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16.11.2012

Gemeinschaftlicher Konsum erlaubt neue Geschäftsmodelle

Kaufen, benutzen und wegwerfen: Die klassische Konsummentalität, wonach Kunden Produkte und damit Rohstoffe in kurzer Zeit verbrauchen, steht zur Disposition. Denn moderne Gesellschaften suchen mehr denn je nach alternativen Wegen, um weniger ressourcenintensiv zu wirtschaften und zu leben. Gemeinschaftlicher Konsum, wie die kollektive Nutzung von Maschinen, Versicherungen oder Wohnraum, bietet neben neuen Möglichkeiten für nachhaltige Lebensstile vor allem intelligente Geschäftsmodelle. Von 27. bis 28. November wird die Fachkonferenz „SusCon“ gemeinschaftliche Konsummodelle aus ganz Europa beleuchten.

Kaufen war gestern. Eine zukunftsfähige Konsumgesellschaft muss sich stärker am Nutzen eines Produktes ausrichten, statt an dessen Besitz. Konkret heißt das tauschen, teilen oder leihen, statt erwerben, verschleißen und entsorgen. Der ökologische Mehrwert liegt auf der Hand: „Teilen sich mehrere Personen Waschmaschine oder Rasenmäher, sind weniger dieser Gebrauchsgegenstände nötig, was Ressourcen spart. Zudem haben Anbieter von Geschäftsmodellen, zum Leihen oder Teilen von Produkten, einen Anreiz, insbesondere langlebige Produkte anzubieten.“ sagt Michael Kuhndt, Geschäftsführer des Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP).

Sharing-Modelle bieten außerdem den Vorteil, dass Verbraucher sich nicht mit der Wartung oder Reparatur von Geräten befassen müssen. Sie vermeiden hohe Anschaffungskosten und können unterschiedliche Produkte flexibel testen. Ein prominentes Beispiel ist Car-Sharing.

Besonders im Netz sprießt eine Vielzahl von Tauschbörsen. Auf „airbnb.de“ können sich Nutzer in private Unterkünfte aus 26.000 Städten und 192 Ländern einmieten. Die Anbieter verdienen mit dem überschüssigen Wohnraum Geld. Ähnlich funktioniert die online-Plattform Floow2. Dort können Nutzer Maschinen, die nur wenig in Gebrauch sind, mieten oder vermieten. Traktoren und Krane wechseln so per Mausklick für bestimmte Zeit und gegen geringe Kosten den Besitzer. Floow2 finanziert sich durch den Umsatz aus Abonnements und Anzeigen.

„Das gemeinschaftliche Konsumieren entwickelt sich zu einem Massenmarkt. Passive Kunden werden zu aktiven Mitgestaltern, die Unternehmensmodelle und damit die Wirtschaft verändern“, sagt Kuhndt. Gerade junge Menschen, die Digital Natives, sind durch ihre Erfahrungen mit Sozialen Netzwerken besonders aufgeschlossen, wenn es ums Teilen geht. Sie sind mobiler als andere Generationen und interessieren sich eher dafür, ihre Bedürfnisse im hier und jetzt zu befriedigen. Materielles Eigentum und Statussymbole verlieren an Bedeutung.

Gleichwohl gibt es auch Herausforderungen. Geliehene Gegenstände werden intensiver genutzt und verschleißen somit schneller. Schäden können zu Konflikten in der Leihcommunity führen. Zudem scheuen viele Mieter den zusätzlichen Zeitaufwand, der etwa durch buchen, abholen und durch die Rückgabe eines Produktes anfällt - persönliches Eigentum ist jederzeit verfügbar.

Zudem ist materieller Besitz in großen Teilen der Welt identitätsstiftend und damit ein internalisiertes Stück Kultur - das ändert sich nur langsam. „Wegwerfkonsum“ ist noch immer die Regel was auch Zahlen verdeutlichen: Der Konsum von Speisen und Getränken, der private Transport sowie Wohnen und Unterkunft verursachen immerhin 70 bis 80 Prozent der ökologischen Schäden in Europa, wie eine Studie des „SPREAD Sustainable Lifestyles 2050 Project“ zeigt.

Die SusCon befasst sich daher in der Themensession New Business Models and Collaborative Consumption mit diesen zentralen Fragen:

- Was sind Hürden und notwendige Rahmenbedingungen für kollaborativen Konsum?
- Welche Vorteile bietet kollaborativer Konsum für Gesellschaft und Umwelt?
- Wo liegt sein geschäftlicher Nutzen und welche Businessmodelle existieren?
 
Quelle: UD / cp

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