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Dialogstrategien nachhaltiger Anleger – ein Ansatz mit (mehr) Potenzial zoom

28.10.2015

Dialogstrategien nachhaltiger Anleger – ein Ansatz mit (mehr) Potenzial

Ergebnisse einer Befragung börsennotierter Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum zu Erfahrungen mit Dialogstrategien nachhaltiger Investoren

Im „Triple A“ der nachhaltigen Kapitalanlage – Ausschließen, Auswählen und Ansprechen – haben die auf den Dialog mit den Unternehmen angelegten Ansätze in jüngerer Vergangenheit an Bedeutung gewonnen. Sowohl die Ausübung von Stimm- und Rederechten zur Platzierung nachhaltigkeitsbezogener Themen auf Hauptversammlungen (HV) als auch die direkte Diskussion entsprechender Aspekte mit den Unternehmen im Rahmen von Investorengesprächen werden von nachhaltigen Investoren verstärkt als Instrument einer nachhaltigen Anlagestrategie eingesetzt. Welche Erfahrungen hat man auf der Gegenseite, also bei den Unternehmen, mit den Dialogstrategien gemacht, und welche Wirkungen haben diese in den Unternehmen? Diesen Fragen ist das NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen in Zusammenarbeit mit dem Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) und VIF-Klotz Consulting im Rahmen einer Befragung nachgegangen.

Dialogstrategien beeinflussen ein wachsendes Vermögen

Anlass der Befragung ist die steigende Bedeutung der beiden Dialogstrategien „Stimmrechtsausübung“ und „Engagement“ bei den nachhaltigen Investoren. Das durch diese Strategien beeinflusste Anlagevermögen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und erreichte Ende 2014 im deutschsprachigen Raum ein Volumen von 35,7 Milliarden Euro (Stimmrechtsausübung) bzw. 32,8 Milliarden Euro (Engagement). Während die Wahrnehmung der Stimmrechte auf Hauptversammlungen (HVs) naturgemäß an den Besitz von Aktien der entsprechenden Unternehmen gekoppelt ist und sich grundsätzlich nur bei (börsennotierten) Aktiengesellschaften anwenden lässt, ist das Engagement, also der direkte Dialog mit den Unternehmen, auch auf Basis des Besitzes von Anleihen der entsprechenden Unternehmen und damit auch bei nicht-börsennotierten Gesellschaften möglich.

Jedes vierte Unternehmen beteiligt sich an der Befragung

Befragt wurden alle Unternehmen, die Anfang Mai 2015 im deutschsprachigen Raum in einem der führenden Aktienindizes gelistet waren. Insgesamt wurden 238 Unternehmen angeschrieben, Adressat war in der Regel die Investor Relations-Abteilung. 55 Unternehmen haben einen ausgefüllten Fragebogen zurückgeschickt, darunter u.a. knapp die Hälfte der DAX 30-Unternehmen. Die Rücklaufquote lag damit bei 23,1 Prozent.

Für die Auswertung wurde neben der nationalen Herkunft der Unternehmen auch der Stand des Nachhaltigkeitsmanagements berücksichtigt. Die Einordnung als „nachhaltiges Unternehmen“ erfolgte dabei auf Basis der Listung eines Unternehmens in einem anerkannten Nachhaltigkeitsindex. 31 der 55 Unternehmen (56,4 Prozent) können auf dieser Basis als „nachhaltig“ eingestuft werden.

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Deutliche Mehrheit der Unternehmen wurde bereits aktiv angesprochen

Mehr als neun von zehn Unternehmen (91 Prozent) wurden von Investoren oder Asset Managern bereits aktiv auf entsprechende Aspekte angesprochen. Als Anlass für die Ansprache von ESG-Aspekten wurden Analystengespräche (84 Prozent) dabei deutlich häufiger genutzt als die HVs der Unternehmen (49 Prozent). Bei den Unternehmen, die im Rahmen der Investorengespräche angesprochen wurden, geschah dies im Median bei fünf Prozent der Gespräche. Die Anzahl der entsprechenden Wortmeldungen auf HVs lag im Median bei fünf entsprechenden Beiträgen.

Bei knapp zwei Dritteln der Unternehmen (62 Prozent), bei denen Investoren bzw. Asset Manager ESG-Themen aktiv angesprochen haben, waren damit konkrete Forderungen verknüpft. Dies geschah auf HVs und im Rahmen von Investorengesprächen jeweils ungefähr in gleichem Umfang (59 Prozent bzw. 57 Prozent). Knapp die Hälfte der Unternehmen (44 Prozent) gibt an, dass die von Investoren im Dialog geäußerten Forderungen bei ihnen unmittelbar zu entsprechenden Maßnahmen geführt haben.

Best-in-Class-Ansatz (noch) wirksamer

Im Kanon der verschiedenen nachhaltigen Anlagestrategien landen die Dialogstrategien im Hinblick auf den von den Unternehmen wahrgenommenen Einfluss auf den Rängen zwei und vier. Als einflussreicher wird der Best-in-Class-Ansatz wahrgenommen, den mehr als ein Drittel (36 Prozent) der befragten Unternehmen auf den ersten Rang gewählt hat. Im Vergleich der beiden Dialogstrategien weisen die Unternehmen dem Engagement (20 Prozent) einen größeren Einfluss zu als der Stimmrechtsausübung (13 Prozent). Der Nutzung von Ausschlusskriterien (15 Prozent) wird dabei von den Unternehmen sogar ein größerer Einfluss bescheinigt als der Ausübung der Stimmrechte.

Die aktuelle Diskussion um die Berücksichtigung von VW in verschiedenen Nachhaltigkeitsfonds und -indizes wirft ein Schlaglicht auf die Anlagestrategien. Aus der Auswahl von VW für entsprechende Anlageprodukte auf ein grundsätzliches Versagen der verschiedenen Ansätze, insbesondere des Best-in-Class-Ansatzes, zu schließen, ist nicht angemessen – gegen einen Betrug sind auch ausgefeilte Nachhaltigkeitsanalysen und -ratings machtlos. Zahlreiche Index- und Fondsanbieter haben zeitnah und konsequent mit einem Delisting und Divestment auf die Vorfälle reagiert. Wenn VW in einzelnen Fällen aber seinen Best-in-Class-Status behält, weil die jetzt publik gewordenen Umwelt- und Governancedefizite durch Maßnahmen in anderen Bereichen als kompensiert betrachtet werden, kann dies dem Ansatz schaden. Es mag zwar rechnerisch korrekt sein, dem Unternehmen bei Erreichen der erforderlichen Punktzahl den Best-in-Class-Status zu belassen, für die meisten Anleger hingegen ist das Ergebnis schwer zu akzeptieren.

Fazit

Die Studie zeigt insgesamt, dass das Potenzial, das die Dialogstrategien für eine stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in den Unternehmen bieten, noch längst nicht ausgeschöpft ist. Schon die vergleichsweise geringe Zahl von Wortmeldungen und Anträgen auf HVs und in Investorengesprächen zu ESG-Themen löst in den Unternehmen entsprechende Maßnahmen aus. Dieser Effekt könnte aber noch größer sein, wenn mehr Investoren – wo sinnvoll auch gemeinschaftlich – auf den Dialog setzen.

Die Studie „Dialogstrategien nachhaltiger Investoren in der Praxis“ aus der Reihe „NKI Research“, Ausgabe 1 vom Oktober 2015 steht hier als Download zur Verfügung.

 
Quelle: UD

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