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Dienstag, 26.September 2017
Wer mit Automaten unhöflich umgeht, den bedienen sie nicht

19.05.2017

Wer mit Automaten unhöflich umgeht, den bedienen sie nicht

Plötzlich machen sich alle Gedanken über Roboter und Automaten. Vor allem über die künstliche Intelligenz (KI), die zunehmend in die Automaten eingebaut und ständig weiterentwickelt wird. Wird ihre Intelligenz unsere bald überflügeln? Prof. Dr. Birger Priddat schreibt in diesem Gastbeitrag darüber, wie die künstliche Intelligenz den Menschen zivilisieren könnte.

Dass Algorithmen vieles, was wir uns mühsam zusammenreimen, extrem schnell und komplex berechnen können, ist eine nützliche Eigenschaft der Digitalisierung. Dass aber die Roboter die Macht übernehmen, ist eher der Nachtschatten schlechter amerikanischer Filme. Aber etwas anderes wird passieren: dass wir uns daran gewöhnen, mit Automaten zusammenzuleben. Wir werden sie vielfach gar nicht mehr als Automaten empfinden, sondern als gleichsam natürliche Gesprächs- und Arbeitspartner (so wie heute schon Siri oder die Stimme des Navigationsgerätes). Spätestens dann, wenn die Maschinen reden werden. Denn alle Automaten, die mit uns oder für uns arbeiten, werden kommunizieren: untereinander, aber auch mit uns. Dass sie mit uns andere Dinge kommunizieren, ist klar: Alexa oder Siri sind die ersten Erprobungen.

Wenn sich die Automaten sprachlich in unsere Kommunikationswelten einklinken, sind wir nicht mehr darauf angewiesen, mit Texten, SMS’en, Mails, Bildern etc. zu operieren. Sondern wir kommunizieren mit den Maschinen gleichsam auf ‚Ohrenhöhe’. Aber das ist der trivialere Teil der Aussage; der weniger triviale ist der, dass uns die Maschinen durchgehend vernünftig gegenübertreten. Sie sind – zumindest erst einmal – emotionslos (ohne kühl zu sein. Das Timbre der Stimmen von Siri und Alexa erleben manche sogar als proto-erotisch). Aber sie kommunizieren letztlich in einer Dimension: streng vernünftig.

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Bevor wir nicken und sagen, das sei doch klar, sollten wir bedenken, dass sich daran unsere Kommunikationsstile neu formieren. Mit emotionalem, gehässigem, aufbrausendem, oder aber auch nöligem, wischi-waschi- und labernden Aussagen werden wir den Maschinen nicht kommen können. Sanft werden die Algorithmen unsere Stimmungen korrigieren, nachfragen, unnachgiebig vernünftig. Oder aber die Sache auf später verschieben, weil man von uns gerade keine vernünftige Antwort bekommt etc. Mit unseren schlampigen Kommunikationen, unklarem Entscheiden bzw. Nicht-Entscheiden-Können werden diese Maschinen nichts anfangen können, außer uns leise ‚zur Vernunft’ zu bringen. Wir werden – mehr oder minder – genötigt, vernünftig zu fragen und vernünftig zu antworten – eine Qualität der Kommunikation, die wir im Alltag durchschnittlich weder beherrschen noch hinreichend üben.

Es kann also sein, dass die Automaten uns zivilisieren. Nicht weil sie so programmiert sind (auch darauf kann man achten), sondern schlicht, weil sie logische Automaten sind, die nichts anderes können, als einigermaßen vernünftig zu sein. Es wäre ein miserabler Automat, wenn er schlampig, uneindeutig, fahrig antworten würde. Die Automaten können eine kulturbildende Aufgabe bekommen. Diesen Aspekt findet man in der euphorischen Sorge über Roboter und Algorithmen äußerst selten.

Natürlich können dann semantische Algorithmen jede gehässige Äußerung – von Aussagen wage ich gar nicht zu reden – zurückweisen; nicht gleich löschen, sondern an den Absender zurückgehen lassen mit der Bitte, sie in ein einigermaßen zivilisiertes Deutsch zur übersetzen. Überhaupt könnte jeder Text – in Facebook, Twitter, aber auch in den Mails – zurückgegeben werden (back to sender), der in schlechtem Deutsch, grammatikalisch falsch und in brüchigem Satzbau verfasst ist. Wahrscheinlich würden 50 Prozent der aktuell gesendeten Textchen nicht durch den sprachbildenden Filter gehen.

Eine absurde Idee? Warum? Warum lassen wir es zu, dass ein Großteil der Kommunikation in der Gesellschaft in schlechtem Deutsch geschieht? Wenn man privat seine Sprache verschludern lassen will, ist das eine Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit. Mit dem Internet und seiner zivilisatorischen Vernunft hätten wir eine erstmalige Chance, in eine neue Sprachkultur einzutreten. Wer mit den Automaten unhöflich oder sprachlich barbarisch umgeht, den bedienen sie nicht.

 
Quelle: UD/fo

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1  Kommentar

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    Dr. Hans-Heinrich Rieser, 
    24.05.2017 - 10:47 Uhr

    Schöne neue Welt! Automaten sind logische "Wesen" und werden nur im sehr schnellen 1 - 0 -Modus reagieren können. Aber der muß von jemandem programmiert werden! Wer bestimmt denn dann, was "vernünftig" ist? Gibt es denn nicht noch andere Werte? Ist es nicht auch ein Teil des Salzes in unserer "Lebenssuppe", dass wir manchmal "unvernünftig" sind? Sind nicht manche Dinge und Verhaltensweisen heute "vernünftig" und morgen schon "unvernünftig"? Wer programmiert dann die Automaten um? Und was ist mit dem Konflikt zwischen Profiteuren das Alten und denen des Neuen?

    Es ist richtig, dass wir eine immer schlampigere Sprache auch in der Öffentlichkeit benutzen. Aber sollen uns da Automaten korrigieren? Zum Teil sicher ja, aber zum Teil wird es denen unmöglich sein! Denn was ist mit mehrdeutigen Wortspielen, was mit den Inhalten "zwischen den Zeilen", was mit den mitschwingenden Nuancen feiner Wortwahl, was mit Dialekten? Werden wir dann "political correct" kurz und klein zensiert, auch wenn wir ein Wort nutzen, um sein Gegenteil zu unterstreichen? Und wer bestimmt, was politisch korrekt ist?

    Wir sollten die Automaten etc. als hilfreiche Werkzeuge nutzen, aber eben nur als "Werkzeuge" menschlichen Handelns. Und ansonsten sollten wir unsere – nicht immer „vernünftige“ und „korrekte“ - Vielfalt menschlichen Agierens bewahren!

    P.S.: Warum endet der Kommentarmodus bei einem Text, in dem es um eine schöne und klare deutsche Sprache geht, mit dem Sendeknopf (button!) "Submit"?

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