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24.03.2016

Dürrekatastrophe in Afrika verschlimmert sich

In der schlimmsten Dürre seit einem halben Jahrhundert wird Äthiopien weitgehend alleine gelassen. Der Boden ist vertrocknet, Ernten fallen aus, das Vieh vielerorts verendet - und jetzt hungern auch die Menschen. Die Vereinten Nationen, Hilfsorganisationen und die äthiopische Regierung warnen seit Monaten, dass sich die Situation von rund zehn Millionen Hilfsbedürftigen weiter verschlimmert. Doch die internationale Gemeinschaft hat bislang erst knapp die Hälfte der zugesagten Mittel bereitgestellt.

"Europa ist aufgrund der Flüchtlingskrise mit sich selbst beschäftigt. Deshalb findet diese humanitäre Katastrophe in Afrika viel zu wenig Aufmerksamkeit", sagt Josefine Kamm, Geschäftsführerin der Stiftung Menschen für Menschen Schweiz.

Verursacht ist die Dürre durch den Klimawandel, der durch das aktuelle globale El-Niño-Wetterphänomen noch verstärkt wird. Laut dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten im UN-Sekretariat stieg die Zahl der auf Nahrungsmittel angewiesenen Menschen in Afrika in den ersten Monaten des Jahres noch einmal, nämlich von 18,2 auf 20,4 Millionen Menschen. Die Hälfte davon lebt in Äthiopien.

Die UN-Behörde geht davon aus, dass dort 435.000 Kinder mit schwerer Unterernährung dringend behandelt werden müssen. Zu den rund 730.000 Flüchtlingen, die vor Kriegen und Willkürherrschaft in den Nachbarländern nach Äthiopien geflohen sind, kommen nun noch 545.000 Binnenflüchtlinge hinzu. Mehr als 200 Schulen hätten schon geschlossen werden müssen, weil Hirtenfamilien mit ihren Kindern auf der verzweifelten Suche nach Wasser und Futter für ihre Herden in weitabgelegene Gebiete gezogen seien. Dort sind die Kinder einem noch grösseren Risiko ausgesetzt: Durch Nahrungsmangel und schmutziges Wasser drohen ihnen Infektions- und parasitäre Krankheiten, die aufgrund ihrer Entkräftung leicht zum Tode führen können.

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Jedes vierte Kind unter fünf Jahren unterernährt

"Dieses Schicksal vermeiden wir im besonders betroffenen Distrikt Mille in der Region Afar durch unsere Nothilfe", sagt Josefine Kamm. Dort wies nach Angaben der lokalen Behörden zum Jahreswechsel jedes vierte Kind unter fünf Jahren Anzeichen von Unterernährung auf, rund 1000 Kinder waren demnach schwer unterernährt. Menschen für Menschen Schweiz bringt diese Kinder seit Januar mit einer Zusatznahrung durch die Dürre. Pro Kind bekommen die Familien viereinhalb Kilogramm Famix, ein proteinreiches Pulver aus Soja und Getreide, und einen halben Liter Speiseöl: "Solange die saisonalen Regen ausbleiben, entscheidet unsere Hilfe über Gesundheit und Leben der Kinder."

Maßnahmen über die Nothilfe hinaus notwendig

Über die Nothilfe hinaus sei es wichtig, den Menschen Perspektiven anzubieten, die sie langfristig unabhängig machen vom Klimawandel, betont die Geschäftsführerin der Stiftung, die sich auf die Äthiopienhilfe spezialisiert hat: "Die Hirtenfamilien brauchen Alternativen zur Viehzucht. Sonst hungern sie bei künftigen Dürren erneut." Deshalb bauen Experten der Stiftung im Gebiet Subuli in der Afar-Region Bewässerungskanäle am ganzjährig Wasser führenden Arso-Fluss: "Wir wandeln 100 Hektar staubiger Savanne in Getreide- und Gemüsefelder um, auf denen zwei Ernten im Jahr möglich sind." 1.800 Menschen finden so auf Jahrzehnte hinaus Nahrungsmittel-Sicherheit.

Flüchtlingsdebatte: Hilfe in Herkunftsländern verstärken

"In der Flüchtlingsdebatte in der Schweiz wird zurecht die Forderung gestellt, die Hilfe in den Herkunftsländern zu verstärken", sagt Josefine Kamm. "Wir helfen gefährdeten Kindern kurzfristig mit Nothilfe und sorgen gleichzeitig für langfristige Perspektiven, damit die Familien in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Auskommen finden. Um diese Ziele zu erreichen, sind wir weiterhin dringend auf die Hilfe der Schweizer Bevölkerung angewiesen."

 
Quelle: UD/pm

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