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Mittwoch, 22.November 2017
Angestaubte Digitalisierung?

15.11.2017

Angestaubte Digitalisierung?

Was bedeutet eigentlich Digitalisierung? Wie verhält es sich mit den Begriffen Industrie 4.0 und Big Data? Wie neu sind die Themen wirklich? Das Schlagwort Digitalisierung scheint Schnee von gestern zu sein – so inflationär wie dieser Begriff in den letzten zehn Jahren zum Einsatz kam. Es stecken jedoch zahlreiche Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft dahinter. Die vermehrte Interaktion von Mensch und Maschine wirft in der Zeit des Internet of Things (IoT) neue ethische Fragen auf. Beim digitalen Wandel handelt es sich vor allem auch um einen sozialen Prozess, der den Menschen mehr denn je ins Zentrum rückt.

Von Martin Beim und Dr. Roland Fleischer

Im Mittelpunkt der Digitalisierungsprozesse standen bisher vor allem Informationen aus der Interaktion mit Menschen. Inzwischen rückt auch die digitale Transformation von Dingen immer stärker in den Vordergrund. Die Vernetzung von Objekten und Geräten stellt eine Verbindung zwischen realer und virtueller Welt her. Ein Teilkomplex dieses IoT ist die „Industrie 4.0“. Ursprünglich eine Bezeichnung aus dem Marketing der deutschen Bundesregierung, entwickelte sich dieser Ausdruck in den letzten zehn Jahren zu einem gängigen Begriff. Schon seit Längerem nutzt die Industrie die Vernetzung von Geräten für sich: Maschinen lesen etwa selbstständig die Informationen an Werkstücken, um die exakten Arbeitsabläufe darauf abzustimmen. Manuelle Eingriffe sind nur noch selten nötig – die Kommunikation erfolgt von Maschine zu Maschine. Digitalisierung, Internet of Things und Industrie 4.0 – alle drei Entwicklungen haben tiefgreifende Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft:

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1. Ethik: Selbstbestimmt, aber einsam?

Je vollständiger das digitale Abbild der Welt wird, desto weniger persönliche Interaktion erscheint noch nötig. Diese Entwicklung manifestiert sich etwa in der automatischen Paketzustellung bis hin zu selbstfahrenden Autos. Durch den vermehrten Einsatz von Technologie zur Abarbeitung von faktenbasierten Entscheidungen, nimmt die Technik immer mehr auch Akademikern die Arbeit ab. So zeigt sich, dass die Verschiebung der Wertschöpfung von menschlicher zu maschineller Tätigkeit ein soziales Grundproblem aufwirft. Die Konsequenz muss sein, Alternativen zu suchen, sodass die Digitalisierung zur Steigerung der Lebensqualität aller Beteiligten beiträgt.

2. Sicherheit: Datenmengen schutzlos ausgeliefert?

Immer mehr Daten zu Personen, Orten, Objekten und Produkten sind digital verfügbar. Aufgrund der vermehrten Nutzung dieser Datenmengen vergrößert sich die Angriffsfläche für digitale Kriminalität: Allein im Jahr 2015 entstanden über 430 Millionen neue Instanzen von Malware und in Dreiviertel der gängigen Websites existieren gravierende Sicherheitslücken. Gleichzeitig werden digitale Informationen in den Unternehmen immer relevanter. Laut einer Studie der Bundesdruckerei legen Unternehmen zwar großen Wert darauf, Digitalisierung nicht auf Kosten der Sicherheit zu forcieren. Allerdings lässt sich beobachten, dass die Maßnahmen zum digitalen Schutz meist lückenhaft umgesetzt werden. 61 Prozent sehen die hohen Kosten als Hemmnis für die Gewährleistung und die Verbesserung ihrer IT-Sicherheit. Obwohl 54 Prozent der Betriebe in den vergangenen 24 Monaten einen konkreten IT-Sicherheitsvorfall hatten. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen erkennt einen hohen Verbesserungsbedarf bei organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen. Allein im Jahr 2017 gehen 60 Prozent der Unternehmen von steigenden Investitionen für IT-Sicherheit aus.

