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26.03.2015

Klimawandel: Mehr Schnee in der Antarktis

Steigende Temperaturen werden der Antarktis mehr Schnee bringen. Jedes Grad regionaler Erwärmung könnte den Schneefall auf dem Eiskontinent um etwa fünf Prozent zunehmen lassen, wie jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zeigt. Ihre Abschätzung beruht auf Daten aus Eisbohrkernen und auf physikalischen Gesetzen, die in globalen und regionalen Klimasimulationen abgebildet werden. Die Ergebnisse liefern ein wichtiges neues Puzzelstück bei der Abschätzung des Beitrags der Antarktis zum künftigen Meeresspiegelanstieg.

Zwei Pinguine stehen in der Antarktis.

Mehr Schnee wird die Antarktis jedoch nicht vor dem Verlust von Masse bewahren, denn ein Großteil des zusätzlichen Eises wird durch sein eigenes Gewicht schneller in Richtung Küste transportiert. „Wärmere Luft enthält mehr Feuchtigkeit, und das kann zu mehr Niederschlag führen – in der kalten Antarktis geschieht das in Form von Schnee“, erklärt die Leitautorin Katja Frieler. „Ob Daten oder Computersimulationen - alle Indizien deuten in die gleiche Richtung: Mit jedem Grad Erwärmung gibt es in der Antarktis etwa fünf Prozent mehr Schnee“, so Frieler.

Um den Schneefall in der Antarktis für die Zukunft mengenmäßig beziffern zu können, haben die Wissenschaftler aus Potsdam mit Kollegen aus den USA und den Niederlanden zusammengearbeitet. „Eisbohrkerne aus verschiedenen Teilen der Antarktis liefern uns Daten, die dabei helfen, die Zukunft besser zu verstehen“, sagt Peter Clark von der US-amerikanischen Oregon State University. „Darin sind Informationen über den Schneefall enthalten, die einen großen Zeitraum von Temperaturveränderungen erfassen, zum Beispiel den während der letzten großen Eisschmelze vor 21.000 bis 10.000 Jahren. Und diese Daten sagen uns etwas darüber, was wir in den nächsten Jahrhunderten erwarten können.“

Um Veränderungen von Temperatur und Niederschlag in der Antarktis festmachen zu können, haben die Wissenschaftler diese Daten sowohl mit Simulationen der Klimageschichte der Erde als auch mit umfassenden Zukunftsprognosen durch verschiedene Klimamodelle verknüpft.

Doppeltes Paradox: Mehr Schneefall durch Erwärmung, mehr Eisverlust durch Schneefall

„Der antarktische Eisschild mit seinem enormen Eisvolumen könnte durch den Klimawandel zum größten Faktor für den künftigen langfristigen Anstieg des Meeresspiegels werden, dies hätte Auswirkungen für Millionen von Menschen in Küstenregionen“, sagt Frieler. Deshalb ist es wichtig, so genau wie möglich einschätzen zu können, mit wieviel zusätzlichem Schneefall zu rechnen wäre – dieser sorgt dafür, dass Wasser statt im Meer auf dem antarktischen Eisschild landet und diesen in die Höhe wachsen lässt. In einer früheren Studie hatten die Wissenschaftler jedoch bereits herausgefunden, dass viel von diesem zusätzlichen Eis wieder verloren geht, weil sich auch der Eisfluss in den Ozean beschleunigt.

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„Der sich auftürmende Schnee ist schwer und übt entsprechend viel Druck auf das darunter liegende Eis aus“, erklärt Ko-Autorin Ricarda Winkelmann. „Je höher Eis und Schnee sich auftürmen, desto höher ist auch der Druck. Weil zusätzlicher Schnee das auf dem Boden der Antarktis aufliegende Eis stärker erhöht als die schwimmenden Eisschelfe am Rande des Kontinents, fließt das Eis schneller in Richtung Küste – und trägt dadurch zum Anstieg des Meeresspiegels bei.“

Berücksichtigt man diesen Effekt, könnten fünf Prozent mehr Schneefall den Meeresspiegel über 100 Jahre rechnerisch um etwa drei Zentimeter absinken lassen. Andere Prozesse in der Antarktis bewirken aber, dass letztendlich der Meeresspiegel steigen wird. So führt etwa bereits eine geringe Erwärmung des Ozeans dazu, dass an den Rändern der Antarktis verstärkt Eis abbricht und dadurch Masse vom Kontinent ins Wasser fließt.

Die Antarktis ist der wichtigste Treiber für den Meeresspiegelanstieg der Zukunft

„Wenn wir das ganze Bild betrachten, ändern die neuen Erkenntnisse also nichts daran, dass die Antarktis mehr Eis verlieren wird, als sie dazugewinnt, und deshalb großen Einfluss auf den Meeresspiegel der Zukunft haben wird“, sagt Ko-Autor Anders Levermann, der auch einer der Leitautoren des Meeresspiegel-Kapitels im jüngsten Berichts des Weltklimarats IPCC ist.

„Für Entscheidungsträger in Küstenregionen ist es wesentlich zu wissen, wieviel Meeresspiegelanstieg durch eine Begrenzung der globalen Erwärmung noch vermieden werden kann, und wie schnell wir uns auf das Unvermeidbare einstellen müssen. Die Antarktis spielt für den Meeresspiegel der Zukunft eine Schlüsselrolle. Unsere Ergebnisse sind ein weiteres wichtiges Puzzelteil, um den Meeresspiegelanstieg der Zukunft besser einschätzen zu können.“

 
Quelle: UD/pm

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