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Donnerstag, 08.Dezember 2016
Feldhamster vom Aussterben bedroht zoom

13.02.2015

Feldhamster vom Aussterben bedroht

Die Gefährdung des Feldhamsters in Deutschland schreitet weiter voran. Dies dokumentiert die BfN-Veröffentlichung „Bericht zum Status des Feldhamsters (Cricetus cricetus) im Skript 385. Die Veröffentlichung umfasst Statusberichte der Bundesländer und Ergebnisse eines nationalen Expertentreffens zum Schutz des Feldhamsters an der Internationalen Naturschutzakademie auf der Insel Vilm. Zusammengestellt wurde das Skript vom Deutschen Rat für Landespflege im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

Die Statusberichte enthalten Angaben zu Vorkommen, Bestandsentwicklung und Gefährdungsursachen, aber auch zu Schutzmaßnahmen. In Deutschland sind aktuell vier große Verbreitungsschwerpunkte des Feldhamsters vorhanden. Sie liegen in Mitteldeutschland, im Rhein-Main-Gebiet, in Franken sowie im südwestlichen Nordrhein-Westfalen. Die Bestandsentwicklung ist jedoch in neun von den elf berücksichtigten Bundesländern negativ, unabhängig von der jeweiligen Bestandsgröße. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wird der Bestand aktuell mit null angegeben, sodass die Experten davon ausgehen, dass der Feldhamster dort ausgestorben ist. In den beiden Bundesländern waren noch in den 1990er-Jahren Feldhamster gemeldet worden. Als halbwegs stabil wird die
Bestandsentwicklung derzeit lediglich in Sachsen-Anhalt und in Rheinland-Pfalz eingeschätzt. Doch ohne entsprechende Schutzmaßnahmen wird der Feldhamster nach Experten-Angaben auch in Rheinland-Pfalz in etwa zehn Jahren ausgestorben sein.

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Wodurch wird der Feldhamster gefährdet?

„Gefährdungsursache Nummer eins ist die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Dies geht auch aus allen Länderberichten hervor.“ Denn der Feldhamster ist auf die Agrarlandschaft angewiesen. Er findet dort steppenartige Lebensräume, in denen er seine Erdhöhlen gräbt und reichhaltige Nahrung findet. Weil die moderne Landwirtschaft die Ernte jedoch immer früher und auch fast restlos einfährt, fehlt dem Feldhamster nicht nur Deckung und damit Schutz vor Feinden, sondern vor allem ausreichend Nahrung für die Überwinterung. Doch auch zunehmende Isolation und Zerschneidung der
Lebensräume tragen zur Gefährdung des Nagers bei.

Experten fordern konkrete Schutzmaßnahmen

Die Experten fordern unter anderem, dass in allen Bundesländern mit Feldhamstervorkommen, soweit noch nicht vorhanden, umgehend Aktionspläne für die Art aufgestellt und vor allem konkrete Maßnahmen zu ihrem Schutz realisiert werden. „Die Umsetzung dieser Forderungen ist von größter Bedeutung für den Schutz des vom Aussterben bedrohten Nagers“, erklärte die BfN-Präsidentin. Der Feldhamster steht außerdem für eine Agrarlandschaft, die noch ein Mindestmaß an Strukturen und Fruchtfolgen aufweist. Deshalb profitieren von seinem Schutz auch viele weitere
gefährdete Arten der heimischen Feldflur wie Rebhuhn, Feldlerche und Feldhase.

Der Bericht des Bundesamtes für Naturschutz steht hier zum Download bereit.

Rückblick: Winter 2010

Bereits 2010 berichtete die Deutsche Wildtier Stiftung über die Gefährdung der Säugetiere. Vor dem Hintergrund, dass Hamster schon damals in Deutschland auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere ganz weit oben standen, freuten sich die Experten damals besonders über neuen Feldhamsternachwuchs:

„Das Aussterben der Feldhamster kann verhindert werden. In unserem Feldhamster-Schutzprojekt in Baden-Württemberg haben wir die Population davor bewahren können“, sagte Margit Meergans von der Deutschen Wildtier Stiftung. „Die enge Zusammenarbeit mit Landwirten vor Ort hat Früchte getragen. Die Ackerflächen wurden hamsterfreundlich bewirtschaftet und das ist für die possierlichen Tiere die wirksamste Überlebenshilfe“.

Landwirte engagieren sich

Die mitmachenden Landwirte erhalten Ausgleichszahlungen, wenn sie Klee und Luzerne anbauen, einen Erntestreifen mit Getreide auf dem Feld stehen lassen und später als sonst üblich den Acker umpflügen. Immer mehr Landwirte engagieren sich in dem Schutzprojekt. Ohne ihren Einsatz wäre der Feldhamsternachwuchs bereits im kommenden Winter vom Hungertod tief unter der Erde bedroht. „Es ist ein langsamer und grausamer Tod“, erklärte Margit Meergans.

Wenn die Tiere nicht genügend Futtervorräte für den Winter sammeln können, hungern sie und sterben schließlich untergewichtig an Entkräftung. Die Ursache für den Hungertod ist die industrielle Landwirtschaft. Die Getreidefelder werden heutzutage mit den modernen Maschinen bis aufs letzte Körnchen abgeerntet. Deshalb bleiben bei der Futtersuche für die Wintervorräte die Hamsterbacken immer häufiger leer. Um gut über den Winter zu kommen, brauchen Feldhamster etwa vier Kilogramm Getreide und Samen. Denn sie schlafen nicht bis zum Frühjahr durch, sondern wachen alle fünf Tage auf, um etwas zu fressen. Sind die Vorräte aufgebraucht, bleibt der Hamsterbauch leer.

 
Quelle: UD/pm

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