Bits und Bites in Würfeln

3. Datenqualität: Qualität und Quantität

Vollständige und richtige Daten spielen für Unternehmen eine immer größere Rolle. Auch in der digitalen Strategie der Bundesregierung heißt es: „Zentraler Rohstoff des digitalen Wandels sind Daten. (…) Die Schlüsselkompetenzen erfolgreicher Unternehmen werden auf lange Sicht in der Verarbeitung, Verknüpfung und dem Schutz von Daten liegen (…)“. Ohne den Rohstoff „Daten“ lässt sich die Digitalisierung kaum bewältigen. Eine Studie von Lünendonk mahnt jedoch an, dass viele Unternehmen für die Herausforderungen der Digitalisierung noch nicht ausreichend gerüstet sind. Nur 15 Prozent der 155 befragten Unternehmen sehen sich beim Stammdatenmanagement gut aufgestellt. 85 Prozent stufen sich hier als „mittelmäßig“ oder gar „schlecht“ ein. Der allgemeine Trend entwickelt sich weg vom rein quantitativen Datensammeln und erweitert sich zusehends um eine qualitative Komponente: Big Data wandelt sich zu „Thick Data“.

4. Standards: Unausweichlich

Nur mit Normen bereit für die Digitalisierung: Je mehr Komponenten die Kommunikation umfasst, desto wichtiger sind einheitliche Regeln für Identifizierung und Einordnung von Informationen. Gerade für junge, innovative Unternehmen mit schmalerer Kapitaldecke hat die Verfügbarkeit günstiger Standardkomponenten als Basis für die Entwicklung große Bedeutung. Auch der Technologieverband VDE positioniert sich klar: „Ohne Standarisierung keine Digitalisierung“. Unternehmen sind gefordert, den digitalen Wandel mit Standards und Normen aktiv zu gestalten. Die Politik muss dafür geeignete Rahmenbedingungen schaffen und die Unternehmen unterstützen, während die Normungsinstitute ihre Anforderungen an die Digitalisierung anpassen müssen.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

5. Datenmenge: Unerschöpflich

In den letzten Jahrzehnten ist die Datenmenge in der digitalen Welt geradezu explodiert. Die Herausforderung besteht darin, diese Datensätze durch entsprechende Datenbanktechnologien und Analysewerkzeuge auszuwerten und zu wertvollen Informationen zu verbinden. Laut statistischem Bundesamt steigt die Datenmenge weltweit von rund 8,6 Zettabyte aus dem Jahr 2015 auf rund 40 Zettabyte in 2020. Mit diesen 40 Zettabyte wird es dann 57-mal mehr Daten als Sandkörner an den Stränden der Erde geben. Ohne Anpassungen der Infrastruktur verschwinden zukünftig Informationen ungenutzt in der Datenflut. Goldman Sachs prognostiziert beispielsweise für Cloud-Computing bis 2018 ein Plus von 30 Prozent und entwickelt sich damit langfristig zur Basistechnologie der Digitalisierung. Unternehmen müssen sich fragen, wie sich der stetig steigende Datenverkehr bewältigen lässt.

Mensch im Fokus

Der Mensch scheint in dieser digitalisierten Welt nur noch eine Nebenrolle zu spielen, doch der Eindruck täuscht. Zum einen ist diese Entwicklung kein Selbstzweck, sondern dient der Realisierung von Nutzen für Kunden, zum anderen müssen die Infrastrukturen für die Digitalisierung erstellt, erhalten und weiterentwickelt werden. Von den Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, ist in jedem Fall auch der Arbeitsmarkt betroffen. Allein in Deutschland sind laut Verband der Internet-Wirtschaft etwa 300.000 Arbeitnehmer direkt in der Internet-Branche beschäftigt – ein Wirtschaftszweig, der vor zwei Jahrzehnten noch nicht nennenswert existent war.

Der erste Schritt, den vielfältigen Herausforderungen entgegen zu treten, ist ein mentaler: Die Erkenntnis, dass die Digitalisierung den Beginn einer neuen Epoche des Lebens und des Wirtschaftens markiert, in der herkömmliche Modelle immer weniger greifen. Die Dynamik des digitalen Wandels wirkt sich weiter aus – die Ära der Hypervernetzung hat gerade erst begonnen. Aber statt einfach Wissen anzusammeln, kommt es vermehrt darauf an, Relevantes von Irrelevantem in stetig wachsenden Datenbergen zu unterscheiden. Auf IT-Organisationen und den CIO kommt zukünftig nicht nur technisch eine zentrale Rolle zu.

 
Quelle: UD

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