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Mittwoch, 13.Dezember 2017
Klimaschutz durch Hochmoorschutz – max.moor macht‘s möglich
Arbeiten am Hochmoor Siebenbrünnen (Schwägalp): Vor 1935 gezogene Gräben wurden gefüllt und Spundwände eingezogen.

05.12.2017

Klimaschutz durch Hochmoorschutz – max.moor macht‘s möglich

Trotz Verfassungsauftrag in der Schweiz ist dort erst ein kleiner Teil der unter Schutz stehenden Moore renaturiert. Eine Vernässung dieser Moore kann die hohe Menge an CO2, die von trockengelegten Mooren ausgetoßen wird, stoppen. Der an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft entwickelte Ansatz max.moor ermöglicht nun, CO2-Emissionen zugunsten von Hochmoorrenaturierungen zu kompensieren.

Wer einen Flug oder eine andere Treibhausgas-Emission kompensieren möchte, kann dies neuerdings zugunsten einer Renaturierung eines Schweizer Hochmoors tun. Dieses Angebot wurde geschaffen, da die Wiedervernässung von Hochmooren den Ausstoß einer beachtlichen Menge an CO2-Ausstoß in die Luft verhindert. Bislang gab es keinen Mechanismus, um ein solches Verhindern von Emissionen einer Kompensation gleichzustellen. Der Grund hierfür liegt in den bislang fehlenden Messwerten von CO2-Emissionen aus drainierten, also entwässerten, sowie aus wieder vernässten Moorböden. Dies erschwert eine verlässliche Berechnung der tatsächlich kompensierbaren Emissionen.

Kompensationsansatz max.moor: Schätzung der CO2-Emission möglich

An der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) wurde nun ein Kompensationsansatz entwickelt, mit dem sich verhinderte Emissionen dank Wiedervernässung von Hochmooren glaubwürdig abschätzen lassen. Der Ansatz max.moor basiert auf der Tatsache, dass sich Torf bei anhaltender Entwässerung fortlaufend abbaut und CO2 freisetzt. Folglich gelangt im Laufe der Zeit sämtlicher organischer Kohlenstoff, der noch im Torf vorhanden ist, in die Luft. In einem wieder vernässten Moor jedoch binden alleine die obersten fünfzig Zentimeter des Torfkörpers potentielle Emissionen von über 1.000 Tonnen CO2 pro Hektar (zum Vergleich: ein Flug von Zürich nach New York verursacht 1,2 Tonnen CO2 pro Person). Hinzu kommt, dass nach einer erfolgreichen Wiedervernässung der Torf nach einiger Zeit wieder wächst, das heißt CO2 aus der Luft bindet.

Der Kompensationsansatz max.moor ermöglicht eine einfache Emissionsberechnung und begrenzt den Aufwand für Messungen und Nachprüfung. Dank der einfachen Handhabung fließen die Einnahmen aus der Kompensation größtenteils in die Wiedervernässung.

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Solche Kompensationen zugunsten der Renaturierung Schweizer Hochmoore reduzieren die CO2-Emissionen - aktuell jährlich rund 19.000 Tonnen (nach IPCC Standardwerten). Weiter leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Biodiversitätsförderung, werten das Schweizer Landschaftsbild auf, verbessern den Hochwasserschutz und fördern das regionale Gewerbe. Denn gut 60 Prozent der Umsetzungskosten einer Hochmoorrenaturierung bleiben in der Region: Holzerntearbeiten sowie Transport- und Bauarbeiten werden in der Regel von lokalen Baufirmen übernommen.

Die Möglichkeit, zugunsten von Moorrenaturierungen Treibhausgas zu kompensieren, besteht seit einigen Jahren in einzelnen europäischen Ländern, bislang aber nicht in der Schweiz. Wegen naturräumlicher und klimatischer Unterschiede ist es nicht möglich, ausländische Modelle für die Schweiz zu übernehmen. Der neue Kompensationsansatz max.moor bietet erstmal die Möglichkeit, auch in der Schweiz Emissionen zugunsten von Moorrenaturierungsprojekten zu kompensieren und zwar mittels eines einfach handhabbaren, kostengünstigen Verfahrens. Den Ansatz übernehmen bereits zwei Kompensationsanbieter (myclimate, South Pole Group) für die freiwillige Kompensation. Firmeninterne und persönliche CO2-Emissionen lassen sich also neu zugunsten der Schweizer Hochmoore kompensieren.

Bei einer Hochmoorrenaturierung werden Spundwände quer zu den Entwässerungsgräben eingebaut und aufgefüllt, um den Wasserabfluss zu unterbinden und so das Hochmoor wiederzuvernässen.zoom
Bei einer Hochmoorrenaturierung werden Spundwände quer zu den Entwässerungsgräben eingebaut und aufgefüllt, um den Wasserabfluss zu unterbinden und so das Hochmoor wiederzuvernässen.

Nur knappe zehn Prozent der Schweizer Hochmoore haben das letzte Jahrhundert in natürlichem Zustand überstanden. Der Rest wurde während der beiden Weltkriege – unter anderem im Zuge der Anbauschlacht von 1940 – entwässert und urbar gemacht, teilweise, um darauf Vieh weiden zu lassen, Kartoffeln anzubauen oder um den Torf als Brennstoff zu nutzen. Was damals als fortschrittlich galt, entpuppte sich in der Folge als Problem: Wasserrückhalteflächen verschwanden, die Anzahl wertvoller Lebensräume und die Biodiversität nahmen ab und den durchlüfteten Mooren entweichen seither beachtliche Mengen an CO2.

Ein natürliches Moor ist eine so genannte CO2-Senke. Indem das absterbende Pflanzenmaterial im wassergesättigten Boden nicht abgebaut werden kann, akkumuliert sich das organische Material in Form von Torf über Jahrtausende. Weltweit absorbieren Moore auf diese Weise jährlich 150 bis 250 Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre. Sobald ein Moor aber entwässert, also trockengelegt wird, dringt Sauerstoff in den Boden und der als Torf sichtbare Pflanzenkörper baut sich langsam ab. Dabei gelangt CO2 in die Luft. Erst eine Wiedervernässung durch das Auffüllen der Entwässerungsgräben setzt der Emission ein Ende.

 
Quelle: UD/fo

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