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02.08.2004

Klimaexperte Latif: Klimawandel löst Völkerwanderung aus

Der Kieler Klimaexperte Mojib Latif warnt vor einer drohenden, unkalkulierbaren Erwärmung der Erdatmosphäre: "Der Welt droht eine Heißzeit", sagte der renommierte Meteorologe dem Magazin Readers Digest. Latif forderte zugleich zu einem Umdenken in der Umweltpolitik auf. "Die Politiker müssen endlich einsehen, dass Öl, Kohle und Gas irgendwann zur Neige gehen und dass wir so oder so auf die erneuerbaren Energien umsteigen müssen."

Die Hochwasser und Hitzeperioden der vergangenen Jahre hätten bereits gezeigt, dass "die extremen Wetterereignisse zunehmen und es deutlich wärmer geworden ist" - im Schnitt 0,1 Grad pro Jahrzehnt. Die Häufung der extremen Wettersituationen sei auf die globale Erwärmung zurückzuführen. Durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle entstehe Kohlendioxid, das die Atmosphäre immer stärker aufheize. Die globale Erderwärmung wird laut Latif "zu Dreiviertel von den Menschen und zu einem Viertel von natürlichen Einflüssen" verursacht. Sollte keine Umkehr in der Energiepolitik gelingen, "herrschten bei uns im Sommer sehr heiße, sehr trockene Bedingungen, hin und wieder unterbrochen von sintflutartigen Niederschlägen."

Eine solche Entwicklung mit andauernden Temperaturen von über 40 Grad hätte für die Natur gravierende Folgen. Der Kieler Professor geht davon aus, dass viele Wälder dann absterben, die Vegetation im Mittelmeerraum völlig vertrocknet und das Trinkwasser vielerorts knapp wird. Ganze Landstriche würden auf diese Weise unbewohnbar. "Der Klimawandel würde eine riesige Völkerwanderung auslösen", prophezeit Latif. In dem Interview mit Readers Digest appelliert der Experte deshalb an die Politik, die weltweite Belastung durch Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. "Bis zum Jahr 2100 müssen wir auf null kommen, also den CO2-Ausstoß 100-prozentig reduzieren."

Latif hält es für unabdingbar, die fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien mittelfristig zu ersetzen und Forschungen dafür jetzt voranzutreiben. Von der Kernenergie als Ersatz hält der Klimaexperte nicht viel: "Wir sollten die Atomenergie nicht weltweit ausbauen, insbesondere nicht in Ländern, die politisch instabil sind." Er nennt als künftige Energiequellen die Wind- und Wasserkraft, die Nutzung der Erdwärme, aber vor allem die Sonnenenergie. "Die Sonne schickt uns jede Sekunde mehr Energie, als wir je nutzen können. So viel brauchen wir gar nicht. Wir müssten nur einen Bruchteil davon umsetzen, um unseren Bedarf zu decken."
 
Quelle: UD

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