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Insektensterben: Daten fehlen

10.01.2018

Insektensterben: Daten fehlen

Die alarmierend hohen Zahlen zum Insektenschwund des Entomologischen Vereins Krefeld haben den Verlust der Biologischen Vielfalt in die öffentliche Diskussion gebracht. Sie sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Der wahre Zustand der Ökosysteme ist kaum bekannt, da die Daten fehlen. Wie eine umfassende Aufklärung idealerweise aussehen müsste und woran es bisher hakt, erläutern Prof. Wolfgang Wägele und Prof. Alexandra Klein im Interview mit dem Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo).

Dass es in Deutschland Biodiversitätsverluste gibt, ist eigentlich nur anhand weniger aber sehr beliebter Arten wie Vögeln, Tagfaltern oder Säugetieren belegbar, deren Vorkommen traditionell ehrenamtliche Naturfreunde erfassen. Was darüber hinaus in unseren Ökosystemen passiert, wie sich Populationen anderer Artengruppen entwickeln, ist kaum bekannt. Von daher sind Datensätze wie die des Entomologischen Vereins Krefeld - so begrenzt sie auch sind - Gold wert. Sie sind schlicht das Beste, was wir haben.

Erstaunlicherweise, denn dass die biologische Vielfalt schwindet, wissen wir nicht erst seit Krefeld. Politisch anerkannt ist der Rückgang der Artenvielfalt spätestens seit der Einführung der Nationalen Biodiversitätsstrategie vor zehn Jahren. 330 Ziele und rund 430 Maßnahmen bis zum Jahr 2020 sieht sie vor. Ein systematisches Biodiversitätsmonitoring zur zweifelsfreien Aufklärung der Lage findet sich jedoch nicht darunter.

„Besorgnis erregende Einbrüche der Populationen erfordern Ursachenforschung. Ohne Monitoringdaten ist das nicht möglich“, sagt der Direktor des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig Bonn, Prof. Wolfgang Wägele, der das Konsortium "Nationales Zentrum für Biodiversitätsmonitoring" koordiniert. Doch Langzeit-Monitorings sind kostspielig und bieten keine Einnahmequellen. Es bedarf einer Vielzahl an Experten, die die nötige Artenkenntnis mitbringen. Die gehören ebenfalls einer aussterbenden Spezies an. „Die taxonomische Ausbildung wird seit vielen Jahren an den Universitäten vernachlässigt und auch bei Berufungsverfahren für Professoren spielte die Artkenntnis eine sehr untergeordnete Rolle“, sagt Prof. Alexandra Maria Klein, Vize-Präsidentin der Gesellschaft für Ökologie GfÖ.

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Auf ehrenamtliche Mithilfe angewiesen

Um ein umfassendes Biodiversitätsmonitoring bezahlbar zu machen, seien daher ehrenamtliche Datensammler extrem wichtig, meinen die Experten. Auf diesem Wege könne man zudem Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit erreichen. Ein weiterer Ansatz sei die automatisierte Datensammlung durch ein Netz von Messstationen, wie man sie sich in der Meteorologie bereits zur Erfassung von Klimadaten leistet, so Wolfgang Wägele. Die Kosten zur Erfassung notwendiger Biodiversitätsdaten seien in etwa vergleichbar.

Prof. Wolfgang Wägele und Prof. Alexandra Maria Klein
Prof. Wolfgang Wägele und Prof. Alexandra Maria Klein

Die Durchführung und Auswertung eines bundesweiten Monitorings sollten laut Wägele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen leisten, die idealerweise nicht nachgeordnete Behörden sind, mit Hochschulen kooperieren und sich mit Akteuren der Zivilgesellschaft vernetzen.

Einen Überblick über bestehende Prozesse, Hindernisse und Notwendigkeiten trugen im vergangenen Juni Expertinnen und Experten im Rahmen eines NeFo-Fachgesprächs zusammen. Konzepte bestehen bereits, etwa jenes des Deutschen Zentrums für Biodiversitätsmonitoring (BioM-D), das 2015 im Rahmen der Leibniz-Gemeinschaft entwickelt wurde, oder auf internationaler Ebene im Rahmen des Global Biodiversity Observation Networks (GEO BON) und des European Biodiversity Observation Network (EU BON).

Ein grundsätzliches Problem bei der Umsetzung seien jedoch die Zuständigkeiten der Bundesländer für Naturschutzbelange, meint Alexandra Klein. Ein bundesweites Monitoring setze eine Koordinierung unter den Ländern voraus, und diese sei suboptimal bis nicht vorhanden. Entsprechend müsse auch dafür gesorgt werden, dass Gelder langfristig zur Verfügung stünden, da ein systematisches Monitoring über viele Jahre laufen müsse.

Das Interview wurde vom Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo) durchgeführt und kann hier in voller Länge nachgelesen werden.

 
Quelle: UD/fo

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