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Mittwoch, 22.November 2017
Dossier: Die Klimakonferenz 2017 in Bonn (COP23)

Dossier zur Weltklimakonferenz 2017 in Bonn (COP 23)

Die 23. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (Conference of Parties, COP 23) findet vom 06. bis 17. November 2017 unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln in Bonn, dem Sitz des UN-Weltklimasekretariats, statt. An der klimaneutralen Konferenz nehmen neben den Delegierten der Regierungen auch Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Religionsgemeinschaften und Umweltverbänden teil. Ziel ist es, ein sogenanntes "Regelbuch" zu entwerfen, das beim kommenden Klimagipfel 2018 in Polen verabschiedet werden soll. UmweltDialog hat aktuelle Meldungen und Hintergrundinformationen zur COP 23 zusammengestellt.

Worüber wird auf der COP23 verhandelt?

Bei der UN-Klimakonferenz/COP23 geht es ums „Kleingedruckte“: Dass die Erderwärmung um maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau steigen soll – das haben die 195 Mitgliedstaaten bereits vor zwei Jahren in Paris festgelegt. Nun gilt es zu konkretisieren, wie sich dieses Ziel erreichen lässt. Im besonderen Fokus steht dabei der Artikel 6 des Klima-Abkommens - dieser regelt internationale Kooperationen, Instrumente und Methoden, um Klimaeinsparungen zu messen. Besondere Relevanz in den Verhandlungen werden wohl diese Unterpunkte haben:

  • International cooperation (Art. 6.1)
  • Direct bilateral cooperation (Art. 6.2)
  • New sustainable development mechanism (Art. 6.4)
  • Non-market-based approaches (Art. 6.8)

Als Lösungsansatz wird über einen gemeinsamen Transparenzrahmen verhandelt: Das wären Regeln für eine nachvollziehbare, vergleichbare und regelmäßige Berichtserstattung. Über den Umfang dieses Rahmens sind sich die Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer uneinig, zusätzliche Probleme bietet die Überschneidung des Transparenzrahmens mit anderen Teilen des Abkommens, vor allem mit den nationalen Klimaplänen und Anpassungen. Greenpeace betont, dass es sehr wichtig sei, dass der gesamte Transparenzrahmen für alle Staaten gelten muss. Germanwatch macht die Vertragsstaaten darauf aufmerksam, dass die Zeit dränge; statt über einzelne Formulierungen und detaillierte Prozessfragen zu diskutieren, sollten klare inhaltliche Beschlüsse vorbereitet werden.

Internationale Warschau Mechanismus

Das Exekutivkomitee des 2013 ins Leben gerufenen „Internationalen Warschau Mechanismus“ (Loss and Damage Mechanism) erarbeitet derzeit einen neuen 5-Jahresplan zum Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten. Ein grober Rahmen steht bereits, während der Klimakonferenz 2017 sollen die Handlungsbereiche (z.B. Ansätze für das Risikomanagement) mit Aktivitäten gefüllt werden. Dafür müssen auch innovative und verursacherbasierte Finanzierungsmodelle erarbeitet werden. Diese Aufgaben werden derzeit noch von kleineren Arbeitsgruppen und Komitees verhandelt, sollen aber bald in die breiten Hauptverhandlungen Eingang finden.

Faciliative Dialogue 2018

Ebenfalls in Paris beschlossen wurde die Einführung des sogenannten Faciliative Dialogue 2018. Dieser einjährige Prozess aus runden Tischen und Workshops soll eine frühzeitige Erhöhung der Mindestziele ermöglichen, um so dem Ziel, den Temperaturanstieg auf 1,5°C zu beschränken, näher zu kommen. Basierend auf einem IPCC-Sonderbericht zum 1,5°C-Ziel wird der Faciliative Dialogue auf der COP23 von nicht-staatlichen Akteuren angestoßen und soll auf der COP24 in Kattowitz politische Dimensionen annehmen. Vor allem die G20-Staaten sieht Greenpeace in der Verpflichtung, langfristige Strategien vorzustellen und so einen gelungenen Dialogprozess zu ermöglichen.

 
 
 
 
 
 
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Meilensteine der Klimapolitik

1979
1992
1997
2010
2015

Erste Weltklimakonferenz in Genf

UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, Entstehung der COP und der Klima-Rahmenkonvention (UNFCCC)

COP 3: Kyoto-Protokoll


COP 16: Klimakonferenz in Cancún, Einigung auf das Zwei-Grad-Ziel

COP 21: Klimaabkommen von Paris

 
 
 
 

Spielraum für nachhaltige Politik erweitern

Cop23

Ambitionierte Klimapolitik ist Verpflichtung und Chance zugleich – das sagt Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Bis 2030 will Deutschland den halben Weg zur Dekarbonisierung zurücklegen und seine Emissionen um 55 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 reduzieren. In den kommenden Jahren müssen deshalb die Weichen für eine weitergehende Transformation des Energiesystems gestellt werden.

