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„Kita sollte kein Schutzraum vor digitalen Medien sein“ zoom

27.02.2015

„Kita sollte kein Schutzraum vor digitalen Medien sein“

Frühzeitige digitale Bildung von Kindern ist Aufgabe von Eltern, nicht aber die des Kindergartens. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung. Demnach ist in der Kita die Vermittlung erster Kenntnisse im Lesen, Schreiben und in Englisch wichtiger. Im Grundschulunterricht hingegen sollten digitale Medien eine zunehmende Bedeutung spielen. Befragt wurden Eltern von Kita- und Grundschulkindern, Grundschullehrer und Erzieher.

Humboldthain, Silbenbogen oder Eselsbrücke: Das sind Orte, an die sich fünf- bis siebenjährige Kinder mit Hilfe der Schlaumäuse-Lernsoftware begeben. Ein Wortwichtel treibt hier sein Unwesen und bringt den Wortschatz durcheinander oder stiehlt Buchstaben aus dem Wörtersee. Die Wörter sollen dann beispielsweise von den Kindern mittels Computer oder Tablet repariert werden. Der Software liegt das didaktische Konzept des entdeckenden Lernens zugrunde. Sie ermöglicht den Kindern einen selbständig zu erkundenden Zugang zu den Spielinhalten. Neben der Förderung der Sprachentwicklung vermittelt die Software den Kindern so auch Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien.

Die Medienpädagogin Sina Schreck ist davon überzeugt, dass der Einsatz von computergestützten Lernprogrammen zur Sprachbildung von Vorschulkindern beiträgt: „Nicht als Ersatz für gemütliches Büchervorlesen oder für wirkliche Sprachförderung, aber es ist eine zusätzliche Möglichkeit, das Interesse für Sprache und die Neugier in Bezug auf Buchstaben und Wörter zu wecken“, sagt sie in einem Interview auf schlaumäuse.de.

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Keine digitalen Medien in Kitas

Das Beispiel der Schlaumäuse zeigt, dass die Vermittlung von ersten Kenntnissen im Lesen oder Schreiben und der Umgang mit neuen Medien kein Widerspruch sein muss. Aber gerade dem Einsatz digitaler Medien in Kindergärten steht die Mehrheit der Eltern und Erzieher skeptisch gegenüber. Das zeigt die Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach vergangenen Herbst im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung durchgeführt hat. Demnach halten nicht nur die Eltern und Erzieher, sondern auch die Grundschullehrer eine frühe gezielte digitale Medienbildung für überflüssig. Dem Argument, dass dies deswegen sinnvoll ist, weil Computer und Internet im späteren Leben der Kinder eine wichtige Rolle einnehmen werden, schließen sich weniger als 20 Prozent der Befragten an.

Die große Mehrheit der Erzieher (83 Prozent) und Eltern (74 Prozent) denken, dass die Nutzung digitaler Medien durch eine damit einhergehende Informationsüberflut die Kinder überfordern würde. 35 Prozent der Erzieher gehen sogar davon aus, dass der frühe Umgang mit digitalen Medien die Talente der Kinder verkümmern lasse. Dementsprechend setzen auch nur 14 Prozent der Erzieher in ihrem pädagogischen Alltag digitale Medien zumindest gelegentlich ein.

In der Grundschule schon

Auf die Grundschule bezogen ergibt die Umfrage ein anderes Bild: „Digitale Medien sind heute wichtiger Bestandteil der Lebenswirklichkeit und sind daher auch aus den Bildungsinstitutionen nicht mehr wegzudenken. Die Grundschule scheint der derzeit geeignetste Lernort zu sein, um Kinder an den Umgang mit digitalen Medien heranzuführen“, erklärt Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung. So befürwortet weit über die Hälfte der befragten Eltern, Lehrer und Erzieher, dass Kinder in der Grundschule erste Schritte im Umgang mit Computern, Tablets, Smartphones und dem Internet machen sollen.

„Die Befragung zeigt zudem, dass Grundschullehrer in digitalen Medien großes Potenzial für die Unterrichtsgestaltung sehen“, sagt Winter weiter. Sie verwenden digitale Medien meistens, um Videos und Filme zu zeigen oder Lernprogramme zu nutzen. „Als Stiftung wollen wir dazu beitragen, dieses Potenzial zu heben. Das gilt grundsätzlich auch für die Kita. Sie sollte kein Schutzraum vor digitalen Medien sein.“ Ziel der Stiftungsarbeit ist es, die Bildung in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu verbessern.

Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung.
Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung.

Auch wenn der Einsatz digitaler Medien in der Grundschule ein weitaus größeres Thema als in den Kindergärten ist, gaben fast 46 Prozent der Grundschullehrer an, digitale Medien selten oder nie im Unterricht zu verwenden. Dabei zeigen die Umfrage-Ergebnisse, dass die gewünschte Bedeutung digitaler Medien im Unterricht eine Generationsfrage ist: So denken 40 Prozent der Lehrer, die unter 40 Jahren sind, dass digitale Medien im Unterricht eine (sehr) große Rolle spielen sollten. Dieser Wert nimmt mit steigendem Alter der Lehrkräfte allerdings ab.

