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EcoPlanet Bamboo: Nachhaltiger Bambusanbau zoom
Troy Wiseman setzt auf die Nachhaltigkeit von Bambus.

12.01.2015

EcoPlanet Bamboo: Nachhaltiger Bambusanbau

Der US-Unternehmer Troy Wiseman hat eine Mission: mit Bambus eine globale technologische Umwälzung auszulösen – und damit nicht nur Gewinne zu machen, sondern auch den weltweiten Holzeinschlag zu mindern und etwas gegen die Armut zu tun. Eine Reportage unseres Gastautors zeigt, wie Wiseman das mit Hilfe seines Unternehmens EcoPlanet Bamboo umsetzt.

Wie ein Junge aus dem tiefen Süden der USA zu einem global agierenden Pionier für nachhaltige Forstwirtschaft wird? Troy Wiseman sieht seinen Weg dorthin als ziemlich logische Abfolge von Ereignissen. Der Gründer und CEO der Firma EcoPlanet Bamboo, die derzeit mit großer Bambusplantagen Zeichen setzt, wollte schon immer in Dinge investieren, mit denen er etwas bewegen kann. Und was ist ihm am allerwichtigsten? Menschen.

„Als wir EcoPlanet Bamboo ins Leben riefen, war es nicht mein Ziel, den Wald zu retten, sondern die Menschen. Ich wollte Arbeitsplätze schaffen, und den Menschen Hoffnung geben. Es ging mir anfangs nicht darum, das Abholzen der Urwälder zu verhindern, sondern darum, diesen armen Menschen Arbeit zu geben, damit ihre Kinder etwas zu essen haben und zur Schule gehen können.“

EcoPlanet entstand 2010, als Wiseman in Thailand ein Bambusprojekt besuchte, in das er investiert hatte. Bambus erwies sich als rentabel und bei korrekter Bewirtschaftung als geeignet für eine größere Unternehmung nach dem Drei-Säulen-Modell, der sogenannten „Triple Bottom Line“. Schnell erkannte er, dass Bambus nicht nur eine Gelegenheit zum Geldverdienen bot, sondern auch die Möglichkeit, positive soziale und ökologische Veränderungen herbeizuführen. Bambus wurde für ihn zum neuen „Holz“.

Hoch wachsen die Bambuspflanzen in den Himmel.
Hoch wachsen die Bambuspflanzen in den Himmel.

Nachdem Wiseman untersucht hatte, welche Länder für den kommerziellen Bambusanbau geeignet waren, fiel seine Wahl auf Mittelamerika und dort insbesondere auf Nicaragua, das zweitärmste Land der westlichen Hemisphäre, wo über die Hälfte der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar pro Tag lebt und wo er selbst schon seit langem aktiv war. In Nicaragua gibt es zudem weite Landstriche, die wegen der Abholzung von Wäldern der Bodendegradation ausgesetzt sind. Wiseman wusste auch, dass dieser Standort aufgrund seiner Nähe zum US-Markt im Vergleich zum Anbau in Asien klare Vorteile bieten würde, wie geringere Transportkosten und eine bessere CO2-Bilanz.

Vorteile von Bambus

Bambus ist ein Gras, dessen Fasern ähnliche Eigenschaften wie Holz aufweisen und deshalb vergleichbare Nutzungsarten erlauben. Bambus kann und sollte auf degradierten Böden angepflanzt werden, damit dem Ackerbau keine Flächen entzogen werden. Bambus bindet mehr CO2 als alle Baumarten, er sorgt für einen ausgewogenen Grundwasserstand und beugt zugleich der Überflutung von Landflächen vor. Zu alledem ist Bambus eine alternative, nachhaltige Quelle von Faserstoffen und kann durch die verminderte Abholzung von Wäldern zur Reduzierung der Klimafolgen beitragen.

EcoPlanet baut nur Bambusarten an, die im Erzeugerland entweder heimisch oder zugelassen sind; dabei handelt es sich um buschig wachsende, tropische Arten. Viele Leute denken, dass Bambus grundsätzlich invasiv sei und unkontrollierbar wuchere, sagt Wiseman. Dies trifft auf einige Arten auch zu, aber die buschigen Arten mit pachymorphem Wurzel-Rhizom und 30 bis 40 Halmen wachsen in Horsten, die nicht mehr als 15 Quadratmeter belegen – etwa so viel wie ein Hotelzimmer.

