Alter im Cache 2016-08-26 21:56:13
Alter ohne Cache: 2016-08-26 21:56:13
Menschgemachter Klimawandel unterdrückt die nächste Eiszeit

15.01.2016

Menschgemachter Klimawandel unterdrückt die nächste Eiszeit

Der Mensch ist zu einer geologischen Kraft geworden, die den Beginn der nächsten Eiszeit unterdrücken kann – das zeigt eine Studie, die nun im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung haben den Code der Eiszeiten geknackt und in dem Verhältnis von Sonneneinstrahlung auf die Erde und CO2-Konzentration in der Atmosphäre den Schlüssel gefunden, um die letzten acht Eiszyklen der Erdgeschichte zu erklären. Gleichzeitig machen ihre Ergebnisse deutlich, dass schon eine moderate Störung des natürlichen Kohlenstoffhaushalts des Planeten durch den Menschen die nächste Eiszeit um 100.000 Jahre verschieben könnte.

„Auch ohne den menschengemachten Klimawandel würden wir den Beginn einer neuen Eiszeit erst in etwa 50.000 Jahren erwarten – das macht das Holozän als gegenwärtige Epoche bereits zu einer ungewöhnlich langen Phase zwischen zwei Eiszeiten“, erklärt Leitautor Andrey Ganopolski. „Unsere Studie zeigt jedoch auch, dass bereits relativ moderate zusätzliche CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas ausreichen, um die nächste Eiszeit um weitere 50.000 Jahre zu verzögern. Unter dem Strich bedeutet dies, dass wir einen kompletten Eiszeitzyklus überspringen, was beispiellos ist. Es ist wirklich verblüffend: Der Mensch ist in der Lage, einen der fundamentalen Mechanismen zu stören, die die Welt geformt haben, wie wir sie heute kennen.“

Erstmals kann die Wissenschaft den Beginn der letzten Eiszeiten durch die Bestimmung von Schlüsselfaktoren erklären, die dem Beginn einer neuen Eiszeit vorangehen. „Unsere Ergebnisse lassen eine funktionale Beziehung zwischen der Sonneneinstrahlung im Sommer und atmosphärischem CO2 erkennen, die den Beginn einer neuen Eiszeit kennzeichnet. So lässt sich nicht nur die Vergangenheit erklären, es ermöglicht uns auch künftige Perioden abzusehen, in denen ein neuer Eiszeitzyklus einsetzen kann“, sagt Ganopolski.

Anzeige

Der Mensch als geologische Kraft

Mit einem ausgeklügelten Computermodell des Erdsystems, in dem die Dynamik von Atmosphäre, Ozean, Eisschilden und der globale Kohlenstoffzyklus simuliert werden, haben die Wissenschaftler den Effekt menschgemachter CO2-Emissionen auf das Eisvolumen der Nordhalbkugel untersucht. „Weil Kohlendioxid in der Atmosphäre extrem langlebig ist, haben vergangene wie künftige Emissionen großen Einfluss darauf, wann ein neuer Eiszeitzyklus beginnt“, sagt Ko-Autorin Ricarda Winkelmann. „Unsere Analyse zeigt, dass schon geringe zusätzliche Kohlenstoff-Emissionen die Entwicklung der Eisbedeckung auf der Nordhalbkugel wohl auf zehntausende Jahre beeinflussen würde, während künftige CO2-Emissionen von 1.000 oder 1.500 Gigatonnen Kohlenstoff die nächste Eiszeit um mindestens 100.000 Jahre verschieben könnten.“

Die Suche nach den Ursachen von Eiszeitzyklen gehört zu den faszinierendsten Fragen der Erdsystemanalyse und der Paläo-Klimatologie, der Wissenschaft von Klimaveränderungen in der gesamten Geschichte des Planeten. Für gewöhnlich markiert eine Periode geringer Sommer-Sonneneinstrahlung den Beginn einer neuen Eiszeit; Bedingungen wie wir sie derzeit vorfinden. Allerdings gibt es derzeit keine Hinweise auf den Beginn einer neuen Eiszeit: „Das war die Motivation für diese Studie. Das Rätsel zu lösen, welche Mechanismen die vergangenen Eiszeitzyklen angetrieben haben, ermöglicht uns auch, den Anfang eines neuen Eiszeitalters abzusehen“, so Winkelmann.

