Klimawandel

Klimawandel als Treiber von Migration und Konflikten?

Der globale Klimawandel wird zunehmend als Sicherheitsrisiko angesehen. Die Erderwärmung könnte die Anpassungsfähigkeit vieler Gesellschaften überfordern und potentiell zu Destabilisierung, Migration und Konflikteskalation beitragen, so die Argumentation. Insbesondere klimabedingte Migrationsbewegungen werden dabei als Risikofaktor wahrgenommen. Bei einem DKK-Klima-Frühstück im Vorfeld der letzten Münchner Sicherheitskonferenz haben Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), und Dr. Christiane Fröhlich, Forscherin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) betont, dass der Klimawandel als nur ein Treiber von Migration und Konflikt unter vielen wirke. Die komplexen Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Fluchtbewegungen und Sicherheit seien bisher jedoch erst unzureichend erforscht.

15.02.2016

Der Fall Syrien: Das Land erlitt zwischen 2006 und 2010 eine schwere Dürre. Sie führte in Teilen des Landes wiederholt zu Missernten und dezimierte den Viehbestand. Laut UN verloren geschätzte 1,5 Millionen Bauern und Viehzüchter ihren Lebensunterhalt; viele von ihnen zogen in weniger betroffene Gebiete des Landes. Die Friedensforscherin Christiane Fröhlich stellte beim DKK-Klima-Frühstück ihre aktuelle Studie zum Einfluss der Dürre auf die Binnenmigration in Syrien und deren Rolle beim Ausbruch der Unruhen 2011 vor. Auf der Grundlage von Befragungen syrischer Bauern und Landarbeiter, die sie 2014/15 in jordanischen Flüchtlingslagern durchführte, kam sie zu dem Schluss: „Die vielfach propagierte einfache Kausalität zwischen Dürre, Migration und Konfliktausbruch in Syrien lässt sich so nicht halten. Zwar nahm die Binnenmigration tatsächlich während der Dürre zu, doch weder war die Dürre ihr einziger Auslöser, noch waren es die ‚Klimamigranten‘, die die Proteste initiierten.“

Insbesondere müssten die Auswirkungen der Dürre im Kontext der Politik der Assad-Regierung seit 2000 gesehen werden. Die Streichung von Subventionen und andere liberale Wirtschaftsreformen hätten den Druck auf die notleidende Bevölkerung erhöht, „während die Regierung praktisch nichts unternahm, um die Folgen der Dürre abzumildern“, erklärte Christiane Fröhlich. Syrien sei „ein Beispiel dafür, dass eine effektive Anpassung an die Folgen des Klimawandels nur möglich ist, wenn gleichzeitig die sozialen, politischen und ökonomischen Bedingungen einbezogen werden.“

Ist die Dürregefahr durch den Klimawandel gestiegen?

Neben der jahrelangen Dürre in Syrien konstatiert der Deutsche Wetterdienst eine Zunahme der Dürren weltweit. Paul Becker, DWD-Vizepräsident und Stellvertretender DKK-Vorstandsvorsitzender, stellte ein durch das Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie (WZN) erstelltes globales Monitoring aller Dürreereignisse für den Zeitraum 1952-2013 vor. Das WZN, beim DWD ansässig, konnte damit die Dürre-Hotspots und ihre Änderungen bestimmen. Die Untersuchung zeigt, dass Dürren besonders häufig in Regionen auftreten, in denen der Niederschlag stark jahreszeitlich geprägt ist, es also ausgesprochene Regen- und Trockenzeiten gibt.

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Mehr Dürren in den letzten 60 Jahren

Obgleich es Dürren schon immer gegeben hat, die auch zu Hungerkatastrophen führten, beobachtet das WZN eine Zunahme dieser Ereignisse in den letzten 60 Jahren, insbesondere in Afrika. Auch in Brasilien, dem Mittelmeerraum, entlang der pazifischen Küsten von Nord- und Südamerika und Indonesien entstanden oder wuchsen Gefährdungsgebiete. Der Einfluss des Klimawandels auf diese Entwicklungen bei der Dürregefahr sei jedoch, so Paul Becker, „statistisch nicht signifikant nachweisbar, aufgrund der hohen natürlichen Schwankungsbreite des Niederschlags.“ Künftig werde die globale Erwärmung, die bereits heute klar nachweisbar ist, ihren Effekt in den Regionen entfalten, wo sie zu einer stark erhöhten Verdunstung beiträgt. „Klimaanpassungsmaßnahmen zur Vermeidung von Verdunstungsverlusten werden daher eine immer wichtigere Rolle spielen. Dazu zählt die Abdeckung von Stauseen und Wasserspeichern, wie es Los Angeles derzeit wegen der dortigen Mega-Dürre praktiziert.“

Klima-, Wirtschafts- und Sicherheitsfragen enger verzahnen

Die Wissenschaftler hoben hervor, dass die wechselseitigen Beziehungen zwischen Klimawandel, Migration und Sicherheit eine intensivere inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der Klima-, der Klimaökonomie-, der Friedens- und Konflikt- sowie der Sicherheitsforschung erfordern. „Die Entwicklung der Dürre-Hotspots oder auch der Fall Syrien zeigen: Nur durch eine integrierte Betrachtung können nachhaltige Lösungen zur Klimaanpassung entstehen. Darin sehen wir auch einen Auftrag an die Forschung, wie wir ihn im DKK-Positionspapier zu den Perspektiven für die Klimaforschung bereits formuliert haben“, ergänzte Marie-Luise Beck, DKK-Geschäftsführerin.

Quelle: UD/pm
 

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