Ihm zufolge wird das Potenzial von Bambus weithin unterschätzt. Traditionell findet Bambusholz vor allem in Nischenprodukten und -märkten seine Anwendung. Wiseman möchte dieses Muster verändern und Bambus in großem Stil als Faserstoff für die Industrie einführen.

Wiseman hat den Bambusanbau professionell aufgezogen.
Wiseman hat den Bambusanbau professionell aufgezogen.

Die Bambusgötter standen Wiseman sicher bei, als er die heimische nicaraguanische Bambusart Guadua aculeata entdeckte. Sie gehört zu den besten Bambusholzlieferanten der Welt und stand gerade in voller Blüte, als er sich nach Nicaragua auf den Weg machte. Tropischer Bambus hat die Tendenz, kollektiv zu blühen, und wirft nur etwa alle 60 bis 100 Jahre Samen ab – eine einmalige Gelegenheit, die Wiseman sofort ergriff.

Erfolgreiches Geschäftsmodell

„Das Problem war, dass noch niemand versucht hatte, Bambus dort kommerziell und in großem Stil anzubauen“, erklärt er. Bambus wird zumeist von vielen Tausend Kleinbauern angebaut und geerntet, ohne dass es eine Qualitätskontrolle oder festgelegte Standards gibt. „Um das zu tun, mussten wir also unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten bestimmte Benchmarks festlegen. Verstehen Sie mich nicht falsch – wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, wir wollen Gewinne machen. Wir schämen uns nicht dafür, Geld zu verdienen. Aber es gibt natürlich einen Weg, der richtig ist", so Wiseman weiter.

Im nächsten Schritt stellte EcoPlanet einheimische Mitarbeiter ein. Wiseman erinnert sich, dass die meisten Arbeiter am ersten Zahltag nicht mal ihren Namen schreiben konnten. Stattdessen färbte man ihnen mit einem blauen Marker den Daumen ein, den sie dann statt Unterschrift auf die Lohnquittung drückten – zumindest, bis sie gelernt hatten zu schreiben. Heute verfügt nämlich jede Plantage über eine eigene Schule, eine Klinik und sauberes Trinkwasser.

Die Anfangsinvestition von 10 Millionen Dollar in die ersten Bambusplantagen war ausreichend, um das Engagement, die Mission und die Vision unter Beweis zu stellen. Was aber letztendlich den Erfolg des Geschäftsmodells von EcoPlanet Bamboo belegt, sind drei aufeinander folgende Jahre mit Gewinnen, die Schaffung von über 500 Arbeitsplätzen in einigen der ärmsten Gegenden Mittelamerikas und auch Afrikas, die Bindung von 1,5 Millionen Tonnen CO2 und die Wiederaufforstung von Tausenden Hektar degradierter Böden zu Ökosystemen, in denen heute erneut Artenvielfalt herrscht.

Hinzu kommt die umfassende Nachhaltigkeit von Bambus, die durch unabhängige Zertifizierungsprogramme wie Forest Stewardship Council (FSC), Climate, Community and Biodiversity Alliance (CCBA) und Verified Carbon Standard (VCS) immer wieder bestätigt wird.

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Gutes Beispiel

Viele globale Meinungsführer sind derselben Ansicht. EcoPlanet Bamboo wurde eingeladen, sein Modell auf dem „Forest Day“ der Jahreskonferenz 2012 zur Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) zu präsentieren. Im Jahr darauf wurde es auf dem Waldforum der Vereinten Nationen (UNFF) vorgestellt. Erst kürzlich erschien im offiziellen Programmheft des G7-Gipfels in Brüssel ein zweiseitiger Artikel zum Unternehmen.

EcoPlanet Bamboo war das erste CO2-Einsparungsprojekt, das – ob des Engagements in politisch instabilen Ländern – eine Versicherungspolice gegen politische Risiken erhielt, die durch die Weltbank mit 27 Millionen Dollar abgesichert wurde.

Die Werte und das Motto des Unternehmens, „Erfolgreich sein, indem man Gutes tut“, bedeuteten auch, dass Wisemans Mitarbeiter irgendwann keine Angst mehr hatten, ihre Kinder nicht ernähren zu können. Stattdessen fürchteten sie, eines Tages durch einen Schicksalsschlag womöglich alles wieder zu verlieren. So schloss EcoPlanet für jeden Mitarbeiter eine Lebensversicherung über 5.000 Dollar ab, um ihre Familien abzusichern: "Mit EcoPlanet wollte ich zeigen, dass man sich nicht zwischen Ertrag und positivem Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft entscheiden muss", sagt Wiseman weiter.

 
Quelle: UD

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