„Wie keine andere Kraft auf dem Planeten haben Eiszeiten unsere globale Umwelt geformt und damit auch die Entwicklung der menschlichen Zivilisation bestimmt. Wir verdanken unter anderem unsere fruchtbaren Böden der letzten Eiszeit; sie hat auch unsere heutige Landschaft gestaltet durch Gletscher und Flüsse, Fjorde, Moränen und Seen, die aus ihr entstanden sind. Heute ist es jedoch die Menschheit mit ihren Emissionen aus fossilen Brennstoffen, die die zukünftige Entwicklung des Planeten bestimmt“, sagt Ko-Autor Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts. „Das zeigt sehr deutlich, dass wir schon längst in eine neue Ära eingetreten sind, und dass die Menschheit im Anthropozän selbst zur geologischen Kraft geworden ist. Tatsächlich führt das vielleicht eine Epoche herbei, die mit dem Begriff Deglazial überschrieben werden könnte."

 
Quelle: UD/pm

Related Posts

1  Kommentar

  • Kommentar als unangemessen melden
    Bodo Langguth, Dipl.-Geogr., 
    20.01.2016 - 14:15 Uhr

    Aha.... Wo die Wissenschaft in den letzten 100 Jahren noch keine wirkliche Erklärung gefunden hat, wird hier einmal in einer Studie gelöst... Bravo, Nobelpreis würdig...
    Vielleicht werden ja auch die angesprochenen "Hinweise" nicht richtig gedeutet? Die letzten drei Kaltzeiten haben in den vergangenen 2 Millionen Jahren stattgefunden, da ist eine mögliche Verschiebung um 50.000 Jahre noch kein Überspringen eines Zykluses. Was ist denn, wenn der Golfstrom seine Tätigkeit einstellt und durch die hohen Temperaturen - auch durch die menschgemachte Klimaerwärmung - feuchte Luftmassen in die dann kalten Regionen des Nordens strömen (einschl. Deutschlands) und zu hohen Niederschlägen in Form von Schnee führen? Wäre das nicht eher der vorgezogene Beginn der nächsten Kaltzeit? In den Kaltzeiten lag die globale Durchschnittstemperatur nur 3-5 K niedriger. Dies kann ja auch dadurch hervorgerufen werden, dass in den äquatorial Regionen die Temperatur höher war als heute und die Temperaturen in den nördlichen und südlichen Polarregionen - bis etwa 50. Breitengrad - extrem niedrig waren. Bei der Eisbedeckung wohl sehr wahrscheinlich. Auch so kann es zu einer nur so geringen Abkühlung wären der Kaltzeiten gekommen sein. Wie sind denn wohl die Eismassen auf das Festland gekommen? Wohl eher durch die besagten Schneefälle und der Verdichtung zu Eis als durch Meereis, welches sich auf das Festland geschoben hat... Lässt man im Sommer einen Kühlschrank offen stehen, so entsteht durch Energiezufuhr an der Innenwand eine dicke Eisschicht - auch so kann eine Vereisung, also Kaltzeit, entstehen. Wer macht nur bei uns auf der Erde die Kühlschranktür auf und zu?
    Und wie stehen denn die Ausbrüche des Yellowstone-Supervulkans im Kontext zu den Kaltzeiten? Übrigens, der nächste Ausbruch dieses Supervulkans, der rund alle 600.000 Jahre ausbricht, ist überfällig... Und das Ende der letzten Kaltzeit liegt auch gerade erst einmal 10.000 Jahre zurück... Leben wir vielleicht nur in einem geologisch kurzem Interglazial? Mit Prognosen über die nächsten 50.000 bis 100.000 Jahre wäre ich ganz vorsichtig, ansonsten hat man wenig Kenntnis vom natürlichen Klimawandel sowie geologischen Prozessen und macht nur politisch Stimmung, aber ist wissenschaftlich unseriös.

    Antworten

Ihr Beitrag

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Netiquette
Alter im Cache 2016-08-26 21:56:13
Alter ohne Cache: 2016-08-26 21:56:13