Klimawandel

Dekarbonisierung: Wissenschaft muss neue Schwerpunkte setzen

Das Pariser Klimaabkommen hat eine bedeutende Kulisse für den Übergang zu einer dekarbonisierten Welt im 21. Jahrhundert geschaffen. Mit seiner Verpflichtung die Erderwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, der Erarbeitung konkreter Reduktionsstrategien für Treibhausgase, der regelmäßigen Anpassung der freiwilligen Verpflichtungen, reale Minderungsbeiträge zu erbringen, transparenten und einheitlichen Überprüfungskriterien für die Emissionspfade und nicht zuletzt der fast vollständigen Zustimmung durch die gesamte Staatengemeinschaft hat das Pariser Klimaabkommen einen Bezugsrahmen für die Transformationsprozesse zu einer klimagerechten Welt geliefert.

07.03.2016

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Diesen Rahmen gilt es jetzt zu füllen. Er liefert die Grundlage für die Verstärkung der Aktivitäten, die jetzt auf der Ebene nationaler Staaten, von Städten, Unternehmen und Branchen notwendig sind, um aus der fossilen Wirtschaft endgültig auszusteigen.

Hier liegen die eigentlichen Motoren und Triebkräfte für die Ermöglichung einer dekarbonisierten Zukunft. Im Zusammenspiel von technologischen, sozialen und gesellschaftlichen Innovationen ist eine solche Dekarbonisierung im Laufe dieses Jahrhunderts möglich.

Beitrag der Wissenschaft

Zum Erfolg des Klimagipfels hat die internationale Wissenschaftsgemeinschaft maßgeblich beigetragen. In keinem anderen Forschungsbereich ist die Zusammenarbeit, der Austausch von Daten und der Bezug zu den politisch Handelnden so intensiv und umfassend wie im IPCC.

Internationale Projekte wie das Deep Decarbonzation Pathways Project, in dem das Wuppertal Institut die deutsche Länderstudie vorgelegt hat, haben den hochemittierenden Staaten spezifische Pfade aufgezeigt, bis Mitte des Jahrhunderts den Ausstieg aus der kohlenstoffbasierten Wirtschaft zu schaffen. Und auch Kooperationen auf nationaler Ebene wie die jüngste Studie der Akademien, die zeigt, wie Deutschland zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien umsteigen kann, liefern wertvolle Beiträge.

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Herausforderungen

Die neuen Herausforderungen an die wissenschaftliche Community sind hoch, das zeigt die neue Innovationsoffensive der Amerikaner, die Obama in Paris angekündigte und der sich weitere Staaten, darunter Deutschland aber auch China mit dem Ziel einer Verdopplung seiner energiebezogenen Forschung und Entwicklung angeschlossen haben. Doch ist weit mehr als Ingenieurswissen gefragt, um den tiefgreifenden Wandel zu bewältigen.

Das Pariser Klimaabkommen erfordert neue Schwerpunktsetzungen in der Wissenschaft: War diese in den letzten Jahrzehnten insbesondere auf die Analyse und Darstellung der eigentlichen Klimaentwicklungen konzentriert und das Aufzeigen grundsätzlich möglicher Minderungspfade, geht es nun um die Unterstützung der realen Umsetzungsprozesse der Akteure in Unternehmen, Kommunen und Zivilgesellschaft, um die Einbindung und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern.

System- und Transformationswissen

Der transdisziplinäre Austausch von Ideen und Wissen zwischen Handelnden und Forschenden, wie beispielsweise in Reallaboren, schafft die Voraussetzungen, um für die Umsetzung auf verschiedenen Ebenen entscheidendes System- und Transformationswissen zu erlangen und so die notwendigen sozialen und kulturellen Innovationen auf den Weg zu bringen. Damit steigt die Bedeutung von Transformationsforschung und "transformativer Forschung", die Transformationsprozesse aktiv begleitet und unterstützt.

Diese neue Rolle von Wissenschaft erfordert vom Wissenschaftssystem aber auch von Einzeldisziplinen wie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sich stärker an den großen gesellschaftlichen Fragestellungen zu orientieren sowie Kooperation und Voneinander-Lernen, auch international, in den Mittelpunkt zu rücken.

Eine Gruppe Wissenschaftler des Wuppertal Instituts hat die COP 21 in Paris beobachtet. Ihre Analyse des Verhandlungsergebnisses "Paris Agreement: Startschuss für echte globale Klimakooperation" liegt in einer ersten Bewertung vor.

Quelle: UD/pm
 

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