31.05.2012

Plastiktüten-Aus in L.A.: EU will nachziehen

In Los Angeles sind ab 2014 Plastiktüten in Geschäften verboten. Wenngleich die deutschsprachigen Länder bisher nicht erreicht haben, was der Stadtrat der zweitgrößten US-Metropole am gestrigen Mittwoch beschloss, gibt es in der EU sehr wohl Vorzeichen für ähnliche Regelungen. "Nachdem bereits 2011 eine entsprechende Konsultation zum Plastiktaschenverbot lief, dürfte ein Entscheid der EU-Kommission darüber schnell kommen - noch dieses Jahr oder 2013", erwartet Rüdiger Rosenthal, Sprecher der Umweltorganisation im Interview.

Foto: annikalundin/flickr.com
Foto: annikalundin/flickr.com
Die Bewohner von Los Angeles müssen nach der Übergangszeit eigene Taschen zum Einkauf bringen oder zehn Cent für eine Papiertüte bezahlen, besagt die neue Regelung, von der 7.500 Geschäfte betroffen sein sollen. Pionier ist die Millionenstadt am Pazifik damit nicht: Auch andere kalifornische Städte - darunter San Francisco im Jahr 2007 - haben diesen Schritt gewagt. Auch in Frankreich, Ruanda, Tansania, in Teilen Australiens und sogar Indien gibt es Gesetze gegen Tragetaschen aus Plastik. Einschränkungen bezüglich des Materials gibt es in China seit 2008 sowie in Italien seit 2011.

In Deutschland kommen laut Schätzungen jedes Jahr fünf Mrd. Plastiktüten auf den Markt, wobei dabei die abreißbaren Supermarkt-Plastiktüten etwa für Obst noch gar nicht mitgezählt sein dürften. Anläufe der Grünen, ein Verbot in Hamburg und Köln umzusetzen, scheiterten bisher. Bessere Chancen hat derzeit die EU-weite Regelung. "Der europäische Binnenmarkt erschwert Vorstöße einzelner Staaten. Mögliche Instrumente einer schrittweisen Umsetzung wären das Verbot der kostenlosen Abgabe von Plastiktüten sowie eine Besteuerung der Ausgangsmaterialien wie bei der Mineralölsteuer", schlägt BUND-Sprecher Rosenthal vor.

Meere voller Plastik

Das Problem der Plastiktüten: Nach minutenlanger Benutzung belasten sie oft jahrzehntelang die Umwelt. Für das Entsorgungsproblem muss man nicht den pazifischen Müllstrudel bemühen, da auch das Mittelmeer oder die Nordsee betroffen sind. In Letztere werden laut Expertenschätzungen jährlich 20.000 Tonnen Kunststoff gekippt. Die Rechnung bezahlen die Meeresbewohner und deren Nahrungskette: Laut Forschern der Uni Kiel befinden sich im Magen jedes an der Nordseeküste tot aufgefundenen Vogels im Schnitt 29 Plastikpartikel. Das Umweltbundesamt zählt 13.000 dieser Partikel pro Quadratkilometer Meeresfläche.

Alternativen: Textil ja, Biokunststoff nein

Ökologisch keine Alternative sind Tüten aus Bioplastik, die Rosenthal als "reine Verbrauchertäuschung" bezeichnet: "Sie erfüllen das umweltfreundliche Versprechen nicht." In Ermangelung eigener Rücknahmesysteme landen Bioplastik-Tüten meist im Hausmüll und werden folglich verbrannt, während sie für die Biotonne gar nicht geeignet sind: Ihr Abbau ist zu langsam, was etwa Kompost-fressende Tiere gefährdet. Schwerer wiegt aber wohl der Kritikpunkt, dass Kunststoffe aus Pflanzenbasis über den gesamten Lebenszyklus betrachtet ebenso schädlich sind wie Erdöl-Plastik.

"Plastiktüten sind eindeutig die schlechteste Art der Verpackung. Günstiger sind Stofftaschen, die über Monate oder sogar Jahre wiederverwendet und dann dem Recycling zugeführt werden können", betont der BUND-Sprecher. Auch Papiertüten seien eine Alternative, sofern sie nach Verwendung dem Altpapier zugeführt werden. "Am wichtigsten ist bei allen Maßnahmen das Umdenken - weg von der heute oft noch vorherrschenden Wegwerfmentalität und hin zu einem Denken in Kreisläufen. Dieser Wandel erfordert viel Kommunikation, wobei ihm Gesetze und Kosten Nachdruck verleihen."
 
Quelle: UD / pte

0 Kommentare

Ihr Beitrag

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Netiquette