 
Ein Kohlekraftwerk mit blauem Himmel und grünem Vordergrund.

Streitthema Kohleabbau

Während die vergangenen zehn Jahre von einem Boom der Kohleindustrie geprägt waren, scheint dieser Trend nun rückläufig zu sein. Die Schwellenländer China und Indien nutzten die Technologie, um ihr Wachstum zu ermöglichen, doch jetzt wollen sie zu Vorreitern auf den Gebieten der erneuerbaren Energien werden. Im Industriestaat Japan und in weiteren Schwellenländern, wie der Türkei und Indonesien geht der Kohle-Boom weiter, in Afrika nimmt er seinen Lauf. Auch Deutschland hält derzeit an der Kohleenergie fest, die große Anzahl an Arbeitsplätzen und die starke Lobby der Branche halten vom Ausstieg ab, sehr zum Protest anderer Parteien und NGOs. Die Demonstration „Klima schützen – Kohle stoppen!“, zwei Tage vor Beginn der Klimakonferenz, richtet sich gegen den Kohleabbau in Deutschland. Zahlreiche Verbände und Hilfswerke wollen in Bonn auf die Straße gehen, darunter der WWF, der BUND, Greenpeace und Germanwatch.

 

Das sagen Zivilgesellschaft und Unternehmen

NABU: Der NABU engagiert sich vor allem für die Erhaltung der Ozeane und der dortigen Biodiversität. Unter dem Motto „Bula Bonn – Klimawandel und Meere“ zeigt der Naturschutzbund auf der Klimakonferenz Vorträge von Umweltexperten und weist auf die Veränderung des Lebensraums Meer hin.

Stiftung 2°: Als Stiftung 2° schlossen sich Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer einiger großen Deutschen Unternehmen (u.a. Aldi Süd, Deutsche Bahn, OTTO Group) zusammen, um die Politik dazu aufzufordern, marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Klimaschutz zu etablieren und die Kompetenzen Deutscher Unternehmen zu fördern. Ziel ist es, die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. „Nach der Ankündigung der USA, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten, ist es umso wichtiger, dass die anderen Nationen geschlossen vorangehen. Die Förderer der Stiftung 2° sind international tätige Unternehmen, die dies auf globaler Ebene unterstützen“, so Vorstandsmitglied Sabine Nallinger.

Caring for Climate: Im Rahmen der Klimakonferenz treffen sich auch die Mitglieder der UN-Initiative „Caring for Climate“ und diskutieren, wie der private Sektor zur Einhaltung von nationalen und internationalen Zielen beitragen kann. An dem Treffen nehmen neben Delegierten des Global Compacts, UN Environment und des UNFCCC- Sekretariates auch Größen aus Wirtschaft und Finanzwesen, Regierungen und Mitglieder der Zivilgesellschaft teil.

Deutsches Klima Konsortium: Prof. Dr. Gernot Klepper, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsverbandes Deutsches Klima Konsortium, betont, dass Unternehmen die Chancen der Transformation zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft nützen sollten, um zukunftsfähig zu bleiben. Zur Umsetzung seien politische Rahmenbedingungen nötig, die auf den Klimakonferenzen beschlossen werden sollen.

Das sagen die Politiker

Frank Bainimarama, Premierminister der Fidschi-Inseln:

  • „Our presidency will keep the interests of all nations — including those that are low-lying and vulnerable — at the forefront of our negotiations.”

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium:

  • "Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage will die Weltgemeinschaft auf der Weltklimakonferenz zeigen, dass die Umsetzung des Pariser Abkommens unumkehrbar ist."

Kate Brown, Gouverneurin von Oregon:

  • "The 'America First' doctrine should put our children first. Future generations will judge us not on the facts of global climate change, but what we've done to tackle it."

Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin:

  • „In den vergangenen Wochen haben wir viele ermutigende Signale aus Europa, China, Russland, Indien, Kanada und vielen anderen Ländern bekommen. […] Trump hat sich für die Vergangenheit entschieden, der Rest der Welt für die Zukunft.“
 
 

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fidschi-Inseln, Kurzfilm der fidschianischen Präsidentschaft

Trump über den Klimawandel, Auszug aus einem Interview des Miami Herald

 
 
 

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