Deutsche Schulen digital unterentwickelt?

Im internationalen Vergleich schneiden deutsche Schulen bei der Computernutzung sehr schlecht ab. Das hatte Ende 2014 die ICILS-Studie ergeben. ICILS ist die Abkürzung für die International Computer and Information Literacy Study, deren deutscher Teil u. a. von der Paderborner Professorin für Schulpädagogik, Birgit Eickelmann, geleitet wird. Die Ergebnisse zeigen, dass sich hierzulande elf Schüler einen Computer teilen. Dieser Wert hat sich seit einer Erhebung aus dem Jahr 2006 nicht verbessert.

Neben der fehlenden Hardware ist aber auch die Lehrerausbildung ein Problem, weil der Einsatz digitaler Technologien nur sporadisch vorkommt: „Es hängt sozusagen vom Zufall ab, an welcher Universität man studiert und welche Seminare man besucht, ob man mit dem Thema überhaupt in Kontakt kommt“, sagt Eickelmann im Interview mit Zeit Online. „In der Weiterbildung sieht es nicht besser aus. Im internationalen Vergleich besuchen Lehrkräfte in Deutschland nur selten Fortbildungskurse zu digitalen Medien, am seltensten übrigens, wenn sie am Gymnasium unterrichten.“

Geteilte Meinung über Fortbildungen

Auch die Allensbach-Umfrage im Auftrag der Telekom-Stiftung hat sich dem Thema Fortbildungsmöglichkeiten im Bereich digitaler Medien gewidmet. Demnach interessieren sich Grundschullehrer eindeutig mehr als Erzieher für Seminare über den Einsatz digitaler Medien im pädagogischen Alltag. Das geringe Interesse der Erzieher zeigt sich auch im Hinblick auf die tatsächliche Teilnahme an Fortbildungen, welche bei nur 27 Prozent liegt. Von den befragten Grundschullehrern hingegen hat bis jetzt über die Hälfte ein solches Angebot angenommen. Immerhin fördern 42 Prozent der Grundschulen gezielt die Teilnahme ihrer Lehrkräfte an Seminaren, indem sie etwa die Kosten übernehmen.

Die meisten Eltern denken, dass sie gut mit Tablets, Smartphones und Internet umgehen können.
Die meisten Eltern denken, dass sie gut mit Tablets, Smartphones und Internet umgehen können.

Im Vergleich zu den anderen sind diejenigen, die bereits Fortbildungen besucht haben, weitaus besser über die Möglichkeiten informiert, die digitale Medien bei der Unterrichtsgestaltung bzw. bei der Arbeit mit Kindern in Kindergärten bieten.
Die Mehrheit der Eltern von Grundschülern vertraut der Medienkompetenz der Lehrkräfte und glaubt, dass sie diese gezielt für die Förderung der Kinder einsetzen können. Ein anderes Bild zeigt sich bei den Erziehern. Auch wenn fast 40 Prozent der befragten Erzieher sich zutrauen, digitale Medien sinnvoll im Kita-Alltag einzusetzen, teilen diese Meinung nur 25 Prozent der Eltern.

Medienverhalten der Kinder ist altersgebunden

Die Allensbach-Umfrage hat außerdem ergeben, dass der Umgang mit Medien insgesamt eine wichtige Rolle im Alltag der Kinder spielt. Nach Aussagen der Eltern gucken die Kinder in ihrer Freizeit fern, beschäftigen sich mit Büchern oder hören CDs und MP3. Im Vergleich dazu spielen Smartphones, Handys und Internet eine untergeordnete Rolle. Allerdings ändert sich das Medienverhalten der Kinder mit zunehmendem Alter: Je älter sie werden, desto öfter nutzen sie digitale Medien und verbringen mehr Zeit mit ihnen. Das gilt speziell fürs Internet. Von den Grundschulkindern im Alter von unter acht Jahren, die sich täglich mit digitalen Medien befassen, sind 30 Prozent mehrmals wöchentlich im Netz. Bei den Achtjährigen und älteren Kindern sind es bereits zwei Drittel.

Über 80 Prozent der Eltern von Kindergartenkindern und Grundschulkindern versuchen, Einfluss auf das Medienverhalten zu nehmen. So stellen sie nicht nur Regeln für die Nutzungsdauer auf, sondern achten darauf, was die Kinder mit den digitalen Medien machen. Gerade die Vorschulkinder werden dabei zusätzlich von den Eltern immer oder zumindest meistens überwacht. Dabei denken die meisten Eltern, dass sie selbst gut bis sehr gut mit den digitalen Medien umgehen können. Weit mehr als Hälfte kennt dabei allerdings keine speziellen digitalen Lernangebote für Kinder.

 
Quelle: UmweltDialog

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