Luft nach oben lässt Interface trotzdem. Sie setzen die Messlatte extrem hoch an und erzeugen damit Anreize, auch die eigenen Erwartungen zu übertreffen.
Das hat schon Interface-Gründer Ray Anderson vor 22 Jahren formuliert. Bei Interface ist aus der konsequenten Verfolgung ihrer Mission Zero inzwischen der Anspruch erwachsen, einen positiven Fußabdruck zu erzeugen. Im Rahmen der neuen Mission „Climate Take Back“ (Love Carbon) soll daher CO2 als Ressource eingesetzt werden.

 
Quelle: UmweltDialog

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